Uraufführung
Voll wilder Hoffnung und mit falschen Internetfreunden: Theater Konstanz zeigt das Jugendstück «Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé»

Jeder Jugendliche hat heute ein Handy. Die Gefahr, an falsche Freunde zu geraten, ist extrem hoch. Das Theater Konstanz spielt ein rasantes Stück für Jugendliche – mit Game-Ästhetik.

Julia Nehmiz
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Flucht mit dem Mofa: Emeraude (Abenaa Prempeh) und Ate (Miguel Jachmann) brettern durch Belgien, die theatrale Behauptung wird durch Nebel- und Windmaschine lebendig.

Flucht mit dem Mofa: Emeraude (Abenaa Prempeh) und Ate (Miguel Jachmann) brettern durch Belgien, die theatrale Behauptung wird durch Nebel- und Windmaschine lebendig.

Bild: Bjørn Jansen

Die Gefahr ist real. Wer im Internet surft und chattet, kann an dubiose Gestalten geraten, die Gutmütigkeit und Gutgläubigkeit ausnutzen. Der Teenager Ate ist so einem «Catfish» aufgesessen, also jemandem, der sich im Internet eine falsche Identität zugelegt hat. Und gerät in ziemliche Schwierigkeiten. Doch wir sind im Theater, im Theater für Kinder und Jugendliche, also geht es gut aus – Glück gehabt.

Das Theater Konstanz zeigt den Jugendroman «Roadtrip mit Lasergirl und Beyoncé» des niederländischen Autors Tjibbe Veldkamp. Am Samstag wurde die Theaterfassung (erstellt von Regisseurin Franziska Autzen und Dramaturgin Hanna Stollmeyer) uraufgeführt. Autzen und Stollmeyer belassen die Handlung in den Niederlanden und in Belgien, ziehen Stoff und Figuren nicht krampfhaft in die Region. Und sie machen daraus ein Zwei-Personen-Stück (für Jugendliche ab 12).

Ate, ein 13-jähriger Teenager aus Groningen, chattet jeden Tag für wenige Minuten mit Baptiste. Der lebt in Brüssel, ohne Papiere, Migrant aus Afrika. Ate bezeichnet Baptiste als seinen einzigen Freund. Als der ihm schreibt, dass er in Geldnot ist und sein Handy verkaufen muss, ist für Ate klar: Er wird helfen. Nicht Geld überweisen, das hat er schon öfters gemacht, nein, er wird nach Brüssel fahren und Baptiste sein altes Handy schenken.

Ausser seinem Chatpartner Baptiste hat er keine Freunde, sagt Ate (Miguel Jachmann). Deswegen macht er sich alleine auf den Weg nach Brüssel, um Baptiste zu helfen.

Ausser seinem Chatpartner Baptiste hat er keine Freunde, sagt Ate (Miguel Jachmann). Deswegen macht er sich alleine auf den Weg nach Brüssel, um Baptiste zu helfen.

Bild: Bjørn Jansen

Doch in Brüssel wird er am Bahnhof von einer jungen Frau abgefangen. Ate nennt sie wegen ihres stechenden Blicks «Lasergirl», eigentlich heisst sie Emeraude. Sie behauptet, sie habe ihm als Baptiste die Nachrichten geschrieben. Jetzt braucht sie Ate als Fluchthelfer in die Niederlande. Sie möchte nicht mehr für ihren Gangster-Onkel arbeiten, sondern in die Schule gehen. Es entspinnt sich eine Verfolgungsjagd, ein Hin und Her der Figuren – wem kann man trauen, wer nutzt wen aus?

Der Roadtrip wird zum rasanten Videogame

Die Handlung des Romans ist rasant – und so legt Autzen auch ihre Inszenierung an. Dass diese mit leicht erhobenem Zeigefinger rüberkommt, liegt vielleicht auch an der straffen Kürzung des Stoffs auf eineinviertel Stunden. Ates Roadtrip nach Brüssel und zurück nach Groningen, inklusive Zugreise, Flucht vor Gangstern und Mofa-Fahrt – Autzen und ihre Ausstatterin Ute Radler setzen die filmischen Momente als eine Art Videogame mit hohem Tempo um. Als wäre Ate via Handy in eine virtuelle Welt hineingezogen.

Lasergirl, so nennt Ate das Mädchen Emeraude (Abeena Prempeh).

Lasergirl, so nennt Ate das Mädchen Emeraude (Abeena Prempeh).

Bild: Bjørn Jansen

Lasergirl sieht aus wie die Heldin aus einem Game, die weissen Fenster in der drehbaren Wand in der Bühnenmitte blinken auf wie bunte Kacheln, Ate und Lasergirl bewegen sich zu treibenden Beats durch das imaginierte Brüssel. Der Sitzplatz auf der Betonmauer wird zum Zugabteil, die Wand zur heimeligen Hausfassade, zum Stadtbus, zum Zimmer, in dem Ate gefangen gehalten wird. Oder die Flucht auf dem Mofa: Ate und Lasergirl stellen Windmaschine und Nebelmaschine auf die Bühne, setzen sich aufs Fahrzeug und brettern durch Belgien. Nur kurz geht mit den beiden Darstellern das Über-Kindliche durch (kein Jugendlicher spielt ernsthaft Brumm-brumm-Mofa).

Miguel Jachmann und Abeena Prempeh erzählen kraftvoll und einfühlsam. Jachmann als Ate ist linkisch und träumend-draufgängerisch zugleich. Prempehs Lasergirl eine Superheldin, selbstbewusst, anführend, und voll wilder Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Autor Veldkamp hat eine Story über Freundschaft, Internet-Kriminalität, Migration geschrieben. In Konstanz kommt sie intensiv gespielt auf die Bühne.

Infos und Aufführungstermine (letzte Vorstellung am 19.3.): theaterkonstanz.de