Glosse
Räbeblatt: Der Reutischwur und die Legende vom mutigen Thurgauer Mädchen

Im Dorfmuseum Mettlen ist ein Dokument gefunden worden, dass eindeutig beweist, dass dereinst Thurgauer Landfrauen in Reuti geschworen haben, über eine List Stillschweigen zu vereinbaren.

Satira Bächi
Drucken
Das mutige Thurgauer Mädchen bei der Übergabe des Briefes an den Kaiser.

Das mutige Thurgauer Mädchen bei der Übergabe des Briefes an den Kaiser.

Bild: PD

Es ist eine Geschichte, die je länger je mehr in den undurchsichtigen Sumpf der Mythen sinkt. Doch just zum 1. August ist im Mettler Dorfmuseum ein Dokument aufgetaucht, das es eindeutig beweist: Der Mittelthurgau war einst Schwurort dreier tapferer Frauen.

1499 zur Zeit der Schwabenkriege: Während ihre tapferen Männer an der Front ob Schwaderloh in Kampfstellung liegen, treffen sich die Thurgauer Frauen in Reuti. Denn: Alle Wege führen nach Reuti, insgesamt nämlich sechs. Die Landfrauen wissen längst, dass der Krieg der «Kuhschweizer» gegen die «Sauschwaben» nur mit einer List zu gewinnen ist.

TZ-Redaktorin Sabrina Bächi schreibt als Satira die Glosse Räbeblatt.

TZ-Redaktorin Sabrina Bächi schreibt als Satira die Glosse Räbeblatt.

Bild: Andrea Stalder

So erwählen sie ein tapferes Thurgauer Meitli, welches mit einem Brief den Kaiser aufsuchen soll. Noch heute ist diese Briefübergabe durch Überlieferungen bekannt und wird am Schwaderloh-Schiessen gefeiert. «Unsere Mannen werden wütend sein, wenn wir Weiber für sie den Krieg gewinnen», sagt eine weise Bäuerin. Die anderen nicken. So ist man sich schnell einig: Über dieses Treffen soll nie ein Wort verloren werden.

Und so schwören drei Frauen, je eine aus dem Ober-, eine aus dem Mittel- und eine aus dem Westthurgau, dass nie ein Wort zur List über ihre Lippen kriechen will. Mit einem Daumenabdruck besiegeln sie das Stillschweigen auch schriftlich. Stumm und genügsam wolle man sein, den Frieden wahren, in Haus wie Heimat.

So kommt’s, dass von eben diesem Reutischwur bis heute fast niemand weiss. Nur dieses eine Dokument, welches wegen der weiblichen Schreibweise nie in den Blick der Historiker gelangte, bezeugt jenen historischen Akt in Reuti.