Zwei Geleise in Neukirch-Egnach ermöglichen mehr Schnellzüge

Der Fahrplanwechsel im Dezember bringt bessere Verbindungen zwischen Konstanz und St. Gallen. Deswegen baute die Südostbahn den Bahnhof Neukirch-Egnach auf zwei Spuren aus. Ein Augenschein.

David Grob
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Der Bahnhof Neukirch-Egnach hat neu zwei Perrons. (Bilder: Reto Martin)

Der Bahnhof Neukirch-Egnach hat neu zwei Perrons. (Bilder: Reto Martin)

Als Puzzleteil im grossen Ganzen bezeichnet Armin Zöggeler von der Schweizerischen Südostbahn den Bahnhof Neukirch-Egnach, der seit eineinhalb Jahren eine Baustelle ist. Der Grund für die Bauarbeiten: Der Fahrplanänderungen der SBB vom 9. Dezember mit grossem Wechsel im Fernverkehr.

Dieser bedingt auch einen Ausbau der Strecke Romanshorn - St. Gallen, deren Inhaberin die SOB ist. Denn künftig verkehrt der RegioExpress zwischen Konstanz und St. Gallen stündlich und nicht wie bis anhin jede zweite Stunde. In Folge dieser Fahrplanänderung musste die mehrheitlich einspurige Strecke an gewissen Abschnitten auf zwei Geleisen ausgebaut werden. Änderungen im Grossen erfordern auch Anpassungen im Kleinen. Pünktlich zum Fahrplanwechsel sollen alle Arbeiten in Neukirch-Egnach fertiggestellt sein.

Zwei Geleise ermöglichen dichteren Fahrplan

Kernstück der Bauarbeiten war deshalb der 450 Meter lange Doppelspurabschnitt. «Dieser ist nötig, damit die Züge fahrplanmässig kreuzen können», sagt Zöggeler. Sollte es zu Verspätungen kommen, so ermöglichen die zwei Geleisen mehr Flexibilität. Zöggeler sagt:

«Je mehr Kreuzungsmöglichkeiten wir haben, umso weniger grosse Auswirkungen haben allfällige Verspätungen.»

Die nächstgelegene Kreuzungsstelle zum Bahnhof Neukirch-Egnach befindet sich in Muolen.

Die Aufschüttung des Damms stellte die Verantwortlichen vor Probleme.

Die Aufschüttung des Damms stellte die Verantwortlichen vor Probleme.

Die 450 Meter Doppelspur stellten Zöggeler und sein Team vor Schwierigkeiten. «Eine grosse Herausforderung war der Boden», sagt der Projektleiter. Direkt anschliessend an den Bahnhof in Richtung St. Gallen führt die Strecke erhöht über einen Damm, der für den Doppelspurabschnitt verbreitert werden musste. Das Problem: Der Damm befindet sich an einer leichten Hanglage, gebundenes Porenwasser im Boden macht den Baugrund ist instabil. Zöggeler sagt:

«Der zusätzliche Druck durch Auflasten könnte zu Instabilitäten im Boden führen.»

Ein Blick zurück in die Baugeschichte zeigt: Im schlimmsten Fall kann es zu Grundbrüchen und Hangrutschungen kommen – so aufgetreten beim Bau der Bahnlinie vor über hundert Jahren. Um dieses Worst-Case-Szenario zu vermeiden, schüttete die SOB im Sommer 2017 einen Versuchsdamm auf und analysierte dessen Auswirkungen auf den Boden. Die Resultate flossen in die Errichtung der definitiven Dammschüttung von rund 300 Metern Länge ein. «Es hat alles wie prognostiziert geklappt», sagt Zöggeler.

Die Gemeinde beteiligte sich an den Kosten für die neuen Veloständer.

Die Gemeinde beteiligte sich an den Kosten für die neuen Veloständer.

Doch die Bauarbeiten beinhalten nicht nur den Doppelspurabschnitt, sondern auch neue Fahrleitungen, ein Stellwerk, zwei neue Perrons mit Unterführung und Rampe und insgesamt 1800 Meter neue Fahrbahn. Rund 200 Meter davon sind Abstellgeleise. Nebst den Bauarbeiten für den Streckenausbau modernisierten die Verantwortlichen die Bahnhofsanlage: Diverse Veloständer und neue Zäune kamen hinzu, die WC-Anlagen wurden saniert. Diese Kosten übernahm teilweise die Gemeinde Neukirch-Egnach.

Die restlichen Kosten von rund 18 Millionen Franken steuerte das Bundesamt für Verkehr bei. 20 Millionen Franken waren ursprünglich budgetiert. Entsprechend zufrieden zeigt sich Zöggeler auch:

«Wir sind unter dem Budget und wir konnten trotz der komplexen Planung alle Termine einhalten.»