Weinfelden will mehr Bienen

Die Gemeinde beteiligt sich an der Aktion «Wilde Blütenpracht». Auf Biodiversität achte die Exekutive auch in anderen Bereichen, sagt Walter Strupler.

Mario Testa
Drucken
David Keller, Leiter der Gemeindegärtnerei, und Gemeinderat Walter Strupler neben einer der Pflanzenboxen auf dem Marktplatz. (Bild: Mario Testa)

David Keller, Leiter der Gemeindegärtnerei, und Gemeinderat Walter Strupler neben einer der Pflanzenboxen auf dem Marktplatz. (Bild: Mario Testa)

«Die Gemeinde Weinfelden macht schon lange Projekte für die Biodiversität», sagt Walter Strupler. Als Beispiele erwähnt der Gemeinderat die Blumen und Kräuter in den Kreiseln auf der Umfahrungsstrasse, Magerwiesen auf Brachen oder Sträucher bei Neubepflanzungen.

«Wir unterstützten auch den Vogelschutzverein mit Pflanzenspenden, beispielsweise Sträuchern für dessen Projekte.»

Offensichtlich wird ein Projekt zur Förderung der Biodiversität, also der Artenvielfalt, derzeit auf dem Marktplatz und vor dem Rathaus aufgebaut. In jeweils zwei Boxen von einem Quadratmeter Grundfläche wachsen dort einheimische Pflanzen, die verschiedenen Insekten Futter und Lebensraum bieten. Die Boxen stammen vom Projekt «Wilde Blütenpracht» der Gärtnervereinigung Jardin Suisse Thurgau.

Auch Profis lernen noch dazu

Sogar Gemeindegärtner David Keller konnte dank der Boxen noch etwas lernen. «Ich kenne längst nicht alle hier spriessenden Pflanzen. Das ist fast etwas peinlich. Aber es zeigt mir, dass in der Ausbildung einfach zu wenig Wert auf einheimische Pflanzen gelegt wird», sagt Keller. Dabei zeige das Projekt, dass es für fast alle Standorte mögliche einheimische Pflanzen gebe.

«Das Projekt zeigt der Bevölkerung deutlich auf, dass es auch auf kleinem Raum möglich ist, zum Erhalt unserer Tierwelt beizutragen. An fast jedem Standort.»

Gemeinderat Walter Strupler ergänzt: «Ich finde diese Boxen eine gute, freundliche Art, das Thema Biodiversität aufzugreifen und der Bevölkerung näher zu bringen.» Auch die Gemeindegärtnerei zieht nun nach. Sie wird Steingärten in den Kreiseln durch Blumenwiesen ersetzen. «Wir haben sehr viele Flächen, die wir bepflanzen. Und künftig werden wir vermehrt darauf achten, einheimische Pflanzen zu verwenden», sagt David Keller.

Er zweifle auch in keiner Weise daran, dass sich Insekten bis zu den Pflanzenboxen auf dem Markt- und Rathausplatz verirrten, auch wenn diese von Beton und Asphalt umgeben sind. «Ich bin überzeugt, es wird viele Insekten hier haben, sobald die Blumen blühen. Die Tiere fliegen weit, um sich ihre Nahrung zu suchen.»

Umdenken in der Landwirtschaft

Walter Strupler ist Mitglied der SVP – der Partei, mit der besonders viele Landwirte sympathisieren. Darauf angesprochen, dass gerade diese durch das betreiben intensiver Landwirtschaft der Biodiversität besonders schaden, widerspricht Strupler.

«Eine Sensibilisierung auf das Thema gibt es auch in der Landwirtschaft. Einerseits müssen Bauern heute ja bereits Ausgleichsflächen haben, andererseits sind sie auch bestrebt, weniger Pflanzenschutzmittel zu verwenden.»

Er sei überzeugt, auch die Landwirtschaft trage ihren Teil dazu bei, dass das Insektensterben gebremst werden kann. «Klar ist das für die Landwirte ein Spagat. Einerseits sollen sie möglichst viel Ertrag erwirtschaften, um die teuren Maschinen zu finanzieren.

Andererseits müssen Bauern ihre Äcker auch schonen und sie haben ein grosses Interesse an vielen Insekten zur Bestäubung.» Die Prämien, die es für Ausgleichsflächen mit Kräutern und Magerwiesen gebe, seien ein guter Anreiz, der zur richtigen Entwicklung beitrage.

Schweizweites Engagement dank «Projekt B»

Auch national beschäftigen sich Gärtner, Gemeinden und Private dank dem Projekt «Mission B» mit Biodiversität. Das Schweizer Radio und Fernsehen SRF wird eineinhalb Jahre lang über Projekte berichten, welche die Vielfalt der Natur fördern. Mitmachen kann jeder. Ziel ist es, mehr Lebensraum für Pflanzen, Insekten, Vögel und andere Tiere zu schaffen – denn jede Sekunde verliert die Schweiz fast 0.7 Quadratmeter Grünfläche. (mte)