Weinfelden
Christoph Rutschmann züchtet Marroni: «Es sind die Bäume der Zukunft»

Ausserhalb der Stadt Weinfelden hat der Forstingenieur Christoph Rutschmann neun Marronibäume gepflanzt. Es ist sein Beitrag für Bäume, die der Klimaveränderung angepasst sind.

Sabrina Bächi
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Der Weinfelder Christoph Rutschmann hat Edelkastanien gepflanzt.

Der Weinfelder Christoph Rutschmann hat Edelkastanien gepflanzt.

Bild: Benjamin Manser

«Ich hab eine Riesenfreude.» Christoph Rutschmann strahlt und blickt stolz auf die kleine Schüssel mit Marroni, die er in den Händen hält. Vielleicht knapp zwei Kilo sind es, die er von seinen Marronibäumen heute ernten konnte. «Ich habe schon einmal geerntet und diese dann ganz klassisch über dem Feuer geröstet», erzählt der Weinfelder.

Sie seien geschmacklich ausserordentlich gut gewesen, sagt er. Vergangenes Jahr hat er insgesamt sechs Edelkastanien ablesen können, heuer ist es ein Vielfaches, doch eigentlich sind die Bäume noch zu jung, um Früchte zu tragen. Doch der heisse Sommer passte den Bäumen.

«Der Schweizer Wald wird sich künftig stark verändern»

Insgesamt neun Edelkastanien von drei verschiedenen Sorten hat Rutschmann auf seiner Parzelle «im Mösli» etwas ausserhalb der Stadt am Feldweg in Richtung Mauren gepflanzt. Der 60-Jährige ist studierter Forstingenieur und kennt sich mit Bäumen aus. Mehr noch; sie sind eine von vielen Leidenschaften, die der Weinfelder hat. «Der Schweizer Wald wird sich künftig stark verändern», sagt er.

Wegen der klimatischen Veränderungen würden etwa die drei wichtigsten Bäume, Fichten, Weisstannen und Buchen, nicht mehr lange existieren.

Christoph Rutschmann, Marroni-Baum-Besitzer.

Christoph Rutschmann, Marroni-Baum-Besitzer.

Bild: Benjamin Manser
«Es muss ein Umdenken stattfinden und wir müssen uns auf Baumsorten konzentrieren, die Trockenheit und Hitze gut vertragen.»

Genau aus diesem Grund hat Rutschmann auch Edelkastanien gepflanzt. «Und weil ich unheimlich gerne Marroni hab», sagt er und lacht laut. Früher hätten die Bäume wegen der Kälte im Thurgau nicht überlebt. Heuer bringen erst zehnjährige Bäume schon erste Früchte. «Ich hätte erst in fünf Jahren mit Marroni gerechnet», gesteht Rutschmann.

Gefragt im Handel und der Gastronomie

Er findet, dass die Marroni Früchte mit Zukunft sein. Schliesslich seien sie sehr gefragt, bei Detailhändlern wie auch in der Gastronomie. In der Region Weinfelden ist er bisher wohl der einzige, der mehrere Edelkastanien besitzt. Auch in seinem Wald gleich oberhalb der Marroni-Plantage hat er einige dieser Bäume gepflanzt. Insgesamt sind es also knapp 15 Stück.

Etwa zwei Kilo kann Rutschmann dieses Jahr ernten.

Etwa zwei Kilo kann Rutschmann dieses Jahr ernten.

Bild: Benjamin Manser

«Mir ist es wichtig, für die Biodiversität möglichst verschiedene und auch alte Baumsorten in einem Wald anzusiedeln.» Stolz erzählt er von Elsbeeren, Felsbirnen und Holzäpfeln und zeigt auf grosse, mächtige Eichen und Eschen, Kirschbäume und jungen Ahorn, die auf seiner Parzelle wachsen. Irgendwo soll sich auch noch ein seltener Speierling befinden und am Waldrand steht eine Myrobalane, deren Früchte oft mit Mirabellen verwechselt werden.

Die Mäuse sind die grösste Gefahr für die Bäume

Bisher sind die Stämme der Marroni noch dünn und die Pflanzen hoch aufgeschossen. Vom Gewicht der Marroni hängen die Äste tief hinunter. Sie können das Gewicht noch gar nicht richtig tragen. So erfreulich die Ernte auch sei, Probleme gebe es auch. «Es herrscht eine richtige Mausplage. Die Katzen und Raubvögel kommen gar nicht nach und ich musste Fallen aufstellen.»

Rutschmanns Marroni-Bäume sind noch jung. Ihre Äste beugen sich unter dem Gewicht der Früchte.

Rutschmanns Marroni-Bäume sind noch jung. Ihre Äste beugen sich unter dem Gewicht der Früchte.

Bild: Benjamin Manser

Einer der neun Bäume ist gestorben. Warum wisse er nicht, sagt Rutschmann. Bereits seit drei Jahren steht die Marroni-Plantage. Viele Spaziergänger würden ihn fragen, ob das wirklich Marroni seien.

«So komme ich oft mit den Leuten ins Gespräch, das ist sehr schön.»

Für den Forstingenieur ist seine kleine Plantage ein Hobby. Wann die Bäume genügend Ertrag abwerfen, um wirtschaftlich zu sein, kann Rutschmann nicht sagen. Lachend sagt er: «Bäume setzt man in den meisten Fällen für die kommenden Generationen. Ich werde es wohl nicht mehr erleben, dass meine Marroni-Bäume prächtige Edelkastanien sind und mehrere Tonnen Ertrag abwerfen.»