Leitartikel
Abstimmungen vom 25. September: Die beiden Fernwärmeausbauprojekte sind ein wichtiges Puzzleteil, um die Frauenfelder Energiewende zu schaffen

Es gilt, die sich jetzt bietenden Chancen zu nutzen. Deshalb empfiehlt sich, dass das Frauenfelder Stimmvolk am 25. September Ja stimmt zum Fernwärmeausbau in der Altstadt und im Westen. Es geht um Investitionen von gesamthaft 40 Millionen Franken. Dieses Geld ist sinnvoll eingesetzt, um die Energiewende auch auf lokaler Ebene zu schaffen.

Mathias Frei
Mathias Frei
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Sie haben die beiden Abstimmungsvorlagen ausgearbeitet: Ulrich Trümpi, Bereichsleiter Planung und Projektierung bei Thurplus, Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland und Stadtrat Fabrizio Hugentobler.

Sie haben die beiden Abstimmungsvorlagen ausgearbeitet: Ulrich Trümpi, Bereichsleiter Planung und Projektierung bei Thurplus, Thurplus-Geschäftsleiter Peter Wieland und Stadtrat Fabrizio Hugentobler.

Bild: Reto Martin

Frauenfeld stimmt am 25. September über zwei Kredite in der Gesamthöhe von 40 Millionen Franken. Viel Geld, das aber am richtigen Ort eingesetzt wird, damit Einwohnerinnen und Einwohner ihren Teil dazu beitragen können, um die Energiewende zu schaffen. Der aktuelle Rahmen der Energiekrise zeigt umso eindringlicher, dass die Abhängigkeit vom Ausland mit dem Umstieg auf lokale und vor allem erneuerbare Energieträger mindestens mittelfristig reduziert werden muss. Konkret hat das Stimmvolk über zwei Bauprojekte zu befinden für den Ausbau der Fernwärmeversorgung im Westen der Stadt und in der Altstadt.

Fast nur Befürworterinnen und Befürworter

Die Frauenfelder Parteien und politischen Gruppierungen sind für einmal beinahe einer Meinung. SVP, FDP, die Mitte, SP, CH und die Grünen empfehlen, beiden Abstimmungsvorlagen zuzustimmen. Einzig die GLP schert aus: Ja zum Fernwärmeausbau in der Altstadt, Nein zum Projekt in Frauenfeld West. Auch im Gemeinderat herrscht grosse Einigkeit. Frauenfeld West ist mit 32 Ja-Stimmen durchgekommen – bei zwei Nein-Stimmen und einer Enthaltung. Zum Ausbau in der Altstadt haben 33 Ja gestimmt (je eine Nein-Stimme und eine Enthaltung). Der Stadtrat empfiehlt den Stimmbürgerinnen und Stimmbürgern selbstredend, zweimal ein Ja einzulegen. (ma)

In Frauenfeld West besteht seit geraumer Zeit ein kleiner Wärmering. Zudem produziert seit kurzem das Holzheizkraftwerk der Bioenergie Frauenfeld vor Ort umweltfreundliche Wärme. Der Frauenfelder Energieversorger Thurplus will einen Teil davon abnehmen und damit Haushaltungen im Westen beliefern. Dafür ist einerseits der Bau einer Heizzentrale notwendig, andererseits der Ausbau des Wärmeleitungsnetzes. Dafür sind 30,1 Millionen Franken veranschlagt. Derweil sollen Liegenschaften in der Altstadt an den bereits bestehenden, sogenannten kalten Wärmering angehängt werden, der mit der Abwärme der Abwasserreinigungsanlage gespeist wird. Der Bau der Heizzentrale im Erweiterungsbau des Regierungsgebäudes und der Netzausbau kosten 9,9 Millionen Franken.

Es pressiert sowohl in der Altstadt als auch im Westen

Der Perimeter für den Fernwärmeausbau in Frauenfeld West.

Der Perimeter für den Fernwärmeausbau in Frauenfeld West.

Bild: PD

Im Grundsatz ist Fernwärme auch in Frauenfeld unbestritten. Materiell gibt es an einem eher kleinen Ort Kritik, dass im Westen hochwertige hochgradige Wärme fürs Heizen sowie Warmwasser verwendet wird – und eben nicht für Prozesswärme, welche die Industrie braucht. Für das Projekt in der Altstadt gibt es Befürchtungen Einzelner, dass die Strassenraumaufwertungen und konkret die Umgestaltung der Freie-Strasse in eine Begegnungszone durch den Fernwärmeausbau eine Dringlichkeit bekommen würden und darunter der vom Stadtrat versprochene Mitwirkungsprozess leide. Diese Kritik gilt es abzuholen – und trotzdem schnell zu handeln.

Denn es pressiert beiderorts. Im Westen produziert das Holzheizkraftwerk bereits heute Wärme. Dafür gäbe es wohlweislich auch andere Abnehmer als Thurplus, das muss nicht das Problem des Stimmvolks sein. Aber es wäre auch möglich, dass Private die Fernwärme im Westen als Geschäft sehen. Und das ist sicher: Die Hoheit über Leitungen im Boden muss bei der öffentlichen Hand bleiben. Sonst wird es kompliziert. Beim Ausbauprojekt in der Altstadt bestimmt der Kanton mit dem Regierungsgebäude-Erweiterungsbau den Zeitplan. Im Neubau gibt es Platz für die notwendige Heizzentrale, die aber nicht erst in vier oder fünf Jahren eingebaut werden kann, sondern während des Baus rein muss. Nun kann man sagen: Entscheidungen unter Zeitdruck sind nicht die besten. Oder man greift dort an, wo jetzt – und nicht später – Potenzial vorhanden ist. Es gilt, die sich jetzt bietenden Chancen im Westen und in der Altstadt zu nutzen.

Fernwärme kann und muss auch wirtschaftlich überzeugen

Der Perimeter für den Fernwärmeausbau in der Altstadt.

Der Perimeter für den Fernwärmeausbau in der Altstadt.

Bild: PD

In der Altstadt ist Fernwärme unbestritten, weil sie alternativlos ist. Im Westen dagegen sind auch Wärmepumpen und Erdsonden möglich. Diese beiden Heiztechnologien sind weder schlechter und noch besser als Fernwärme. Es braucht sie unbedingt als Puzzlesteine, um in Frauenfeld die Energie- und in diesem Fall die Wärmewende zu schaffen. Aber der grösste Puzzlestein ist derzeit sicher Fernwärme. Richtig ist, dass es keinen Anschlusszwang gibt. Denn Fernwärme kann und muss auch wirtschaftlich überzeugen, damit man als Hausbesitzer den Anschluss wagt. Richtig sind deshalb auch die Annahmen, dass in der Altstadt die Anschlussdichte höher sein wird als im Westen. Zu erwähnen gilt es zudem, dass kein einziger Steuerfranken eingesetzt wird für die beiden Projekte. Die ersten Investitionen stemmt Thurplus aus Gebührengewinnen der Vergangenheit, später kommt Fremdkapital zum Einsatz.

Auch nach einem Ja zu den beiden Fernwärmeprojekten pressiert es. Vor allem im Westen brauchen Liegenschaftenbesitzer einen klaren Zeithorizont, wann ein Anschluss möglich wird. Es darf nicht sein, dass sich Anschlusswillige gegen Fernwärme und zum Beispiel für eine Wärmepumpe entscheiden, weil der Bau des Leitungsnetzes zu viel Zeit beansprucht. Zudem steht der Stadtrat mit einem Ja des Stimmvolks in der Pflicht, den Umbau Frauenfelds von der Gas- zur Fernwärmestadt zu forcieren. Damit auch im Lokalen die Energiewende zu schaffen ist.