Bilanz
«Noch grosse Herausforderungen vor uns»: So viel Abfall lag nach dem Open Air Frauenfeld 2022 auf der Allmend und so will sich der Veranstalter weiter verbessern

Abfallbilanz von der Allmend: Nach dem diesjährigen Open Air Frauenfeld gibt die First Event AG die Nachhaltigkeitszahlen preis. Gegenüber 2019 hat sich der grösste Thurgauer Anlass des Jahres in mehreren Belangen verbessert. In einem Aspekt ist das Festival aber auch schlechter geworden.

Samuel Koch
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Hinterlassener Abfall auf der Allmend.

Hinterlassener Abfall auf der Allmend.

Bild: Tobias Garcia (Frauenfeld, 10.07.2022)

Der Aufschrei nach dem Open Air Frauenfeld (OAF) ist so sicher wie das Amen in der Kirche. Da ist dann von Boulevardmedien rasch mal von «Schlachtfeld» oder «Müllberg» zu lesen. Oder aber Frauenfeld verwandelt sich flugs zu «Grauenfeld», wie das auch schon passierte.

So richtig analysieren lässt sich das Hinterbliebene nicht unmittelbar nach dem Exodus der Tausenden Festivalgänger, sondern erst Monate später. Jetzt liegt der Nachhaltigkeitsbericht der Frauenfelder First Event AG als Veranstalterin im Auftrag der Migros und in Zusammenarbeit mit der SchweryCade AG aus Biel vor. Darin gibt es einiges herauszulesen, gerade im Vergleich zum vorgängigen OAF 2019.

Abfall: 30 Tonnen weniger und erfolgreiches Zeltdepot

Waren es 2019 noch 295 Tonnen Abfall, der nach dem OAF auf der Grossen Allmend liegen geblieben ist, sind es dieses Jahr noch 265 Tonnen. Damit sinkt auch die durchschnittliche Abfallmenge pro Kopf von 1,6 Kilogramm im 2019 auf 1,47 Kilogramm in diesem Sommer – kalkuliert mit der Zahl von 180'000 verkauften Tagestickets. OAF-Geschäftsführer René Götz meint auf Anfrage:

René Götz, Geschäftsführer First Event AG.

René Götz, Geschäftsführer First Event AG.

Bild: Reto Martin
«Das freut uns, da sich unsere Massnahmen auszahlen und das Wetter auch mitspielte.»

So appellierten die Veranstalter mit dem neuen Depotsystem für Getränke sowie mit Zeltdepots an die Eigenverantwortung. Bei Letzterem liegt die Quote bei über 88 Prozent. Also fast neun von zehn Personen haben ihr Zelt wieder mit nach Hause genommen und am Ausgang das Depot von 20 Franken zurückerhalten.

«Im Allgemeinen hat sich klar abgezeichnet, dass sich das Bewusstsein der Besuchenden bereits in den letzten Jahren stark verändert hat und die Menschen sensibilisiert auf das Thema sind», meint Götz. Nachhaltigkeit sei aber auch bei Lieferanten und Partnern wichtig. Trotz guter Abfallzahlen stünden weiter grosse Herausforderungen bevor, um die Mengen zu verringern und den Konsum zu optimieren.

Im Gegensatz zum letzten Festival vor der Pandemie hat sich die Rezyklierrate verschlechtert, also die Zahl der Stoffe, die nach der Sortierung bei der hiesigen Müller Recycling AG zurück in den Kreislauf gebracht werden konnten. 2019 blieben 55,2 Tonnen respektive 18,7 Prozent rezyklierbare Stoffe zurück, heuer 43 Tonnen respektive 16,3 Prozent.

Abfallentwicklung Open Air Frauenfeld

in Tonnen
201420152016201720182019-20220100200300

Von den 43 Tonnen rezyklierbarem Abfall, der seit der Verschärfung des Abfallkonzepts mit sogenannten Abfallinseln getrennt gesammelt wird, stellt mit fast der Hälfte (19,5 Tonnen) der Löwenanteil Alu inklusive Metalle dar, also auch Zeltstangen. Die restliche Menge verteilt sich auf Glas (8,5 Tonnen), Karton (6,3 Tonnen), Holz (5 Tonnen) und PET (3,6 Tonnen).

Um die Abfallzahlen weiter zu verbessern, denken die Veranstalter an verschiedene Massnahmen wie den Ausbau von Depotsystemen oder die Anpassung des Angebots von Marktfahrenden. «So entsteht bereits in der Aufbereitung weniger Abfall», sagt Götz. Eine laufende Verbesserung der Einkaufsstrategie trage zudem dazu bei, dass auf Waren aus der Region geachtet werde und die Nachhaltigkeit im Vordergrund stehe.

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Anreise: Mehr Festivalgänger reisen mit ÖV an

In Sachen Transportemissionen liegt der ökologische Fussabdruck pro Person nach dem diesjährigen OAF bei 1,62 Kilogramm. Berechnet werden diese Zahlen mit einer quantitativen Marktforschungsanalyse, wie Geschäftsführer Götz erklärt und ergänzt:

«Daran haben über 15'000 Gäste teilgenommen und 35 Fragen beantwortet.»

Von den 180'000 Tagesbesucherinnen- und Besuchern sind laut Nachhaltigkeitsbericht die meisten (55 Prozent) mit den öffentlichen Verkehrsmitteln angereist. Die Steigerung gegenüber 2019 (53 Prozent) sieht Götz in der Zusammenarbeit mit den SBB, was in Vergünstigungen für Bahnreisende mündete.

Der Anteil an Besucherinnen und Besuchern, die mit dem Auto anreisten, sinkt mit 41 Prozent gegenüber 2019 (43 Prozent). Unverändert sind die Zahlen beim Transport mit Bus/Car (3 Prozent), zu Fuss und mit dem Velo (je 0,5 Prozent) sowie mit dem Flugzeug (0 Prozent).

Transportemissionen und Prozentzahlen von Anreisen, die über eine Marktforschung analysiert wurden.

Transportemissionen und Prozentzahlen von Anreisen, die über eine Marktforschung analysiert wurden.

Bild: Printscreen

Beschaffung: Grösserer Anteil aus der Schweiz und der Region

Unter Beschaffung werden Produkte und Dienstleistungen aufgeführt, die vom Grossanlass mit einem Budget von 20 Millionen Franken in der Schweiz oder in der Region (Umkreis von 80 Kilometern) eingekauft wurden. Dieser Anteil liegt dieses Jahr bei 98 Prozent, was sich gegenüber 2019 (97,9 Prozent) leicht verbessert hat. Lediglich 2 Prozent der beschaffenen Produkte und Dienstleistungen kommen aus dem ferneren Ausland.

Sicherheit: Anstieg bei Bagatellfällen

Beim Thema Sicherheit gibt es unterschiedliche Entwicklungen. Unverändert bleibt die Zahl bei schweren Fällen, nämlich bei 0. Bei den mittleren Fällen ist der Trend negativ, von 20 im Jahr 2019 auf noch deren 9 nach dem diesjährigen Festival. Hingegen zugenommen haben leichte Fälle, von 895 im Jahr 2019 auf heuer 1118. Dabei geht es um Bagatellfälle wie Schürfungen, Blasen, Verstauchungen, Kreislaufschwächen, Übelkeit oder Kopfschmerzen, die vor Ort behandelt worden sind. René Götz sagt:

«Der zusätzliche Mittwoch hat sicherlich einen Einfluss auf die angestiegene Zahl der leichten Fälle.»

Das OAF fand zum ersten Mal vier als bis anhin drei Tage statt. Grund dafür waren die beiden pandemiebedingten Ausfälle 2019 und 2020.