Versammlung
Hüttwilens Rechnung schliesst mit Verlust: Schnee und Hochwasser haben für Aufwände gesorgt

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger von Hüttwilen haben der defizitären Rechnung 2021 zugestimmt sowie einen Kredit zu Gunsten der Trafostation Aeschi gutgeheissen. Die bestehende Anlage wird zurückgebaut und eine neue gebaut.

Evi Biedermann
Drucken
Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Hüttwilens befürworten ein Geschäft.

Die Stimmbürgerinnen und Stimmbürger Hüttwilens befürworten ein Geschäft.

Bild: Evi Biedermann

2,5 Jahre hat es gedauert, bis sich das Hüttwiler Stimmvolk nach dem pandemiebedingten Unterbruch wieder versammeln und vor Ort über die Geschäfte der politischen Gemeinde bestimmen konnte. Für Präsidentin Sabina Peter Köstli war es das erste Mal, dass sie als Vorsteherin der Gemeine durch die Versammlung führte. Die 57-Jährige ist seit letzten Oktober im Amt.

Haupttraktandum am Donnerstagabend war die Rechnung 2021, die bei Ausgaben von 6,75 Millionen und Einnahmen von 6,72 Millionen Franken mit einem Verlust von rund 34‘000 Franken schliesst. Der Voranschlag hatte mit einem Defizit von rund 200'0000 Franken gerechnet. Die Verbesserung ist vor allem Mehreinnahmen bei den Grundstücksteuern zu verdanken. Auf der Ausgabenseite verursachten das Hochwasser vom letzten Sommer und der schneereiche Winter Abweichungen gegenüber dem Budget. Finanzvorsteher Daniel Bauer sprach dennoch von einer ausgeglichenen Rechnung.

Gemeinderat Bruno Kaufmann erklärt, was mit der bestehenden Trafostation Aeschi geschieht.

Gemeinderat Bruno Kaufmann erklärt, was mit der bestehenden Trafostation Aeschi geschieht.

Bild: Evi Biedermann

Nebst der Rechnung befürwortete die Versammlung auch einen Kredit von rund 366‘000 Franken für den Ersatz und die Verlegung der über 40-jährigen Trafostation Aeschi sowie die Erneuerung der Verteilkabine beim ARA Pumpwerk. Die Trafostation befindet sich im Hochwasserkorridor des Seebachtals und die offene Bauart erfülle die Sicherheitsanforderungen nicht mehr, erklärte Gemeinderat Bruno Kaufmann, verantwortlich für das Ressort Elektrizitätswerk, Informatik und Kommunikation.

«Die Station würde bei der nächsten eidgenössischen Inspektion keine Betriebsbewilligung mehr erhalten.»

Sie wird nun zurückgebaut. Dann wird bei der ARA-Pumpstation nahe der Badi Hüttwilen eine neue Anlage gebaut.

Zustimmung erhielt auch ein spontan gestellter Antrag mit dem Auftrag an den Gemeinderat, die über 20-jährige Gemeindeordnung zu überarbeiten. «Es hat sich vieles verändert in all den Jahren», sagte der Votant aus Nussbaumen. Zu prüfen sei, ob alles rechtlich noch seine Gültigkeit habe.

Deutschkurs für Ukrainerinnen und Ukrainer

Gemeinderätin Evelyne Hagen informiert über die Situation mit ukrainischen Flüchtlingen in der Gemeinde.

Gemeinderätin Evelyne Hagen informiert über die Situation mit ukrainischen Flüchtlingen in der Gemeinde.

Bild: Evi Biedermann

Evelyne Hagen, zuständig für das Ressort Sozialwesen und Badestellen, informierte über die Situation der ukrainischen Flüchtlinge. Zurzeit werden in Hüttwilen deren 20 betreut. Die Gemeindepräsidentin sagt:

«Sie müssen jetzt schnell Deutsch lernen.»

Ab nächster Woche werde an zwei Vormittagen pro Woche Deutschunterricht angeboten.

Für das Grundstück Hofwies in Nussbaumen, das die Gemeinde zum Verkauf ausgeschrieben hat, sind sieben Projektvorschläge eingegangen. «Von lockerer Bebauung bis zum Renditeobjekt», sagte Sabina Peter Köstli, die zum ersten Mal als Gemeindepräsidentin die Versammlung leitete. Keines der Projekte habe der Ausschreibung entsprochen, weshalb nun vertiefte Abklärungen zum Standort nötig seien.

Gemeinderat Christoph Isenring, zuständig für das Ressort Wasser und Gas, Tiefbau und Verkehr, informierte über die Tempo-30-Zonen. Die Gemeinde habe nach der positiven Urnenabstimmung im Februar nochmals Messungen durchgeführt. Weiter sind bauliche Massnahmen an der Hofwiesenstrasse in Nussbaumen, an der südlichen Dorfstrasse in Uerschhausen und im westlichen Teil der Oberdorfstrasse in Hüttwilen notwendig. Das Büro Widmer arbeitet dabei Vorschläge aus und eine Arbeitsgruppe wird gebildet.

Nach Abschluss des offiziellen Teils meldeten sich viele Anwesende zu Wort. Es ging unter anderem um den Wasserstand des Hüttwilersees, dass Uerschhausen nicht an den öffentlichen Verkehr angeschlossen ist und ein Votant stellte die Urnenabstimmung vom Februar über die Tempo-30-Zone in Frage. Er meinte, man habe damals nicht über die Einführung von Tempo 30 abgestimmt, sondern lediglich über die Weiterverfolgung des Projekts. Es folgten weitere Wortmeldungen wie auch Stellungnahmen von Seiten des Gemeinderats, doch wie das damals verstanden wurde, konnte an diesem Abend nicht beantwortet werden. Klar wurde aber am Donnerstagabend, dass das Thema Tempo 30 die Gemüter nach wie vor bewegt und spaltet, war doch das Resultat mit nur 25 mehr Ja-Stimmen äusserst knapp.