Rollstuhlsport
Reicher Zahltag für Marcel Hug: Der Thurgauer rundet in New York seine perfekte Marathonsaison ab

Der Thurgauer Rollstuhlsportler setzte am Sonntag am New York Marathon gleich drei Ausrufezeichen: Mit dem Tagessieg, einem Streckenrekord und dem Gesamtsieg in den Marathon Majors.

Jörg Greb
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Marcel Hug posiert nach seinem überlegenen Sieg in New York.

Marcel Hug posiert nach seinem überlegenen Sieg in New York.

Jason Decrow/AP

Die harte Arbeit während knapp anderthalb Stunden durch die verschiedenen Stadtteile von New York machte sich für Marcel Hug am Sonntag bezahlt. «So gut verdient wie heute habe ich in meiner ganzen Karriere noch nie», sagte der 36-jährige Pfyner. 25000 Dollar Siegprämie erhielt er garniert mit 50000 Dollar für den Streckenrekord. Und für den Gesamtsieg bei den Marathon Majors, der Serie der grössten Städtemarathons, kamen 50000 Dollar hinzu. Diese hatte er sich dank seines Triples Ende September/Anfang Oktober in London, Berlin und Chicago bereits vorzeitig gesichert.

Hinzu gesellte sich die Anerkennung. Für Hug war das Anreiz genug, um beim Marathon mit der weltweit grössten Ausstrahlung nochmals aufzutrumpfen. Und das tat er mit einer souveränen Gelassenheit und richtigen Selbsteinschätzung. Den ansteigenden ersten Part auf die Verzano Bridge ging der Thurgauer Rollstuhlsportler mit Vorsicht an, obwohl sein härtester Rivale, der Amerikaner Daniel Romanchuk, attackierte. Hug liess sich nicht irritieren und fuhr sein Tempo. Und in der Abwärtspartie nach dem Kulminationspunkt schloss er rasch wieder auf. Mehr noch, er zog davon. Und den nun hohen Rhythmus hielt er in einer Solovorausfahrt bis am Schluss aufrecht.

Voller Tatendrang fährt Marcel Hug in New York Richtung Ziellinie. Am Ende realisiert der Thurgauer einen Streckenrekord.

Voller Tatendrang fährt Marcel Hug in New York Richtung Ziellinie. Am Ende realisiert der Thurgauer einen Streckenrekord.

Justin Lane/EPA

Sensationelle Zeit auf diesem Parcours

«Die prächtigen Bedingungen mit warmen Temperaturen und kaum Wind spielten mir voll in die Karten», sagte Marcel Hug. «Das hervorragende Körpergefühl und die Perspektive einer Topzeit beflügelten mich.» Hug gewann in 1:25,26 Stunden – einer auf diesem Parcours sensationellen Zeit. Um fast vier Minuten blieb er unter dem alten Streckenrekord des Australiers Kurt Fernley aus dem Jahr 2006. «Es überrascht mich wirklich, dass ich eine derart imposante Bestmarke habe setzen können», sagte der Ostschweizer strahlend. «Letztes Jahr sprach ich von meinem besten Herbst, jetzt bin ich gar ein bisschen stärker.» Seine Verfassung will Hug ausnützen. Nach der Rückkehr in die Schweiz am Dienstagmittag wird er nach einer kurzen Regenerationsphase Anlauf auf einen weiteren Marathon nehmen: am 20.November in Oita, Japan.

Im Gegensatz zu 2021 verpasste Manuela Schär in New York die Titelverteidigung. Nach ihren gesundheitlichen Rückschlägen im Frühling präsentiert sich die Innerschweizerin noch nicht in Topform. Sie musste Susannah Scaroni den Vortritt überlassen. Die Amerikanerin feierte ihren ersten New-York-Triumph und ebenfalls einen Streckenrekord – in 1:42,43 Stunden. Manuela Schär büsste 2:28 Minuten ein.