Lesung
«Ich brauchte erzählerische Distanz»: Autor Usama Al Shahmani präsentiert seinen neuen Roman

Am Freitagabend hat Autor Usama Al Shahmani seinen neuen Roman «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt». Im Gespräch mit Lektor Erwin Künzli verrät er, dass die Arbeit am Buch nicht immer einfach, sondern auch sehr emotional war.

Inka Grabowsky
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Lektor Erwin Künzli und Auto Usama Al Shahmani bei der Präsentation des neuen Romans «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt».

Lektor Erwin Künzli und Auto Usama Al Shahmani bei der Präsentation des neuen Romans «Der Vogel zweifelt nicht am Ort, zu dem er fliegt».

Bild: Inka Grabrowsky

Es war nicht das erste Mal, dass Usama Al Shahmani aus seinem neuen Roman las. Doch er las ihn noch nie vor einem so wohlgesonnenen Publikum. Im Juni hatte Al Shahmani das erste Kapitel beim Ingeborg Bachmann-Wettbewerb in Klagenfurt einer Jury präsentiert. Nun im Frauenfelder Rathaus hatte er ein «Heimspiel», wie Marianne Sax vom Literatur-Club «Lesefeld» sagte. «Wir sind stolz, dass er uns gebeten hat, die Buchvernissage für ihn auszurichten. Er ist hier daheim und wollte die Neuerscheinung zuhause feiern.»

Allgemeines Verstummen in der Diktatur

Erwin Künzli, der Leiter des Limmatverlages und Lektor des Romans, übernahm das Gespräch auf der Bühne: «Der Protagonist teilt mit dir viele Stationen. Er musste, genau wie du, wegen eines staatskritischen Theaterstücks den Irak verlassen. Warum schreibst du in der dritten Person?» Al Shahmani räumt ein, dass er mit einer Ich-Erzählung begonnen hatte:

«Es war zu schmerzhaft. Ich brauchte erzählerische Distanz. Und ich mische im Roman Fakten, die mit mir oder anderen Exilanten zu tun haben, mit Fiktion.»

Am eigenen Beispiel schildert der Autor, wie das Leben in einer Diktatur die Menschen prägt: «Die Sprache verschwindet. Zwischen den Menschen herrscht Stille, auch wenn sie sich viel zu sagen hätten. Man weiss nicht, ob man einem Spitzel oder Oppositionellen gegenübersitzt – nicht einmal innerhalb der eigenen Familie.» Fast 120 Menschen haben die Vernissage besucht. Offenkundig zog das Buch sie in seinen Sog. Künzli und Al Shahmani wollten den Auftritt nach 75 Minuten beenden, doch das Publikum bat um eine weitere Passage aus dem Roman. Zum Schluss liest Al Shahmani: «Hoffnung ist realistisch.»