Frauenfeld
«Die Kantonsvertretung durch einen Ökorat ersetzen»: Roger de Weck im Gespräch zur Kraft der Demokratie

Im Rahmen des Frauenfelder Bücherfestes unterhielt sich Autor Roger de Weck mit Moderator Hansjörg Enz zu seinem Buch «Die Kraft der Demokratie – Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre». Er geht auf einen Beitritt der Schweiz in die EU und die Nato ein und thematisiert Umweltfragen.

Christof Lampart
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Autor Roger de Weck im Gespräch mit dem Moderator Hansjörg Enz.

Autor Roger de Weck im Gespräch mit dem Moderator Hansjörg Enz.

Bild: Christof Lampart

Am Samstagnachmittag zog OK-Präsidentin Marianne Sax eine erste Bilanz zum viertägigen Bücherfest: «Die Lesungen sind toll besucht, die Rückmeldungen grossartig und ich selbst habe viele literarische Höhepunkte erleben dürfen.» Dann war es Zeit für das Gespräch von Roger de Weck über sein Buch «Die Kraft der Demokratie – Eine Antwort auf die autoritären Reaktionäre». Der Anlass fand im Frauenfelder Rathaus im Rahmen des Frauenfelder Bücherfestes statt.

De Weck gab im Gespräch mit dem Frauenfelder Publizisten Hansjörg Enz Auskunft über sein Buch. Er las auch einige Passagen daraus vor. De Weck nahm Bezug auf geopolitische Entwicklungen. Der ehemalige Generaldirektor der SRG und Chefredaktor der «Zeit» verdeutlichte, dass er die Demokratie als beste Staatsform erachtet, denn «bei einer allgemeinen, mittleren Unzufriedenheit gibt es immer eine Stückelung der Macht, so dass man miteinander verhandeln muss.»

Ziel der ökosozialen Demokratie

Damit die Schweiz ihre demokratischen Errungenschaften erhalten könne, müsse sie sich reformieren und modernisieren. Dies werde aber nur gelingen, wenn man zur Basis der sozialen Marktwirtschaft zurückfände. Dafür sei aber eines besonders wichtig für die Schweiz: ein gutes Verhältnis zu Europa. Gelänge das nicht, so riskiere man zwischen den geopolitischen Fronten aufgerieben zu werden. Auf die Frage, ob die Schweiz der EU beitreten sollte, liess de Weck, ein bekennender Konservativer, in seiner Antwort eine klare Haltung erkennen, ohne Ja oder Nein zu sagen:

«Wir haben in der EU den besten Nachbarn, denn die Schweiz je in der Geschichte gehabt hatte. Sie bietet uns einen grossen Markt, eine in vielen Ländern einheitliche Währung, eine funktionierende Personenfreizügigkeit und eine politische Ordnung. Und was machen wir? Wir sehen in ihr einen Übeltäter, der uns knechten will. Dieser Spagat verspannt die Schweizer Politik total.»

Auch zu einem etwaigen Nato-Beitritt bezog de Weck Stellung: «Unsere Sicherheit hängt nicht von unserer Neutralität ab, sondern von der Nato. Dass dem nicht so sein sollte, ist eine der Schweizer Lebenslügen». Dass die Populisten in Europa aktuell auf dem Rückzug seien, stimme ihn zuversichtlich. Doch damit sei es noch nicht getan. Vielmehr gelte es, die Demokratien zu modernisieren. «Eine ökosoziale Demokratie wäre ideal», so de Weck. Eine solche könnte sich in Ländern mit einem Zweikammersystem etablieren.

«Wir könnten die Kantonsvertretung durch einen Ökorat ersetzen.»

Und was sollte dieser bringen? «Ein Land, dass der Umwelt eine hohe Priorität einräumt, gewinnt eine hohe Resilienz nach innen und aussen», so de Weck. Die heutige Jugend räume Umweltfragen einen hohen Stellenwert ein. Was auch verständlich sei, denn «ich gehöre noch einer Generation an, deren Eltern es bereits gut ging und deren Kinder es noch besser ging. Davon können meine Enkel aber heute nicht mehr ausgehen», so der 69-Jährige. Allerdings sollte man nicht Reisen und Konsum dermassen zu verteuern, dass sich der Mittelstand und die Ärmsten sich diese nicht mehr leisten könnten, denn «wenn wir eine Umweltpolitik ohne soziale Komponente machten, dann würde es nur die Populisten wieder stärken.»