Interview
«Der Pegel müsste nochmals steigen»: Die URh kämpft mit dem niedrigen Wasserstand und tiefen Passagierzahlen

Erst das Virus, dann zu wenig Wasser: Auch nach den beiden Coronajahren muss die Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh) massive Umsatzeinbussen verbuchen. Geschäftsführer Remo Rey äussert sich zur aktuellen Lage und spricht über Zukunftspläne.

Thomas Güntert
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Wegen des tiefen Wasserstandes macht die «MS Munot» seit Mitte Juli Rundfahrten zwischen Schaffhausen und Diessenhofen.

Wegen des tiefen Wasserstandes macht die «MS Munot» seit Mitte Juli Rundfahrten zwischen Schaffhausen und Diessenhofen.

Bild: Thomas Güntert

Haben die Leute nach den beiden Coronajahren keinen Nachholbedarf an Schifffahrten auf dem Rhein?

Remo Rey: Doch, das haben wir bereits an den Feiertagen im Frühjahr gemerkt. Wir haben fast doppelt so viele Passagiere auf unseren Schiffen begrüssen können als im Vor-Corona-Jahr 2019. Wir sind überzeugt, dass ein angenehmer Herbst nochmals viele Passagiere bringen wird. Und nicht nur diejenigen, die ihre Schifffahrt in diesem Jahr noch nicht gemacht haben.

Remo Rey, Geschäftsführer der URh.

Remo Rey, Geschäftsführer der URh.

Bild: Thomas Güntert

Wie steht es um die diesjährige Saison?

Wir hatten einen sehr erfreulichen Start. Bis Ende Mai lagen die Passagierfrequenzen 15 Prozent über dem Vergleichszeitraum im Vor-Corona-Jahr 2019. Seit dem 15. Juli dieses Jahres müssen wir wegen des niedrigen Wasserstands zwischen Diessenhofen und Stein am Rhein allerdings einen zweigeteilten Betrieb anbieten, der zu einem Rückgang der Passagierzahlen von rund zehn Prozent führte. Im Juli und August kamen erschwerend die sehr hohen Temperaturen dazu, bei denen ältere Leute lieber in der kühlen Wohnung bleiben und die Familien in die Badi gehen. Das verursachte nochmals einen Passagierrückgang von zehn bis 15 Prozent.

Welche Auswirkungen hat das Niedrigwasser auf den übrigen Fahrplan der URh?

Die Landestellen können wir immer noch alle bedienen. Der Fahrplan zwischen Kreuzlingen und Stein am Rhein wird weiterhin wie im regulären Betrieb angeboten. Zwischen Schaffhausen und Diessenhofen verkehren täglich vier bis fünf Rundkurse zu den gewohnten Abfahrtszeiten ab Schaffhausen.

Die «MS Arenenberg», ein weiteres Schiff der Flotte der URh.

Die «MS Arenenberg», ein weiteres Schiff der Flotte der URh.

Bild: PD

Wo steht die URh im Vergleich zu den letzten drei Jahren?

Per Ende Juli gehen wir von einem Umsatzrückgang von etwa 15 Prozent im Vergleich zum Vor-Corona-Jahr 2019 aus. Hinzu kommen Mehrkosten für den teureren Diesel und den unvorteilhaften Euro-Wechselkurs. Verglichen mit dem Jahr 2020 sind die Passagierzahlen hingegen um 120 Prozent höher. Auf das Jahr 2021 ist es eine Zunahme von 33 Prozent.

Wie will die URh die Verluste wieder ausgleichen?

Über Gewinne in den Folgejahren, die durch attraktive Ausflüge und neue Angebote erwirtschaftet werden sollen. Zudem wird der neue Partner für die Bordgastronomie mit besonderen Kreationen die Fahrt auf Untersee und Rhein zusätzlich bereichern.

Werden die Preise für die Tickets erhöht?

Weil wir Halbtax- sowie Generalabonnement akzeptieren und aus dem Einnahmentopf dieser Abos Entgelte erhalten, können wir nicht eigenhändig und sofort die Preise erhöhen. Wir haben aber bei der entsprechenden Kommission des öffentlichen Verkehrs für das kommende Jahr einen Antrag auf Preiserhöhung gestellt.

Besteht die Aussicht, dass der Abschnitt Diessenhofen – Stein am Rhein nach den starken Regenfällen in letzter Zeit von der URh bald wieder befahren werden kann?

Um einen durchgehenden Betrieb anbieten zu können, müsste der Pegel nochmals um 15 bis 20 Zentimeter steigen. Sollte nochmals so viel Wasser zusammenkommen wie in der letzten Woche, könnte das der Fall sein. Aber: Der starke Regen hat genügend Wasser gebracht, sodass wir nicht noch weitere Einschränkungen umsetzen müssen.

Unternehmenserfolg von rund 300'000 Franken

Die Schweizerischen Schifffahrtsgesellschaft Untersee und Rhein (URh)  ist als Aktiengesellschaft aufgestellt. Die Flotte umfasst die Schiffe «MS Schaffhausen», «MS Thurgau», «MS Arenenberg», «MS Munot», «MS Stein am Rhein» und «MS Konstanz». Auf der 50 Kilometer langen Kursstrecke werden 18 Landestellen angefahren. Im letzten Jahr betreuten 29 Mitarbeitende rund 275'000 Fahrgäste und sorgten für einen Unternehmenserfolg von rund 300'000 Franken. (gün)