Weinfelden
Stadtpräsidium: Kandidaten stellen sich den Fragen aus Publikum und Verwaltung

Am Donnerstagabend hat die Interpartei Weinfelden ein Podium mit den Kandidaten fürs Stadtpräsidium organisiert. Viel genommen haben sich die drei Männer nicht, denn sie sind meist einer Meinung.

Sabrina Bächi
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Ueli Fisch, Roger Simmen und Simon Wolfer kandidieren um das Stadtpräsidium von Weinfelden.

Ueli Fisch, Roger Simmen und Simon Wolfer kandidieren um das Stadtpräsidium von Weinfelden.

Bild: Sabrina Bächi

Die grosse Überraschung gibt es nicht. Aber nach der eineinhalbstündigen Podiumsdiskussion schwatzen die über 200 Besucherinnen und Besucher während des Apéros angeregt miteinander. Wer wird wohl der neue Stadtpräsident Weinfeldens? Es ist das grosse Thema und beschäftigt die Bevölkerung.

Die Interpartei hat am Donnerstag ein Podium mit den drei Kandidaten organisiert. Kompetent durch den Abend führen die beiden Weinfelder Chandra Kuhn und Marco Diem. Sie stellen den drei Präsidiumskandidaten Simon Wolfer, Roger Simmen und Ueli Fisch persönliche und politische Fragen. Hauptpunkte dabei sind die Entwicklung der Stadt, die Partizipation der Bevölkerung und Projekte wie Bahnhof, Marktplatz und Bankstrasse.

Selbstbewusstes Auftreten wird gefordert

Die Diskussion zeigt, dass sich die drei Herren nicht sehr unähnlich sind. Mal präzisiert einer hier etwas, mal sagt der andere dort etwas konkreter, wie er es haben möchte. Doch im Grunde geben sich die Kandidaten zumeist gegenseitig recht und können nur wiederholen, was der Vorredner bereits erwähnte. Allen dreien ist wichtig, dass sich Weinfelden qualitativ weiterentwickelt. Fisch betont, dass Weinfelden das städtische Bewusstsein stärken sollte, Wolfer hingegen glaubt, dass die Stadt immer ihren dörflichen Charakter behält.

Simmen gibt teils auch sehr persönlich Einblick in sein Leben und hält auch mit Kritik zu Berufskolleginnen und -kollegen nicht zurück. «Wir Detaillisten müssen uns auch selber an der Nase nehmen und uns fragen, warum es das Lädelisterben in Weinfelden gibt», sagt er. Ganz klar: Weinfelden soll attraktiver werden. Und das unbedingt auch am Marktplatz.

«Für mich ist der Marktplatz ziemlich öde, das würde ich als Stadtpräsident unbedingt ändern wollen», sagt Fisch. Der Ottoberger betont ebenfalls, dass er die Entwicklung Weinfeldens als Gesamtkonzept sieht, und Wolfer ergänzt, dass er auch die Region stärken wolle.

Wie gehen sie mit den Mitarbeitern um?

Dank der Vorarbeit der Moderatoren müssen sich die Kandidaten auch Fragen von Verwaltungsmitarbeitern stellen. Rund 20 Prozent hätten eine Frage gestellt, sagt Kuhn, eine erfreuliche Ausbeute. Dabei wollen die Mitarbeitenden etwa wissen, wie die Kandidaten als künftige Chefs mit den Angestellten umgehen wollen. Auch Fragen zur modernen Verwaltung tauchen auf, werden aber inhaltlich wenig genutzt. Denn es geht nicht über die Diskussion zu Stehpulten und Homeoffice hinaus.

Marco Diem und Chandra Kuhn leiten das Podium im Rathaussaal.

Marco Diem und Chandra Kuhn leiten das Podium im Rathaussaal.

Bild: Sabrina Bächi

Am Ende stellt eine Votantin aus dem Publikum die Frage, wie es denn Geflüchteten und Sozialhilfeempfängerinnen und -empfängern in der Stadt ergeht, sollte einer der drei Präsident sein. «Eine schwierige Frage», ist die Einleitung zur Antwort von allen dreien. Auf Nachfrage geben die drei Männer zu bedenken, dass gerade Fragen zu sozialen Themen im Allgemeinen etwas zu kurz kamen.

«Es ist ein heikles Thema, Stellung zu nehmen, was die Sozialhilfeempfänger betrifft», gibt Roger Simmen zu bedenken. Er findet jedoch, dass er nicht einfach nur Geld ausgeben möchte, sondern auch eine Beteiligung am Gemeinwohl einfordern würde. Dass dies funktioniere, zeigten Beispiele aus anderen Gemeinden.

Familie und Arbeit oder Frauenförderung auf der Verwaltung waren kein Thema am Abend. Darauf angesprochen, sagt Wolfer: «Ich finde es entscheidend, darauf zu achten, in gemischten Teams zu arbeiten. Aber die Stadt sollte mit Angeboten zur Gleichstellung nicht die Privatwirtschaft konkurrenzieren und nur einführen, was auch ein kleines Unternehmen umsetzen könnte.» Von vier Wochen Vaterschaft für Stadtangestellte hält er deshalb wenig.