Kultur
Die Alleskönnerin: Vreni Kauth präsentiert ihr Schaffen von abstrakt bis naturalistisch in der Frauenfelder Stadtgalerie Baliere

Sie ist schon über 70 Jahre alt, aber denkt nicht ans Aufhören: Die Künstlerin Vreni Kauth, die seit mehr als 30 Jahren in Frauenfeld eine Malschule betreibt, bestreitet unter dem Titel «Von links nach rechts» die neue Baliere-Ausstellung.

Mathias Frei
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Vreni Kauth in ihrer Ausstellung «Von links nach rechts».

Vreni Kauth in ihrer Ausstellung «Von links nach rechts».

Bild: Ralph Ribi

Diese Schaffenskraft und diese Herzlichkeit. So kennt man Vreni Kauth. Sie hat Frauenfeld das Malen beigebracht – und profitiert selber in ihrer Kunst von diesem Austausch sowie dem Willen, eine unglaubliche künstlerische Vielfalt zu beherrschen. Dass das aber keine Sekunde krampfhaft daherkommt, sondern wunderbar lustvoll, sieht man in ihrer neuen Schau «Von links nach rechts» in der Stadtgalerie Baliere, die sie selber 15 Jahre lang geleitet hat. Kauth, mittlerweile altersmässig ennet der 70er-Grenze, sagt:

«Ich will nicht eine alte Frau werden, die 100'000 Krankheiten hat.»
Die Ausstellung «Von links nach rechts».

Die Ausstellung «Von links nach rechts».

Bild: Ralph Ribi

Vielmehr sei Malen ihre Erfüllung, ihr Leben. Das eigene Malen und die Malschule laufen nebeneinander, befruchten sich gegenseitig. Seit 1980 gibt Kauth Malkurse, lange Jahre auch in Italien, Österreich und Deutschland. Seit 1990 hat sie ihre eigene Malschule, hat ganze Generationen von Frauenfelder Kindern und Erwachsenen geprägt.

Nur nichts mit Lebensmitteln

In der aktuellen Baliere-Ausstellung.

In der aktuellen Baliere-Ausstellung.

Bild: Ralph Ribi

Vreni Kauth ist in vielen Techniken absolut stilsicher. «Das geht aber nur, weil ich mich jährlich in Kursen weiterbilde.» Dieses Jahr zum Beispiel hat sie sich intensiv mit Collagen befasst. «Und wie man es nicht machen sollte», lacht sie. Kauth ist offen für vieles, sie probiert aus. Aber sie merkt auch schnell, wenn etwas zu divers wird. Sie sagt:

«Es gibt fast nichts, das ich nicht kann.»
Künstlerin und Mallehrerin Vreni Kauth.

Künstlerin und Mallehrerin Vreni Kauth.

Bild: Ralph Ribi

Doch dann wird sie kurz ernst. Denn mit Lebensmitteln zu arbeiten, das würde ihr nie in den Sinn kommen. Dafür herrsche zu viel Hunger auf dieser Welt. Kauth sagt, sie erschaffe gerne eine heile Welt in ihren Bildern, die immer öfters mit Acryl zu Stande kommen, immer seltener mit Öl. Gerade im abstrakten Bereich wendet sie oft Mischtechnik an. Da kommen dann Textilien, Seidenpapier, Bitumen und ganz viel Blattgold zum Einsatz. Alle rund 60 Exponate, darunter auch eine Handvoll Auftragsarbeiten, sind in jüngster Vergangenheit entstanden.

Von der Bildidee leitet sie die Intuition weiter

Kauth hat auch im abstrakten Bereich immer eine Bildidee vor dem inneren Auge. Diese diene ihr als Leitfaden. Dann breite es sich aus und entwickle sich intuitiv. Denn sie muss einfach malen. Manchmal die ganze Nacht. Anschliessend legt sie sich für zwei, drei Stunden ins Bett und macht danach wieder weiter. Bei der abstrakten Malerei hat sie neu mit Text zu arbeiten begonnen, seien es Schablonen oder ihre eigene Handschrift. So heisst es etwa:

Kunst von Vreni Kauth auf Flaschen und Flaschenboxen.

Kunst von Vreni Kauth auf Flaschen und Flaschenboxen.

Bild: Ralph Ribi
«Wende dein Gesicht der Sonne zu, so fällt der Schatten hinter dich.»

In diesem Sinne ist Vreni Kauth von einem positiven Geist beseelt. In ihrem Schmunzeln und Schaffen geht jeder Schatten auf. Dazu passen die naturalistischen, teils fast schon naiven Werke. Kauth spricht liebevoll von den Puurebüebli. Und dann sind da noch die Berge oder die Alpabzüge im Appenzellerland. Oft macht Kauth Fotos von diesen Exponaten. Beim Mondscheinbild von Eiger, Mönch und Jungfrau war sie zum Beispiel froh darum.

Vreni Kauth. «Von links nach rechts». Vernissage: Do, 13. Oktober, 19 Uhr. Ausstellung bis 6. November. Fr, 16 bis 20 Uhr; Sa, 12 bis 18 Uhr; So, 10 bis 16 Uhr. www.vrenikauth.ch