Weinfelden
Olma-Hallen statt Beijing: Diese beiden Dachdecker fahren an die Berufsweltmeisterschaft

Sven Grüninger tritt dieser Tage im Team mit Lukas Nabulon bei den Berufsweltmeisterschaften der Dachdecker an. Als Austragungsort war ursprünglich Beijing vorgesehen. Die Covid-Pandemie brachte dann einiges durcheinander.

Hannelore Bruderer
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Lukas Nabulon und Sven Grüninger nehmen an den Berufsweltmeisterschaften teil.

Lukas Nabulon und Sven Grüninger nehmen an den Berufsweltmeisterschaften teil.

Bild: PD

An der Berufsmeisterschaft 2018 in Bern holte sich der heute 28-jährige Sven Grüninger die Goldmedaille bei den Dachdeckern. Mit dem Schweizer-Meister-Titel qualifiziert er sich zusammen mit dem Zweitplatzierten Lukas Nabulon für die Teilnahme an den Weltmeisterschaften 2020 in Beijing.

Der Ausbruch der Covid-Pandemie machte den jungen Berufsleuten jedoch einen dicken Strich durch die Rechnung. Die Weltmeisterschaften in China wurden abgesagt. Nun werden sie vom 9. bis 11. November in den Olma-Hallen in St. Gallen durchgeführt.

Weiterbildung gemacht

Etwas enttäuscht sei er damals schon gewesen, meint Sven Grüninger, wollte er doch die Gelegenheit nutzen, um nach dem Wettkampf noch etwas zu reisen. «Die Zeit ist seither nicht stehen geblieben und ich habe sie genutzt, um mich weiterzubilden.» Die Schule zur Bauleiterausbildung hat der Salensteiner bereits abgeschlossen, das Schreiben der Diplomarbeit liegt noch vor ihm.

Sven Grüninger arbeitet bei der A. Kuster AG in Weinfelden als Projektleiter. Mitten im Berufsleben stehend, kann er dem Umstand, dass er die Schweiz nun nicht in China, sondern in St. Gallen vertreten darf, auch etwas Positives abgewinnen. «Ich bin schnell dort und habe einen geringeren Arbeitsausfall», sagt er.

Keinen Heimvorteil für die jungen Berufsleute

Auf einen Heimvorteil können er und sein Teamkollege Lukas Nabulon, der in Urnäsch bei der Werner Altherr GmbH arbeitet, aber nicht hoffen. Obwohl die Weltmeisterschaft in der Schweiz stattfindet, sind die Aufgaben international ausgelegt, so dass die Ausgangslage für alle Teilnehmenden gleich ist.

Das heisst, es ist genau definiert, welche Materialien und Arbeitsgeräte eingesetzt werden dürfen. «Im Gegensatz zu den Schweizer Meisterschaften ist die Aufgabe bekannt, die es in rund sieben Stunden zu erfüllen gilt. Und es ist kein Einzelwettkampf, sondern wir arbeiten als Team», erklärt Güninger. Seit rund einem Monat trainieren er und Lukas Nabulon jeweils drei Tage in der Woche beim Verband in Uzwil, wo sie von einem Mentor unterstützt werden.

Für den Sieg muss alles stimmen

Trotz der langen Zeit, die zwischen der Schweizer Meisterschaft und der WM liegen, habe er schnell in den Wettkampfmodus zurückgefunden, meint Grüninger. «Ich arbeite jetzt vorwiegend im Büro, mein Handwerk habe ich deshalb nicht verlernt. Aber ich habe nach den ersten Trainings meinen Körper recht gespürt», lacht er. Da nützte es für einmal auch nichts, dass er als Mitglied des Turnvereins Ermatingen viele Sportarten ausübt.

Welche Chancen auf einen Titelgewinn rechnet sich der Berufsfachmann an der WM aus? «Um eine Medaille zu gewinnen, muss alles stimmen», sagt er. «Die zwei Pflichtaufgaben müssen exakt umgesetzt werden und die Zeit dafür ist knapp bemessen. Bisher konnten wir die Zeitvorgabe in den Trainings noch nicht ganz einhalten. Ich bin aber optimistisch, dass wir es schaffen.» Für ihr Ausstellungsobjekt gibt es auch eine Kürwertung, die aber nicht in der WM-Wertung berücksichtigt wird.

Andreas Kuster freut sich über die WM-Teilnahme seines Angestellten. «Die WM-Teilnahme ist eine einmalige Gelegenheit und Erfahrung, die man sich nicht entgehen lassen soll», meint er. Der Firmeninhaber motiviert auch seine Lehrabgänger jeweils zur Teilnahme an Berufsmeisterschaften. «Mit der Teilnahme an Meisterschaften zeigen die Fachleute ihren Berufsstolz und es ist ein zusätzlicher Leistungsausweis.»