Para-Leichtathletik
Fantastische Marathon-Triple: Der Thurgauer Marcel Hug triumphiert auch in Chicago

Rollstuhlsportler Marcel Hug setzte mit seinem Triumph am Chicago Marathon vom vergangenen Sonntag gleich zwei neue Marken. Die 1:25:20 Stunden und damit der neue, exzellente Streckenrekord ist dabei nur die eine Seite von Hugs Leistung.

Jörg Greb
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Marcel Hug nach dem Triumph am London Marathon vom 2. Oktober.

Marcel Hug nach dem Triumph am London Marathon vom 2. Oktober.

David Cliff/AP

Der Thurgauer unterbot in Chicago die alte Rekordmarke von Heinz Frei aus dem Jahr 2010 um satte 1:36 Minuten. Aber dieser neue Meilenstein für den Marathon am Lake Michigan spiegelt Hugs Klasse-Performance nur zum einen. Hinzu kommt, dass der aktuell stärkste Rollstuhlsportler seinen dritten Marathonsieg innert 15 Tagen feierte.

Zuletzt hat er Prestigesiege im Wochentakt realisiert: in London, Berlin und Chicago. «Ich habe noch nicht richtig realisiert, was mir da gelungen ist», sagt der überglückliche Hug. Eine solche Serie ist auch für den erfolgsverwöhnten, 36-jährigen Pfyner etwas Neues.

Fast acht Minuten schneller als der härteste Konkurrent

Am vergangenen Sonntag in Chicago demonstrierte Hug seine ganze Klasse. Der vierfache Paralympics-Sieger des Sommers 2021 nutze seine Topverfassung bei vorzüglichen Bedingungen. Schon nach weniger als zwei Kilometern gelang ihm, was am Vorsonntag noch Wunschdenken gewesen war: Er setzte sich von seinem härtesten Konkurrenten, dem Amerikaner Daniel Romanchuk, ab. Hug sagt:

«Ich konnte dann mit voller Konzentration auf mich und meine Leistung weiter aufs Tempo drücken.»

Dem zweitplatzierten Romanchuk nahm der Schweizer 7:52 Minuten ab. Das alles sorgte für Genugtuung – auch vor dem Hintergrund des letztjährigen Ausgangs.

Die Rechnung von 2021 ist damit beglichen

Vor einem Jahr war der Chicago Marathon keine 24 Stunden vor dem verschobenen Boston Marathon angesetzt gewesen. Hug startete auch damals als Favorit. Doch er scheiterte. Im Endkampf vermochte sein Dauerrivale Romanchuk zuerst alle Angriffe Hugs zu kontern und im Schlussaufstieg mehr Energie freizumachen. Auf die Enttäuschung reagierte Hug damals stark. Nur 21 Stunden später siegte er in Boston souverän. Die Gelegenheit, die Rechnung von Chicago auszubügeln, bot sich erst in diesem Jahr. Bis zum New York Marathon verbleiben Hug nun knapp vier Wochen.

Nicht am Start in Chicago waren diesmal Catherine Debrunner (Saisonpause) und Manuela Schär (krank). Der Sieg im Rennen der Frauen ging so an Susannah Scaroni aus den USA.