Unterhaltung
Er produziert Aha-Erlebnisse: Carlo Fuso ist der Filmemacher aus Mettendorf

Carlo Fuso und sein Verein Kurzfilmgeneration «und bitte» arbeiten an ihrem vierten Projekt, dem Kurzfilm «Gefangen». Gedreht wird im Kloster Fischingen. Die Geschichte dreht sich um eine Frau, die flüchten möchte.

Janine Bollhalder
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Carlo Fuso dreht mit seinem Verein Kurzfilmgeneration «und bitte» Kurzfilme.

Carlo Fuso dreht mit seinem Verein Kurzfilmgeneration «und bitte» Kurzfilme.

Bild: Benjamin Manser

Sie will weg. Im neuen Kurzfilm von Carlo Fuso aus Mettendorf geht es um die junge Frau Charlotte, die aus dem Kloster ausbrechen möchte. Doch ihre Fluchtversuche werden von Klosterherrin Elisabeth vereitelt. Das Projekt von Fuso, an dem er mit seinem Verein Kurzfilmgeneration «und bitte» arbeitet, trägt den Titel «Gefangen». Für den etwa achtminütigen Film drehen die 28 Beteiligten während vier Tagen.

«Pro Tag können wir schätzungsweise zwei Minuten für den Film drehen.»

Gedreht wird primär im Kloster Fischingen. Wo aber der letzte Drehtag für die finale Szene stattfindet, verrät Fuso nicht. Nur so viel: «Die Geschichte wurde bereits einmal ausgezeichnet mit dem Preis für ‹Jugend schreibt›.» Für ein Mal ist es keine Idee, die der Filmemacher selbst entwickelt und geschrieben hat, sondern jene eines Vereinsmitglieds. Premiere feiert der Film voraussichtlich im Oktober.

Carlo Fusos Ehefrau hilft mit beim Dreh im Kloster Fischingen.

Carlo Fusos Ehefrau hilft mit beim Dreh im Kloster Fischingen.

Bild: Carlo Fuso

Mehr Zeit für Filme

Carlo Fuso ist gelernter Automechaniker, hat als Autoverkäufer gearbeitet und blickt nun auf seine letzten zwei Monate im Arbeitsleben zurück, als Sortierer im Paketpostzentrum Frauenfeld. «Führungen durch das Zentrum werde ich weiterhin machen», sagt er. Die neu gewonnene Zeit möchte er in seine Leidenschaft, das Filmemachen, investieren. Dazu gehört es auch, Drehbücher zu schreiben.

Fuso greift gerne Geschichten aus dem alltäglichen Leben auf. Etwa für den Film «Verpasstes Leben». Es geht um ein Ehepaar, das sich auseinanderlebt. Als seine Frau verstirbt, lässt er das gemeinsame Leben Revue passieren. «Der Film wurde in Italien gezeigt. Nach der Vorführung kam ein Mann auf mich zu und meinte, er habe wegen des Films jetzt etwas begriffen», erzählt Fuso. Er und seine Frau hätten seit langem eine Schifffahrt machen wollen, es aber immer herausgeschoben. «Er wollte nach dem Film die Planung der Reise sofort in Angriff nehmen.» Solche Erlebnisse sind für Fuso ein Highlight.

«Kein Film ist perfekt»

Von der Idee bis zum fertigen Kurzfilm daure die Produktion eines Kurzfilms bis zu anderthalb Jahre, erklärt Fuso. Für die Finanzierung ist der Verein auf Sponsoren und Spenden angewiesen, weshalb die Dreharbeiten aufwendiger sind. «Wir können nicht einfach ein Hotel mieten, sondern müssen halt unterbrechen, wenn Gäste bedient werden oder sich im Hintergrund bewegen», sagt Fuso. Für den Kurzfilm «Gefangen» rechnet er mit Investitionen von rund 5000 Franken. Der Verein sammelt noch bis Ende Juli über die Plattform lokalhelden.ch. Als Sponsoren hat Fuso den Trockeneisproduzenten BioCO2 aus Arbon sowie den Schaumweinproduzenten Mauler aus Môtiers gewinnen können.

«Sie unterstützen uns nicht mit Geld per se, sondern jede und jeder am Film Beteiligte erhält als Geschenk eine Flasche Champagner.»

Eigentlich sei er kein Perfektionist, sagt Fuso. «Aber wenn es um Filme geht, dann fällt mir jedes Detail auf.» Das betreffe nicht nur seine eigenen Kurzfilme, sondern auch Filme im Fernsehen. Als Kenner weiss er, worauf er achten muss – und wo er Fehler findet. Und die, egal, ob deutlich oder kaum sichtbar, gebe es immer.

«Ich muss mir dann jeweils sagen: Es ist, wie es ist. Kein Film ist perfekt.»
Blick hinter die Kulissen des Drehs von «Gefangen» im Kloster Fischingen.

Blick hinter die Kulissen des Drehs von «Gefangen» im Kloster Fischingen.

Bild: Carlo Fuso

Fuso selbst steht vor und hinter der Kamera – und das nicht nur für die Produktionen des Vereins Kurzfilmgeneration «und bitte». In über 90 Filmen und Werbungen, unter anderem bei «Der Bestatter», hat er als Statist mitgewirkt. Zu dieser Tätigkeit kam er durch einen Kollegen, der ihm von seinem Erlebnis am Filmset erzählte. Grössere Rollen hat Fuso aber nie gespielt, nur in den Filmen des Vereins. Etwa im Film «Sempre Lasagne», in dem er und seine Frau von der Mafia verfolgt werden. Ein Film, auf dessen Idee er im Schlaf gekommen ist. Fuso erzählt:

«Normalerweise kann ich mich nicht daran erinnern, was ich träume, doch dieser Traum ist mir geblieben.»