Amlikon-Bissegg
Sie sind Nachbarn, doch dürfen nicht mitreden: Gegner des Windparks Thundorf organisieren sich als Verein

Mit dem Verein wollen die Gründer der Bevölkerung von Amlikon-Bissegg die Möglichkeit zum Informationstausch und geeinten Widerstand gegen die drei am nächsten gelegenen Windturbinen ermöglichen.

Mario Testa
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Fabian Meyerhans im Fokus: Er ist der Kopf hinter dem formierten Widerstand aus Wolfikon und Strohwilen gegen Teile des Windparks Thundorf.

Fabian Meyerhans im Fokus: Er ist der Kopf hinter dem formierten Widerstand aus Wolfikon und Strohwilen gegen Teile des Windparks Thundorf.

Bild: Mario Testa

Der Widerstand der Bevölkerung von Strohwilen und Wolfikon gegen die drei östlichsten Turbinen des Windparks Thundorf manifestiert sich nun auch in einem Verein. Demokratische Windenergie Amlikon-Bissegg heisst der Verein, den Fabian Meyerhans und Heinz Wendel mit Gleichgesinnten gegründet haben. «Wir wollen uns besser organisieren, um Informationen zu teilen und für die Bevölkerung vereint und schlagkräftig auftreten zu können», sagt Fabian Meyerhans.

Meyerhans und Wendel nehmen für die Gemeinde Einsitz in der Begleitgruppe der Bauherrin EKZ für die vom Windpark Thundorf betroffenen Gemeinden – jedoch erst seit kurzem. «De facto hatten und haben wir so keine Mitsprachemöglichkeit. Wir wurden erst in die Begleitgruppe eingeladen, als das Projekt mit den Anlagestandorten schon ausgearbeitet war», sagt Meyerhans. «Der Einbezug der Gemeinde Amlikon-Bissegg in die Begleitgruppe – dies ist mittlerweile klar – ist zu spät erfolgt», gibt ihm Regierungsrat Walter Schönholzer recht.

Mit Verein und Petition gegen drei Anlagen

Die Ziele des neu gegründeten Vereins sind dieselben wie jene, welche Meyerhans in einer Petition bereits formuliert hatte und die von fast allen Einwohnerinnen und Einwohnern von Wolfikon und Strohwilen unterzeichnet wurde. «Uns geht es um die drei Windenergieanlagen, welche direkt neben die Gemeindegrenze zu Amlikon-Bissegg zu stehen kommen. Diese dürfen so nicht gebaut werden.»

Die drei östlichsten Windturbinen (rot) mit den Rotorüberflugszonen (orange) sollen direkt an der Gemeindegrenze zu Amlikon-Bissegg errichtet werden.

Die drei östlichsten Windturbinen (rot) mit den Rotorüberflugszonen (orange) sollen direkt an der Gemeindegrenze zu Amlikon-Bissegg errichtet werden.

Eine Eingangsbestätigung für die Petition, die Meyerhans am Informationsabend vom 29. September Walter Schönholzer überreicht hat, hat er bekommen. Mehr noch nicht. «Das ist ernüchternd. Trotz der grossen Unzufriedenheit in unseren Dörfern lässt uns der Regierungsrat bis heute warten.»

Regierungsrat Walter Schönholzer sagt jedoch, die Beantwortung sei im Gange. «Nach den Herbstferien haben wir es an der Regierungssitzung vom 25. Oktober 2022 dem zuständigen Departement zur Beantwortung zugewiesen.» Er rechnet damit, dass der Regierungsrat die Antwort auf die Petitionsanliegen noch vor Ende Jahr versenden wird.

Am Informationsabend vom 29. September überreichte Fabian Meyerhans die Petition an Regierungsrat Walter Schönholzer.

Am Informationsabend vom 29. September überreichte Fabian Meyerhans die Petition an Regierungsrat Walter Schönholzer.

Bild: Mario Testa

Fabian Meyerhans befürchtet trotzdem, dass das Projekt einfach «durchgestiert» werden soll. «Davon kann keine Rede sein», sagt Walter Schönholzer.

«Wir hören die betroffene Bevölkerung sehr wohl und nehmen deren Anliegen ernst.»

Die Behörden hielten sich jedoch an die gesetzlich vorgegebenen Verfahrensschritte. «Nur so kann gewährleistet werden, dass faktenbasiert entschieden wird und nicht aufgrund der am lautesten geäusserten Forderungen.»

Kanton ist Genehmigungsbehörde

Fabian Meyerhans bleibt jedoch bei seiner Kritik, dass die Planungsbehörden ihrem Auftrag nicht nachgekommen sind, die Betroffenen in Amlikon-Bissegg rechtzeitig mit einzubeziehen. «Wir bekommen die Hauptlast ab, können aber nicht mitreden.» Der Kanton ist jedoch nicht Planungs-, sondern Genehmigungsbehörde. «Planungsbehörde ist die Gemeinde Thundorf und erfüllt dabei einen Auftrag aus dem kantonalen Richtplan», sagt Walter Schönholzer.

Den Vorwurf, Amlikon-Bissegg sei aussen vor gelassen worden, kann der Regierungsrat nicht stehen lassen. «Die Bevölkerung weiss seit Jahren, dass der Wellenberg ein möglicher Standort für Grosswindenergieanlagen ist. Sie hatte im Rahmen von zwei öffentlichen Bekanntmachungen zum kantonalen Richtplan (2016 und 2018/19) die Gelegenheit, sich zu den Windenergiegebieten zu äussern.» Zudem habe die Gemeinde ein Angebot für Informationen an die Behörde und Bevölkerung im Vorfeld der Richtplanänderung «Windenergie» 2018 nicht genützt.

Alle mit schutzwürdigem Interesse können Rechtsmittel ergreifen

Das Mitspracherecht sei trotzdem für alle betroffenen Einwohnerinnen und Einwohner gewährleistet. «Die Rechtsmittel auf Stufe Nutzungsplanung und Baubewilligungsverfahren stehen allen offen, die ein schutzwürdiges Interesse geltend machen können. Dieses Recht macht nicht an der Gemeindegrenze halt.» Einzig die Zonenplanänderung in der Gemeinde Thundorf sei den Stimmberechtigten jener Gemeinde vorbehalten.

Die Standortwahl zeigt für Fabian Meyerhans jedoch eindeutig, dass das EKZ die Gemeinde Amlikon-Bissegg aussen vor lassen wollte. «Wenn die Anlagen aus ihrer Sicht keine Probleme machen, müssten sie ja gar keine Angst haben vor unserer demokratischen Beteiligung. Aber diese wollen sie offensichtlich unbedingt vermeiden.» Zudem kritisiert Meyerhans, der Windpark sei mit acht Turbinen von je 260 Metern Höhe schlicht überdimensioniert. «Er würde alleine über 40 Prozent der Windenergie liefern, die der Thurgau für die Energiestrategie 2050 maximal beisteuern muss. Das Projekt kann also verkleinert und so verträglicher ausgestaltet werden.»