Planänderung
Die Romanshorner Feuerwehr findet keinen Kommandanten und geht jetzt über die Bücher

Die Stellenausschreibung Anfang Jahr hat nichts ergeben. Deshalb werden Florian Maurer und Ursin Camenisch das Korps übergangsmässig leiten – mit klarer Aufgabenteilung. Bis Ende 2023 will die Feuerwehr einen internen Nachfolger aufbauen und die Strukturen anpassen.

Markus Schoch
Drucken
Die Co-Kommandanten Ursin Camenisch (links) und Florian Maurer zusammen mit Stadträtin Melanie Zellweger.

Die Co-Kommandanten Ursin Camenisch (links) und Florian Maurer zusammen mit Stadträtin Melanie Zellweger.

Bild: Bild: Stadt Romanshorn/Rolf Müller

Der damalige stellvertretende Kommandant Florian Maurer hatte die Feuerwehr Ende 2021 interimistisch übernommen und führt sie nun als Co-Kommandant operativ weiter, bis eine interne Nachfolge aufgebaut ist. Er ist seit 2005 Angehöriger des Korps und Ausbildungsverantwortlicher. Daneben ist er als Schweizerischer Feuerwehr-Instruktor und Feuerwehr-Experte der kantonalen Gebäudeversicherung tätig. Zum Kommandant-Stellvertreter ad interim wird Marcel Etter ernannt, schreibt die Stadt in einer Mitteilung.

Co-Kommandant Ursin Camenisch zeichnet im Mandat für die strategische Organisationsentwicklung verantwortlich, die auch den Aufbau gezielter Personalentwicklung beinhaltet. Der 44-Jährige gehört seit rund 20 Jahren der Feuerwehr Frauenfeld an, die letzten zwei Jahre als Kommandant. Daneben ist er als Schweizerischer Feuerwehr-Instruktor und Kursleiter tätig.

Breit abgestütztes Vorgehen

Die Einsetzung der zeitlich befristeten Co-Leitung ist nach Angaben der Stadt breit abgestützt. Der Stadtrat als Wahlgremium habe dem Antrag der Feuerwehrkommission an seiner Sitzung vom 20. September zugestimmt. Zuvor hatte das Feuerwehrkommando das Vorgehen erarbeitet und der Feuerwehrkommission einstimmig beantragt.

«Wir sind überzeugt, dass mit dem Vorgehen die Grundlagen für eine kontinuierliche und nachhaltige Entwicklung des Korps gelegt werden», sagt die zuständige Stadträtin Melanie Zellweger, Ressortverantwortliche Ordnung und Sicherheit.

Es ging nur eine Bewerbung ein

Geplant war es anders. Eigentlich sollte eine definitive Lösung längst gefunden sein. Im Februar schrieb die Stadt die Stelle mit einem 20-Prozent-Pensum aus. Doch es ging nur eine Bewerbung ein, von einer auswärtigen Person, die sich dann aber wieder zurückzog. Die Problematik sei, dass Führungspersonen aus der Privatwirtschaft nur schwer für eine solch anspruchsvolle Aufgabe zu gewinnen seien, die viel Flexibilität verlange und mit wenig Stellenprozenten dotiert sei, sagt Zellweger.

Mangels Kandidaten seien sie im Frühling gezwungen gewesen, neue Wege zu suchen und die Strukturen zu überdenken, sagt Zellweger. Dafür zog die Stadt Camenisch aus Frauenfeld bei, der ein toller Typ mit viel Wissen und der nötigen Power sei, heisst es in Feuerwehrkreisen. Es gehe nicht zuletzt darum, sich zu überlegen, wie der künftige Feuerwehrkommandant entlastet werden könne, sagt Zellweger. Klar ist für sie: «Die Stadt muss auch ihren Beitrag leisten.»

Ein Crashkurs reicht nicht

Die Führungsriege von morgen aufzubauen, brauche Zeit. «Wir haben zwar diverse Offiziere im richtigen Alter», sagt Zellweger. Doch sie müssten sich weiterbilden und Erfahrung sammeln, um bereit für einen Karrieresprung zu sein. Mit einem Crashkurs sei es nicht getan. Zellweger sagt:

«Wir dürfen uns nicht unter Druck setzen lassen.»

Auch deshalb nicht, weil sonst die Gefahr besteht, den einen oder anderen im anstehenden Prozess abzuhängen. «Es funktioniert nur, wenn alle am gleichen Strick ziehen», sagt Zellweger.

In den letzten rund zehn Jahren gab es vier Wechsel an der Spitze der Feuerwehr Romanshorn. Die Rücktritte hätten diverse Gründe gehabt. Zellweger spricht von einer Kette unglücklicher Umstände. Es habe deshalb bis vor kurzem keinen Anlass gegeben, organisatorisch und strukturell über die Bücher zu gehen.