Vorstoss
«Viel Befürwortung, aber auch Kritik und Sorgen»: Frauenfelder GLP-Gemeinderäte wollen wissen, wie es um Revitalisierung der Thur steht

Die Frauenfelder GLP-Stadtparlamentarier Stefan Leuthold und Lorenz Weber sind der Meinung, dass die im Konzept Thur+ vorgesehene Revitalisierung der Thur nicht nur Fauna und Flora fördere, sondern auch auf Frauenfelder Stadtgebiet eine Aufwertung darstelle, auch touristischer Natur. Im Rahmen einer Interpellation wollen sie die Meinung des Stadtrats zum Generationenprojekt abholen.

Mathias Frei
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Eine Visualisierung von Thurgauer Umweltverbänden: So könnte die Thur bei der Rorerbrücke dereinst aussehen.

Eine Visualisierung von Thurgauer Umweltverbänden: So könnte die Thur bei der Rorerbrücke dereinst aussehen.

Bild: PD

Für Stefan Leuthold ist die Thur offensichtlich ein wichtiges politisches Thema. Nach der Interpellation «O Land, das der Thurstrom sich windend durchfliesst», die der Frauenfelder GLP-Gemeinderat in seiner Funktion als Kantonsrat Anfang Jahr zusammen mit Parteikollegin Nicole Zeitner zuhanden des Regierungsrats eingereicht hat, doppelt er nun auf städtischer Ebene mit dem Vorstoss «Renaturierung Thur auf dem Gemeindegebiet Frauenfeld» nach. Miteingereicht hat die Interpellation Lorenz Weber (GLP). Unterschrieben haben weitere 25 Gemeinderätinnen und Gemeinderäte.

Stefan Leuthold, Gemeinderat GLP.

Stefan Leuthold, Gemeinderat GLP.

Bild: PD

Wie nicht anders anzunehmen war, wurde die besagte Interpellation im Grossen Rat erst kürzlich kontrovers diskutiert. Dabei stellte sich heraus, dass der GLP das kantonale Thurrevitalisierungsprojekt Thur+ zu langsam vonstattengeht, dies vor allem im Bereich der Murgmündung auf Frauenfelder Stadtgebiet. Deshalb wolle man die Thematik auf städtischer Ebene vorantreiben. Gesagt, getan. Die Gemeinderäte Leuthold und Weber schreiben in ihrem Vorstoss:

«Das Projekt stösst auf viel Befürwortung aus verschiedenen Richtungen, aber auch auf Kritik und Sorgen.»
Lorenz Weber, Gemeinderat GLP.

Lorenz Weber, Gemeinderat GLP.

Bild: PD

Das sei in Frauenfeld nicht anders, wo auf Stadtgebiet Massnahmen zur Umsetzung geplant seien. Im Vordergrund des Projekts Thur+ stehe in erster Linie der Hochwasserschutz, weil das aktuelle Schutzsystem verschiedene Mängel aufweise, heisst es in der Interpellation, die der Stadtrat gemäss Geschäftsreglements des Gemeinderats «entweder sofort oder auf einer der nächsten Sitzungen» zu beantworten hat. Die stadträtliche Beantwortung dürfte dahin gehend interessieren, weil die Thur+-Botschaft des Regierungsrats seit April öffentlich ist und alsbald im Grossen Rat behandelt werden dürfte.

Kosten in Höhe von 325 Millionen Franken

Der Kanton Thurgau betreibt seit rund 150 Jahren Hochwasserschutz an der Thur. Das Konzept Thur+ stellt den Hochwasserschutz und die Revitalisierungen an der Thur auf eine neue planerische Grundlage. Auslöser für die aktuelle Überarbeitung waren Mängel des heutigen Schutzsystems. Dämme sollen als Fixpunkt bestehen bleiben, wobei ihre Verschiebung möglich ist. Dazwischen soll die Thur mehr Freiraum erhalten. Das heutige Flussbett soll mechanisch von heute 45 auf neu 80 Meter Breite aufgeweitet werden. Eine Umsetzung ist abschnittweise über einen Zeitraum von rund 30 Jahren vorgesehen. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 325 Millionen Franken, wie der Regierungsrat in einer Medienmitteilung nach Verabschiedung der Thur+-Botschaft Anfang April 2022 schreibt. (ma)

Aufwertung des Standortes sowie Förderung von Flora und Fauna

Für die Stadt Frauenfeld bedeute die Renaturierung, so schreiben Leuthold und Weber, eine starke Aufwertung des Standortes mit einer hohen Aufenthaltsqualität für Bewohner und Besucher sowie eine enorme Förderung der Flora und Fauna. Nicht zuletzt könne mit einer Anbindung an den Murg-Auen-Park ein Projekt mit besonders grosser Tragweite geschaffen werden. Um ein solches «Generationenprojekt», wie es gerne genannt werde, zu realisieren, müssten frühzeitig viele verschiedene Anliegen, Sorgen und Bedenken beurteilt und miteinbezogen werden.

«Dabei ist eine frühzeitige Kommunikation ein klarer Schlüssel zum Erfolg.»

Leuthold und Weber wollen deshalb vom Stadtrat wissen, welche positiven und negativen Folgen durch die Thurrevitalisierung auf Frauenfelder Stadtgebiet zu erwarten seien – insbesondere auch betreffend Grundwasservorkommen. Weiter interessiert sie der mögliche Zeitplan, einerseits allgemein zur Thurrevitalisierung auf Stadtgebiet, andererseits betreffend Murgmündung sowie zur touristischen Aufwertung respektive Vernetzung mit dem Murg-Auen-Park. Und sie fragen, ob es schon Gespräche zwischen Stadt und Kanton gegeben habe und wie weit diese fortgeschritten seien. Auch wollen die beiden GLP-Gemeinderäte wissen, ob der Stadtrat schon mit Interessensvertretern in Kontakt sei. Und: «Ist der Stadtrat gewillt, sich für eine zeitnahe(re) Umsetzung der Abschnitte auf Frauenfelder Stadtgebiet einzusetzen, um für den Kanton Thurgau ein Vorzeigeprojekt zu schaffen?»