Natur
«Die Murg ist spannend, ruhig und hilft gegen Stadterwärmung»: Frauenfeld zeigt Ideen auf, wie Grünraum erlebbarer wird – jetzt lädt die Stadt zu einer Ausstellung ein

Die Testplanung Lebensraum Murg ist abgeschlossen, drei Teams haben viele Ideen entwickelt, die jetzt in einen Bericht und in Videos mit Resultaten zwischen Autobahn und Murkart gemündet sind. Bis am 11. Juni sind diese im Glaspalast öffentlich zu sehen.

Samuel Koch
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Grün, wild und noch fast unbegehbar: Die Murg zwischen Bahnhofstrasse und Bahnlinie.

Grün, wild und noch fast unbegehbar: Die Murg zwischen Bahnhofstrasse und Bahnlinie.

Bild: Donato Caspari

Die Testplanung ist abgeschlossen, umgesetzt ist noch nichts. Aber das muss es auch nicht, war die rund anderthalbjährige Testplanung Lebensraum Murg der Stadt Frauenfeld doch lediglich eine Gelegenheit, für die Murg als eines der sechs Schlüsselgebiete in der Stadtentwicklung Ideen zu sammeln und aufzuzeigen. An der Medienorientierung vom Montagvormittag im Glaspalast sagt Stadtpräsident Anders Stokholm:

«Die Kernbotschaft zur Gestaltung der Naherholung erzielte bei der Umfrage zum Gesamtbild 2040 mit weit über 90 Prozent eine hohe Zustimmung.»

Nicht nur deshalb ist es dem Stadtrat ein grosses Anliegen, die Stadt mit ihrem Grünraum weiterzubringen und nun nach abgeschlossener Testplanung erste Ideen aufzuzeigen. «In der Stadtentwicklung gibt es nicht nur Siedlung und Verkehr, sondern auch die Natur», sagt Stokholm im Beisein seiner Stadtratskollegen Barbara Dätwyler, Fabrizio Hugentobler und Andreas Elliker.

Stellen die neuesten Ideen für den Murg als Lebensraum mit dem Syntheseplan im Hintergrund vor: Die Stadträte Andreas Elliker, Barbara Dätwyler, Cristina Perea, Projektleiterin beim Amt für Hochbau und Stadtplanung, Stadtrat Fabrizio Hugentobler und Stadtpräsident Anders Stokholm.

Stellen die neuesten Ideen für den Murg als Lebensraum mit dem Syntheseplan im Hintergrund vor: Die Stadträte Andreas Elliker, Barbara Dätwyler, Cristina Perea, Projektleiterin beim Amt für Hochbau und Stadtplanung, Stadtrat Fabrizio Hugentobler und Stadtpräsident Anders Stokholm.

Bild: Samuel Koch

Als erstes Paradebeispiel dient der 2011 vom Stimmvolk bewilligte Murg-Auen-Park, der als Naherholungsgebiet kaum mehr wegzudenken ist. Mit dem öffentlichen Kanalbad bei der Walzmühle hat der Stadtrat ein anderes Projekt bereits publik gemacht, das allerdings wegen Einsprachen nicht mehr heuer, sondern womöglich frühestens im Sommer 2023 eröffnet werden kann.

Involviert in diese Zukunftsmusik für Flora und Fauna ist auch Stadträtin Dätwyler, weil es sich beim Lebensraum Murg eben nicht nur um technische Angelegenheiten handelt, sondern der gesellschaftliche Aspekt ebenso einfliesst. Dätwyler betont, dass fürs Umsetzen einzelner Projekte am Gewässer hohe Auflagen bestehen. Aber: «Es geht um die Lebensader der Stadt mit einem grossen Entwicklungspotenzial.»

Bleicheareal und Schlossmühleplatz: ein Bereich mit Potenzial, etwa für Veloweg, Schlosstreppe und Murgsteg.

Bleicheareal und Schlossmühleplatz: ein Bereich mit Potenzial, etwa für Veloweg, Schlosstreppe und Murgsteg.

Bild: Donato Caspari

Ein Bericht, sechs Handlungsfelder, zahlreiche Ideen

In den vergangenen Monaten haben drei Planungsteams mit Fokus auf Landschaftsarchitektur, Wasserbau und Verkehrsplanung Ideen für den Lebensraum Murg zwischen Autobahn und Murkart entwickelt, die im sogenannten Synthesebericht zusammengefasst sind. Darin unterteilt sind sechs Handlungsfelder: Murgbogen, Lindenpark respektive Gutschickareal, Stadtzentrum mit Gerbi-, Bleicheareal und Schlossmühleplatz, Badiareal respektive Siechewis, Espipark und Aumühle. Stadtrat Andreas Elliker, Vorsteher des für die Testplanung zuständigen Departements für Bau und Verkehr, hebt den Mahnfinger und sagt:

«Die Umsetzung geht nicht von heute auf Morgen, wir sprechen von den nächsten 20 Jahren.»

Aber die Murg sei spannend, die Murg sei ruhig und helfe gegen die Stadterwärmung. Unterhalb der Bahnlinie beruhige sich der Fluss, was Platz für neue Ideen schaffe. Aber klar ist auch, dass entlang von Gewässern auch immer der Kanton ein Wörtchen mitspricht. Und oft könnten auch private Liegenschafteneigentümer von einzelnen Plänen betroffen sein, was die Umsetzung erschweren und verzögern kann.

Ausschnitt Synthesebericht zwischen Autobahn und Badiareal.

Ausschnitt Synthesebericht zwischen Autobahn und Badiareal.

Bild: Printscreen
Ausschnitt Synthesebericht zwischen Badiareal und Murkart.

Ausschnitt Synthesebericht zwischen Badiareal und Murkart.

Bild: Printscreen

In jedem einzelnen Handlungsfeld gibt es sogenannte Quick-Wins, Elliker nennt sie Schnellmassnahmen. Das öffentliche Kanalbad bei der Walzmühle im Espipark ist bekannt. Eine andere Idee ist ein Fussweg vom Bleicheareal zum Lindenpark/Gutschickareal, das mit dem möglichen Wegzug von Werkhof/Stadtbusdepot in den nächsten Jahren zusätzliche Chancen bietet. Als erster Quick-Win steht dort «in der grünen Oase» die Pflanzung von Bäumen auf dem Plan, meint Cristina Perea, Projektentwicklerin beim Amt für Hochbau und Stadtplanung. Perea sagt:

Cristina Perea, Projektleiterin beim Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Cristina Perea, Projektleiterin beim Amt für Hochbau und Stadtplanung.

Bild: Samuel Koch
«Die Testplanung ist ein erster Schritt, die Ideen werden sich verändern, es ist ein laufender Prozess.»

Sämtliche Ideen aus der Testplanung mit Kosten von rund 280’000 Franken – darunter unter anderem einen durchgehenden Fuss- und Veloweg, die Verlegung des Schrebergartens im Espipark oder die Neuplatzierung des Campingplatzes – sind während der nächsten zwei Wochen im Glaspalast öffentlich einsehbar.

Öffentliche Ausstellung

Im Erdgeschoss des kantonalen Verwaltungsgebäudes an der Promenade (Glaspalast) ist die Ausstellung Testplanung Lebensraum Murg mit Ideen, Syntheseplan und Videos ab Dienstag, 31. Mai, bis und mit Samstag, 11. Juni, zu sehen. Montags bis Freitags sind die Türen von 7.45 bis 11.45 und von 13.15 bis 17 Uhr geöffnet. An der Dernière vom 11. Juni besteht von 10.30 bis 12 Uhr die Möglichkeit, um mit Stadtbaumeister Christof Hebling ins Gespräch zu kommen. (sko)

Stadtrat handelt nach seinen Finanzkompetenzen

Ob, wann und in welchem Umfang einzelne Ideen umgesetzt werden, liegt in der Kompetenz des Stadtrates. «Wir haben jetzt einen Masterplan, und können einzelne Projekte verfeinern und umsetzen», sagt Stadtrat Hugentobler. Stokholm betont aber, dass der Stadtrat stets im Rahmen seiner Finanzkompetenzen handelt, einzelne Ideen könnten also auch in den Gemeinderat (ab 300'000 Franken) oder gar vors Volk (ab zwei Millionen Franken) kommen. Das bestimmt der Stadtrat mit seinem jährlichen Budgetprozess.

Im Glaspalast sind sich alle einig, dass sich der Aufwand lohnt, die Qualität der Landschaft entlang der Murg wichtig ist für Biodiversität, Stadtklima und somit auch fürs Wohlbefinden der Bevölkerung. Perea sagt: «Die Murg ist das Rückgrat der Stadt.»

Holzbrücke über die Murg oberhalb des Kraftwerks Königswuhr.

Holzbrücke über die Murg oberhalb des Kraftwerks Königswuhr.

Bild: Donato Caspari