Weinfelden
Strupler statt Sturzenegger: SVP wollte Wahldebakel verhindern

Am Donnerstagabend wurde der neue Vizepräsident des Weinfelder Stadtparlaments gewählt. Manuel Sturzenegger wäre der gewünschte Kandidat der SVP gewesen. Doch der Widerstand im Parlament führte dazu, dass sich die bürgerliche Partei für einen anderen Kandidaten entschied. Nachforschungen zeigen: Der Widerstand gegen Sturzenegger wäre gar nicht so gross gewesen.

Sabrina Bächi
Drucken
Am Donnerstagabend wurde das Vizepräsidium des Stadtparlaments gewählt.

Am Donnerstagabend wurde das Vizepräsidium des Stadtparlaments gewählt.

Bild: Andrea Stalder (Weinfelden, 18. Juni 2020)

Am Donnerstagabend hat das Parlament den neuen Vizepräsidenten gewählt. Überraschend kam zutage, dass der Vorschlag der SVP, Manuel Sturzenegger für diesen Posten zu wählen, Kritik erntete. Kurzfristig wurde dann Manuel Strupler vorgeschlagen, der mit 23 von 29 möglichen Stimmen gewählt wurde.

Manuel Sturzenegger, SVP-Parlamentarier.

Manuel Sturzenegger, SVP-Parlamentarier.

Bild: PD

Wie sich auf Nachfrage zeigt, gab es kritische Stimmen aus der CVP, der Fraktion SP, GLP und GP. «Es geht überhaupt nicht gegen die Person von Manuel Sturzenegger», sagt Alexandra Beck von der CVP. Aber das Ratspräsidium sei nicht zu unterschätzen. Man müsse gewandt sein, schnell reagieren können und auch schwierige Entscheide treffen. Sturzenegger hat jedoch gestern erst seine dritte Parlamentssitzung hinter sich gebracht.

Die fehlende Erfahrung ist daher ein Argument gegen seine Wahl. Das hat auch zu kritischen Stimmen in der Links-Grüne-Fraktion geführt, sagt Marcel Preiss. «Bei uns hätten ihn wohl nicht alle gewählt», sagt er. Die FDP hat den Vorschlag fürs Vizepräsidium ebenso diskutiert. «Anscheinend gab es nicht viele Alternativen», sagt FDP-Mann Martin Brenner.

SVP-Fraktionspräsident Stefan Wolfer sagt es so: «Vor zwei Jahren wurde Claudia Bieg als Vizepräsidentin gewählt – sie war auch noch nicht lange im Parlament. Damals gab es den Grundsatzentscheid, dass dieses Amt eben nicht von einer Person ausgeübt werden muss, die viel Erfahrung im Parlament mitbringt.» Die SVP habe Bieg damals geschlossen unterstützt.

Stefan Wolfer, Fraktionspräsident SVP, EDU.

Stefan Wolfer, Fraktionspräsident SVP, EDU.

Bild: PD
«Wir sind darum sehr enttäuscht, dass unser Vorschlag nicht ankam.»

Wie Wolfer sagt, sei ihm zugetragen worden, dass die Links-Grüne-Fraktion Sturzenegger nicht unterstützt. Auch von der Fraktion CVP, EVP, JA hat er das vernommen – allerdings sehr kurzfristig, wie Wolfer sagt. «Mit dieser Ausgangslage wollten wir nicht riskieren, dass Manuel Sturzenegger nicht gewählt wird. Und wir wollten das Fiasko verhindern, dass anstatt er jemand anderes aus der SVP gewählt wird», sagt er.

Deshalb habe man sich wirklich erst kurz vor der Parlamentssitzung für die Nomination Manuel Struplers entschieden. Interessanterweise scheint der Widerstand gegen die Wahl Sturzeneggers nicht so gross gewesen zu sein, wie von der SVP vorab angenommen. Die EVP hätte sich hinter den Vorschlag gestellt, wie Marianne Scherrer bestätigt. Auch Preiss sagt, dass man in der Fraktion SP, GLP, GP nicht geschlossen gegen die Wahl Sturzeneggers gewesen wäre.