Bürglen
Gemeinderätin als Karrierekick – doch die Frauen haben Schiss und trauen es sich nicht zu

Zwei Gemeinderäte treten in Bürglen nicht mehr zur Wiederwahl an. Sie blicken zurück und ziehen ein Resümee. Bei der Kandidatensuche wird es schwierig. Vor allem Frauen lassen sich wenig für das Amt begeistern.

Hannelore Bruderer
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Gemeinderat Franz Huber und Gemeinderätin Barbara Keller Foletti.

Gemeinderat Franz Huber und Gemeinderätin Barbara Keller Foletti.

Bild: Hannelore Bruderer

Wenn Franz Huber und Barbara Keller Foletti am 31. Mai zum Ende der Legislatur ihre Ämter niederlegen, dann hat er sich zwölf Jahre in der Bürgler Gemeindebehörde engagiert und sie sieben. Die beiden parteilosen Mitglieder des Gemeinderats blicken auf eine spannende Zeit zurück.

Sie sind sich einig: Sich in der Gemeindebehörde für die Allgemeinheit einzusetzen, ist bereichernd. Sie beteiligen sie deshalb auch aktiv an der Suche nach geeigneten Kandidatinnen und Kandidaten. Diese gestaltet sich jedoch schwierig.

Ihr Wunsch: Mehr Frauen

Dass Barbara Keller Foletti nicht mehr antritt, kommt nicht unerwartet, hatte sie diesen Zeithorizont doch schon bei ihrer Wahl angekündigt. Als Pensionierte möchte sie künftig mehr Planungsfreiheit in ihrem Leben haben. Sie ist derzeit die einzige Frau im Bürgler Gemeinderat. Deshalb ist es ihr ein grosses Anliegen, dass Frauen kandidieren und ihre Sichtweise auf aktuelle Themen in die Behörde tragen.

Bisher haben ihre Bemühungen, Frauen für eine Kandidatur zu gewinnen, noch nicht gefruchtet. «Auch wenn das jetzt etwas klischeehaft klingt: Der Zweifel an den eigenen Fähigkeiten und die Befürchtung, sich durch ein öffentliches Amt zu stark zu exponieren und angreifbar zu machen, ist bei Frauen vermutlich doch ausgeprägter als bei Männern», sagt sie. «Die zeitlichen Ressourcen werden ebenfalls oft als Argument gegen eine Kandidatur aufgeführt».

«Der Aufwand ist steuerbar und lohnt sich»

Barbara Keller Foletti hat einige Projekte ins Rollen gebracht. «Ich habe viel Zeit in das Amt investiert, weil mir das möglich war. Das muss aber nicht zwingend so sein, denn der zeitliche Aufwand ist steuerbar.» Sie empfiehlt besonders auch jungen Frauen, diesen Weg einzuschlagen. «Ich bin überzeugt, dass die Arbeit in der Kommunalpolitik einen richtigen Karrierekick bewirken kann.» Man lerne viel Neues und könne auch etwas bewegen.

Beruf, Kinder und Gemeinderat passen unter einen Hut

Der zeitliche Aufwand nebst Beruf und Familie sowie Befürchtungen wegen negativer Reaktionen aus der Bevölkerung seien bei Gesprächen mit potenziellen Kandidaten die häufigsten Themen, sagt auch Gemeinderat Franz Huber. «Ich arbeite Vollzeit und hatte damals, als ich gewählt wurde, noch schulpflichtige Kinder, die auch noch intensiven Hobbys nachgingen.»

Aus eigener Erfahrung könne er jedoch sagen, dass es machbar sei. «Ja, negative Reaktionen auf die Arbeit des Gemeinderats gibt es ab und zu auch. Aber die positiven Rückmeldungen überwiegen bei weitem!» Ihm gefalle die Tätigkeit als Gemeinderat nach wie vor. «Aber drei Legislaturen reichen, es ist gut, wenn wieder neue Kräfte nachkommen.»