Weinfelden
40 ukrainische Kinder gehen bald zur Schule – dafür braucht es Platz und Lehrpersonen

Schulpräsident Thomas Wieland erzählt, wie die 40 ukrainischen Kinder in Weinfelden beschult werden. Man hat drei neue Klassen eröffnet und rechnet damit, dass noch weitere Kinder dazu kommen werden.

Sabrina Bächi
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Im ehemaligen Kindergarten (weisses Gebäude im Vordergrund) und im Pestalozzi-Sekundarschulzentrum finden die Integrationsklassen Platz.

Im ehemaligen Kindergarten (weisses Gebäude im Vordergrund) und im Pestalozzi-Sekundarschulzentrum finden die Integrationsklassen Platz.

Bild: Mario Testa

40 Kinder und Jugendliche, die aus der Ukraine geflüchtet sind, gehen nach den Sommerferien in Weinfelden zur Schule. Da die meisten von ihnen kein oder nur wenig Deutsch verstehen, ist eine Einschulung in die Regelklasse wenig sinnvoll. «Sie werden daher in einer Integrationsklasse unterrichtet», sagt Thomas Wieland, Weinfeldens Schulpräsident.

Erst vor einem Jahr hat man die Integrationsklasse wiedereröffnet. Nun kommen drei weitere Klassen hinzu. Rund 50 Kinder sind es insgesamt, die so beschult werden. «An der Schulgemeindeversammlung vom Juni habe ich den Aufruf gemacht, dass wir noch Lehrpersonal und Räumlichkeiten benötigen», sagt Wieland. Man habe aktiv nach Lösungen gesucht, aber auch Glück gehabt.

Schulraum in der Chrischona gemietet

«Eine Klasse ist sowieso im ehemaligen Kindergarten Pestalozzi untergebracht. Je einen Schulraum haben wir nun auch in den Oberstufenzentren Thomas Bornhauser und Pestalozzi freiräumen können.» Der vierte Raum jedoch muss nun zugemietet werden. «Wir können einen der Schulungsräume der Chrischona nutzen», sagt er. Das sei ideal, weil alle Schulräume nahe im Zentrum liegen.

Thomas Wieland, Schulpräsident Weinfelden.

Thomas Wieland, Schulpräsident Weinfelden.

Bild: Mario Testa

Damit sei das erste Quartal gesichert. Vier Lehrpersonen konnten ebenfalls gefunden werden. Von den Sommerferien bis zu den Herbstferien werden die Kinder halbtags beschult. Da es so viele Kinder sind, die derzeit die Integrationsklasse besuchen, seien sie nach Alter aufgeteilt worden. «So können wir den Bedürfnissen der Kinder gerechter werden», sagt Wieland. Vor allem bei den Oberstufenschülerinnen und -schüler sei das Ziel, die Jugendlichen so oft es geht und Sinn ergibt, in die Regelklasse zu integrieren.

«Vor allem bei den musischen Fächern wie etwa Zeichnen oder Sport sollen sie schnell in den Regelklassenunterricht integriert werden.»

Eine Zunahme der Flüchtlingskinder ist nicht unwahrscheinlich

Wie es nach den Herbstferien weitergeht, ist noch nicht ganz sicher. «Vermutlich müssen wir eine Lehrperson ersetzen und dann auch schauen, welche Kinder in die Regelklasse wechseln können.» Angedacht ist, dass die Kinder ab Mitte Oktober halbtags auch in den Regelklassen unterrichtet werden. Die Behörde werde sich aber einige Szenarien überlegen, wie die ukrainischen Kinder in die Regelklassen integriert werden können.

«Man muss sich bewusst sein, die 40 ukrainischen Kinder würden alleine zwei Klassen bilden», sagt Thomas Wieland. Das stelle die Schulgemeinde sowieso vor Herausforderungen. «Wenn es kühler wird, kann es zudem sein, dass nochmals ein Flüchtlingsstrom kommt, viele wohnen ja derzeit nur in Provisorien oder Zelten.» Das würde noch mehr Kinder für die Integrationsklasse bedeuten.

«Viele dachten, als sie hier ankamen, dass es nur ein kurzer Aufenthalt sein würde.» Das Bewusstsein darüber, dass es nun doch länger dauern wird, sei tragisch für die Menschen. «Wie anderen Flüchtlingen geht es ihnen nicht anders: Sie haben in der Ukraine kein Daheim mehr, keinen Job und auch Familie verloren, das sind immer tragische Schicksale», sagt Wieland. Auch die Kinder, die ein entsprechendes Rucksäckli mitbringen, müssten durch die Lehrpersonen in der Integrationsklasse gut begleitet werden.

Schulbehörde muss mit langfristigen Szenarien planen

Und auch die Schulbehörde muss von kurzfristigen zu längerfristigen Lösungen umschwenken. Sollten im Herbst und Winter noch mehr Flüchtlingskinder dazukommen, so könne man die Klassen bis zu 12 Kinder aufstocken. Danach müsste eine weitere Klasse eröffnet werden. «Es gibt auch das Szenario einer Verdoppelung der ukrainischen Flüchtlingskinder, die hier beschult werden müssen.»

Man habe noch etwas Zeit, aber die Prozesse müssen angestossen werden. Vorerst werden für die drei neuen Schulzimmer noch Materialien zusammengesucht. Irgendwo in den Kellern habe man bestimmt noch Wandtafeln. Und auch die Pooltablets werden von einzelnen Schulzentren den Integrationsklassen zur Verfügung gestellt. Teilen ist angesagt. «Bei den Oberstufenschülern ist auch schön zu sehen, dass es einige gibt, die sich der Neuen annehmen und mit Englisch versuchen, mit ihnen zu kommunizieren. Diese Art der Integration ist natürlich wünschenswert.»

Was die zusätzlichen drei Klassen für finanzielle Auswirkungen auf die Schulgemeinde hat, ist noch nicht klar. «Bei rund 1500 Schülerinnen und Schüler insgesamt sind 40 weitere ein kleiner Prozentsatz», sagt der Schulpräsident. Zudem stehen beide Schulgemeinden finanziell sehr gut da.