Weinfelden
«Nur wer Eltern mit Geld hat, hat noch eine Chance ein Haus zu kaufen»: Werner Fleischmann tritt als Präsident des HEV Weinfelden zurück

An der Versammlung des Hauseigentümerverbands (HEV) Weinfelden wählten die Mitglieder Pascal Schmid zum neuen Präsidenten. Sein Vorgänger hatte das Amt während 27 Jahren inne.

Mario Testa
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Werner Fleischmann, langjähriger Präsident des HEV Weinfelden.

Werner Fleischmann, langjähriger Präsident des HEV Weinfelden.

Bild: Reto Martin

Sind Sie selber eigentlich Eigenheimbesitzer?

Werner Fleischmann: Geschäftlich schon mit dem Geschäftshaus der Fleischmann Immobilien AG hier an der Rathausstrasse. Aber privat bin ich Mieter. 1994 haben wir ein Haus gesucht als unser zweites Kind auf die Welt kam, aber wir haben einfach nichts Passendes gefunden. An der Florastrasse haben wir dann aber ein Haus zur Miete gesehen: Sackgasse, Häuschen, Garten. Das hat gepasst und da leben wir heute noch zur Miete.

Wie kamen Sie denn zum HEV Weinfelden?

Vom Job her, es war thematisch naheliegend und für mich auch einfach. Ich habe eine Ausbildung als Grundbuchverwalter und Notar gemacht, habe auf einer Bank gearbeitet und war bei einer Versicherungsgesellschaft, bevor ich mich mit den Immobilien und der Vermögensberatung selbstständig gemacht habe. Von daher kenne ich alle Aspekte des Immobilienhandels und -verwaltens gut.

Wie hat sich die Situation für Hauseigentümer hier in der Region Weinfelden in den vergangenen 30 Jahren entwickelt?

Als ich angefangen habe beim HEV gab es den Crash anfangs der 1990er-Jahre. Die Preise für Eigentum sanken bis etwa 1995, blieben dann einige Jahre stabil, bevor sie seit dem Jahrtausendwechsel stark stiegen. Während meiner Zeit als Präsident sind die Preise also nur gestiegen – ich denke, wir haben nun aber die Spitze erreicht.

Was bringt sie zu dieser Annahme?

Weinfelden TG, 5.6.2020 – Der Weinfelder Immobilienmakler Werner Fleischmann kritisiert den Stadtrat wegen der Abgabe von 50-Franken-Gutscheinen für die Einwohner Weinfeldens.

Weinfelden TG, 5.6.2020 – Der Weinfelder Immobilienmakler Werner Fleischmann kritisiert den Stadtrat wegen der Abgabe von 50-Franken-Gutscheinen für die Einwohner Weinfeldens.

Reto Martin/Reto Martin

Vor drei Monaten hat man mit dem Bänker noch über ein Prozent Zins diskutiert, vor einem Monat über zwei und heute sind es bereits drei. So einen schnellen Anstieg hab ich noch nie erlebt. Somit lohnen sich neue Mehrfamilienhäuser für institutionelle Anleger nun kaum noch.

Wer kann sich denn überhaupt noch ein Eigenheim leisten?

Wir haben eine Zweiklassengesellschaft. Wer Eltern mit Eigentum und Kapital hat, hat noch eine Chance auf ein eigenes Haus. Aber für alle anderen jungen Familien ist eine Tragbarkeit fast nicht machbar. So krass es ist, es ist so.

Was bietet der HEV denn den Eigentümern?

Wir haben die Anlaufstelle, unsere Geschäftsstelle, an die man sich mit Fragen zu Gesetzen, Vorgaben und Baufragen wenden kann. Dazu kommt der soziale Aspekt mit den Anlässen, Vorträgen oder Ausflügen für die Mitglieder.

Wie gross war für Sie der Aufwand für den HEV?

Da ich immer eine tolle Geschäftsstelle hatte, hat sich mein Aufwand in Grenzen gehalten. Es gab nicht so viel Arbeit. Ich freue mich sehr, dass nun Pascal Schmid das Präsidium übernimmt, nachdem er schon drei Jahre im Vorstand war als Vizepräsident. Neue Vizepräsidentin ist nun Melanie Scherrer und ebenfalls im Vorstand mein Sohn Matthias. Somit haben wir wieder einen Juristen und Politiker, eine Bankfachfrau und ein Immobilienfachmann im Vorstand.

Werner Fleischmann führt durch die Versammlung des HEV Weinfelden anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums 2013.

Werner Fleischmann führt durch die Versammlung des HEV Weinfelden anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums 2013.

Bild: Mario Testa

Haben Sie ein Abschiedsgeschenk von Ihren Vorstandskollegen bekommen?

Ja, ein paar Laufenten aus Bronze zur Dekoration. Ich mag Tiere ganz allgemein sehr – und Enten im Speziellen. Dazu hat mich Thomas Götz als Napoleon an der Versammlung verabschiedet. Das war sehr amüsant.

Zur Person

Werner Fleischmann ist 67 Jahre alt, verheiratet, dreifacher Vater und lebt in Weinfelden. Der gelernte Grundbuchverwalter und Notar machte sich 1989 mit seiner Vermögensverwaltung und Immobilien-Firma selbstständig. Seit 1991 ist er im Vorstand des HEV Weinfelden, seit 1995 als Präsident. Der HEV Weinfelden ist 109 Jahre alt und zählt heute rund 2500 Mitglieder. Knapp die Hälfte aller Eigenheimbesitzer in der Region sind somit Mitglied beim HEV. Zur Sektion gehören die Gemeinden Amlikon-Bissegg, Berg, Birwinken, Bürglen, Bussnang, Märstetten, Schönholzerswilen, Weinfelden und Wigoltingen.