Petition
Luzerner Mitte schlägt wegen Wolf Alarm: «Das Mass ist voll!»

Die gehäuften Meldungen über gerissene Schafe und Kühe durch den Wolf sind für die Mitte des Kantons Luzern ein Alarmzeichen. Nun will sie den Bundesrat zum Handeln zwingen. An vorderster Front kämpft Nationalrat Leo Müller.

Lukas Nussbaumer 12 Kommentare
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Zwei Wölfe des im Augstbordgebiet im Oberwallis ansässigen Rudels, aufgenommen im November 2016 durch eine Fotofalle der Gruppe Wolf Schweiz.

Zwei Wölfe des im Augstbordgebiet im Oberwallis ansässigen Rudels, aufgenommen im November 2016 durch eine Fotofalle der Gruppe Wolf Schweiz.

Bild: Gruppe Wolf Schweiz/Keystone

Wölfe reissen in der Schweiz pro Jahr Hunderte von Schafen. Andere Nutztiere und Menschen wurden bisher nicht angegriffen. Seit dem letzten Wochenende ist das anders: Im bündnerischen Puschlav ist ein Wolf einer Person während mehrerer Minuten gefolgt und hat sie angeknurrt. Zudem haben Wölfe des Beverin-Rudels erstmals zwei Mutterkühe gerissen. Die Bündner Behörden haben deshalb den Abschuss von zwei Tieren angeordnet. Die Bundesverordnung erlaubt dies, wenn ein Wolf innerhalb von vier Monaten mehr als zehn Nutztiere getötet hat. Auch die Walliser Regierung hat schon Abschussbewilligungen erteilt.

Im Kanton Luzern ist der Wolf derzeit in der breiten Öffentlichkeit kein Thema. Anders bei den Landwirten und Älplern: Sie müssen hin und wieder gerissene Tiere beklagen, so kürzlich im Gebiet Schrattenfluh, wo ein Wolf laut Angaben von Bauern etwa zehn Schafe getötet hat. Christian Hüsler, Fachbereichsleiter Jagd und Wildhüter bei der Dienststelle Landwirtschaft und Wald, bestätigt einen nachgewiesenen Wolfsriss Ende Juni. Dazu würden im selben Zeitraum acht weitere Fälle vermutet, deren Todesursache nicht mehr nachgewiesen werden konnte. Beim Fall im Gebiet Schrattenfluh handelt es sich um den ersten bestätigten Nutztierriss durch einen Wolf seit dem 2. Januar 2021.

Auch bei Bauern wie Philipp Wicki, der seine 370 Schafe umfassende Herde durch Schutzhunde bewachen lässt und der heuer bisher keine Verluste zu verkraften hat, geht die Angst vor dem Wolf um. «Ein Kollege hat kürzlich trotz Schutzhunden 34 Schafe verloren. Ich überlege mir, mit der Schafhaltung aufzuhören», sagt der Sörenberger, dessen Familie das Gebiet am Osthang der Schrattenfluh schon seit mehreren Generationen bewirtschaftet.

Bevölkerung fühlt sich «hilflos, ratlos und allein zurückgelassen»

Für die Mitte des Kantons Luzern heisst das: «Das Mass ist voll!», wie sie in einer eben lancierten Petition schreibt. Darin fordert die Partei «umgehend ein Konzept und eine Strategie sowie Sofortmassnahmen, damit die Probleme mit der Rückkehr der Wölfe nachhaltig gelöst werden». Die Wolfspopulation nehme exponentiell zu, das sichere Nebeneinander von Bevölkerung, Alpwirtschaft und Tourismus sei «markant gefährdet». Der Bundesrat und die Verwaltung hätten «keine Antworten auf die aktuelle Herausforderung», die Bevölkerung fühle sich «hilflos, ratlos und allein zurückgelassen», poltert die Mitte.

Urheber der Petition ist Nationalrat Leo Müller. Das Problem sei «sehr virulent», und es sei «nur eine Frage der Zeit, bis auch im Kanton Luzern viel passieren wird». Das würden ihm Gespräche mit Schafhaltern zeigen, sagt der Ruswiler Politiker:

«Der Bundesrat schaut fast tatenlos zu. Dabei müsste er sich überlegen, Notmassnahmen zu ergreifen.»

SVP- und FDP-Kantonsratsmitglieder leisten der Mitte Support

Bei der SVP stösst die Petition auf Unterstützung, wie die Kantonsratsmitglieder Vroni Thalmann (Flühli) und Willi Knecht (Menznau) sagen. Thalmann ist Bäuerin, Knecht Landwirt – und für beide ist klar:

«Der Bundesrat macht zu wenig. Wir unterstützen alles, was Bergbauern und die betroffene Bevölkerung entlastet.»

Barbara Lang wird die Petition ebenfalls unterschreiben. Und auch die Bäuerin und SVP-Kantonsrätin aus Hellbühl ist der Ansicht, der Bundesrat unternehme zu wenig. Politisch könne mit einer Petition allerdings nichts erreicht werden. Sie sei aber gut, um die Bevölkerung für ein Thema zu sensibilisieren.

Auch FDP-Kantonsrat Martin Birrer wird die Petition unterzeichnen. Was ihre Wirkung betrifft, ist er gleicher Ansicht wie Barbara Lang: «Sie ist eine gute Sache, um die Leute zu sensibilisieren. Das Zusammenleben mit dem Wolf wird immer mehr zum Problem», sagt der Landwirt aus Emmen. Er plädiere nicht für den Abschuss aller Wölfe, sei aber der Meinung: «Auffällige Tiere haben bei uns nichts zu suchen. Es ist verheerend, wenn sie jetzt schon Mutterkühe reissen.»

12 Kommentare
Ursula Schmid

Herr Schärli, wenn sie durch die Schweizer Landschaft reisen, werden sie Getreidefelder, Gemüsefelder und sogar Felder mit Hülsenfrüchten sehen. Diese werden also schon produziert. Das fachgerechte Schlachten eines Rindes ist sicher um einiges humaner als der qualvolle Tod durch einen Wolfsriss.  In ihrem Traumland ohne Nutztiere müsste sich dann halt der Wolf, da er ja keine Rüebli und Gurken jagt, bei der Spezies Mensch bedienen. 

Jean-Jacques Illi

Herr Schärli, Sie scheinen zu jenen Kreisen zu gehören, die unserer Gesellschaft das Fleisch wegnehmen will. Auch wenn man kein grosser Fleischesser ist, aber diese Bevormundung von uns einfachen Bürgern über was wir essen dürfen und sollen geht einfach zu weit. Bitte respektieren Sie auch die Bedürfnisse der Bürger die gerne ein Stück Fleisch auf dem Teller haben. Leben und leben lassen. Sonst kommt der Tag, wo sich das einfache Volk auf die Hinterbeine stellen wird gegen die Besserwisser und Manipulatoren und sich dies nicht mehr gefallen lässt. Die grosse Diskussion um das vegane Menü in der Mensa der Uni Luzern hat gezeigt wohin diese Belehrungen und Manipulationen führen - zum Aufstand. Man kann gesunde Ernährung ohne starken Druck und Manipulationen lehren. So wie es sich in unserem Lande seit alters her gehört. Weil Druck erzeugt Gegendruck vom einfachen Bürger her. 

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