Weinfelden
Schleuse auf für die Energiezukunft von Weinfelden

Der Weinfelder Stadtrat hat seine Energie- und Klimastrategie überarbeitet. «Die Weinfelder Energiestrategie ist eine Erfolgsgeschichte und mir persönlich auch ein sehr wichtiges Thema», sagt der zuständige Stadtrat Thomas Bornhauser.

Mario Testa
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Stadtrat Thomas Bornhauser und Erich Bötsch, der neue Energieberater der Technischen Betriebe, in der neuen Fernwärmezentrale in der Eishalle Güttingersreuti.

Stadtrat Thomas Bornhauser und Erich Bötsch, der neue Energieberater der Technischen Betriebe, in der neuen Fernwärmezentrale in der Eishalle Güttingersreuti.

Bild: Mario Testa

Für Thomas Bornhauser ist die Überarbeitung der Energie- und Klimastrategie wohl der letzte grosse Wurf als Stadtrat von Weinfelden. In sechs Wochen übergibt er seinen Sitz in der Exekutive an Martin Brenner und zieht sich dann vom Amt zurück. Dieses Kapitel habe er aber unbedingt noch abschliessen wollen, sagt er an der Pressekonferenz am Dienstagmorgen.

«Wir hören und lesen dauernd, wir hätten keine Visionen im Stadtrat: Das hier ist eine!»

Von einer Erfolgsgeschichte spricht Bornhauser, wenn er von der Energiestrategie der Stadt Weinfelden spricht. Und diese soll nach der Erstfassung aus dem Jahr 2011 und einer Überarbeitung 2015 nun um ein weiteres Kapitel ergänzt werden. «Es braucht stete Anpassungen. Die Veränderungen in diesem Bereich sind enorm.» Eine der grössten Anpassungen im Strategiepapier ist der neue Schwerpunkt Klimaschutz. «Diesen Punkt hatten wir vorher noch nicht drin. Wir wollen mit kleinen Schritten die Umsetzung der Klimaziele 2050 erreichen.»

Strategische Ziele: Die Stadt Weinfelden ...

  • ... beachtet bei Planung und Umsetzung ihrer Projekte die Anliegen des Klimaschutzes.
  • ... senkt Verbräuche und CO2-Emissionen eigener Gebäude, Anlagen und Betriebsmittel durch Sanierungen und Sensibilisierung.
  • ... fördert nachhaltiges Handeln durch gute Öffentlichkeitsarbeit und Kooperationen.
  • ... nutzt ihren Spielraum, um über regulatorische Eingriffe nachhaltige Lösungen zu fördern und zu fordern.
  • ... handelt im Wissen um ihre Vorbildfunktion für Bevölkerung und Wirtschaft.

Auf das bisher erreichte in Weinfelden ist Thomas Bornhauser stolz. «Verglichen mit anderen Städten sind wir mehr als nur an der Spitze», sagt der Stadtrat. Das Energiestadt-Goldlabel sei ein Beweis dafür. Beim Anteil Elektroautos und der von Fotovoltaik genutzten Fläche ist die Stadt am besten unterwegs im Thurgau, nur bei der Fernwärme hapert es noch. «Weinfelden ist eine Gas-Stadt. Aber es ist ein weiteres strategisches Ziel, vom Gas wegzukommen und die Fernwärme auszubauen», erklärt Bornhauser.

Im Bereich der Fernwärme würden neue Projekte aufgegleist und spätestens mit dem Neubau der KVA ergeben sich da weitere grosse Möglichkeiten. Ein Fernwärmeverbund, der erst kürzlich in Betrieb genommen wurde, ist jener auf der Güttingersreuti. Von der Energiezentrale in der Eishalle wird Wärme in die Sporthalle, die Tennishalle und künftig auch in die Curlinghalle verteilt. Die Wärme entzieht die Anlage dem Grundwasser.

Im November 2021 wurden die Rohre für die Fernwärme auf der Güttingersreuti verlegt.

Im November 2021 wurden die Rohre für die Fernwärme auf der Güttingersreuti verlegt.

Bild: Mario Testa

Für die Fernwärmenetze sind die Technischen Betriebe Weinfelden zuständig. «Grundwasser ist ein sehr wertvolles Gut, deshalb ist es auch richtig, dass solche Anlagen die Profis von den TBW betreiben», sagt Bornhauser. Auch die Solaranlagen auf öffentlichen Gebäuden würden entweder die TBW oder die Genossenschaft Solarregio Weinfelden betreiben.

Nur gemeinsam sind Ziele erreichbar

Die Stadt hat im Bereich der Energiestrategie eine Vorbildfunktion. «Wir haben die Betriebszeiten der Strassenbeleuchtung reduziert, montieren laufend neue Lampen und senken auch den CO2-Ausstoss unserer Gebäude, Anlagen und Betriebsmittel», sagt Thomas Bornhauser. Zur Verbesserung des Klimas werde nun auch eine Erhebung durchgeführt, welche aufzeige, wo mehr Grünflächen und Biodiversität geschaffen werden könnten.

Wenn auch nur in beschränktem Masse aber dennoch kann die Stadt Bauherren auch Vorgaben machen. Beispielsweise bei Gestaltungsplänen kann sie die minimale Fotovoltaiknutzung oder Anzahl E-Tankstellen definieren. «Wichtig sind gemeinsame Anstrengungen der Stadt, der öffentlichen Körperschaften, Firmen und Privaten», sagt Bornhauser. Nur so könnten die Klimaziele erreicht werden.

Die grösste Solaranlage in Weinfelden befindet sich auf dem Dach des Lidl-Verteilzentrums.

Die grösste Solaranlage in Weinfelden befindet sich auf dem Dach des Lidl-Verteilzentrums.

Bild: Mario Testa

Etwas fehlt in der überarbeiteten Energie- und Klimastrategie der Stadt Weinfelden jedoch komplett: Fristen und Termine. «Ich wollte keine Deadlines. Es kann auch mal Verzögerungen geben und dann wird man nur an diesen Zahlen gemessen», sagt Thomas Bornhauser. «Was wir bis jetzt gemacht haben, zeigt, dass wir die Ziele erreichen werden. Den Rahmen gibt ja der Bund vor mit den Zielen 2030 und 2050. Wichtig ist nur, dass wir diese noch übertreffen.»

Erich Bötsch ist neuer Energieberater

Die Technischen Betriebe Weinfelden AG betreiben die regionale Energieberatungsstelle für die Gemeinden Amlikon-Bissegg, Berg, Birwinken, Bürglen, Bussnang, Märstetten, Wigoltingen und Weinfelden. Neuer Energieberater ist seit Anfang Mai der 62-jährige Erich Bötsch, nachdem sich der bisherige Stelleninhaber Jonas Meyer beruflich neu orientiert. In der Energieberatung durchleuchtet Bötsch in erster Linie die Energieeffizienz von Gebäuden und Sparpotenziale beim Strom- und Wärmeverbrauch. Die Erstberatung ist dabei kostenlos. Der gelernte Lebensmitteltechnologe Erich Bötsch ist über Jobs als Technischer Leiter in der Lebensmittelindustrie, einer Weiterbildung zum Energieberater und zuletzt als Fachspezialist beim Bundesamt für Energie zu seiner jetzigen Anstellung in Weinfelden gekommen.