Unihockey
Nach 11:3-Sieg in Thun: Floorball Thurgau steigt erstmals in die NLA auf

Das Männerteam von Floorball Thurgau gewinnt gegen den UHC Thun das Auf-/Abstiegsplayoff und gehört nun erstmals seit der Klubgründung im Jahr 2000 der höchsten Spielklasse an. Der Aufstieg beruht auf einem starken Fundament, das Thurgau noch manche Jahre in der Elite des Schweizer Unihockeys bescheren könnte.

Matthias Hafen aus Thun
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Der Aufstieg ist geschafft: Dreifachtorschütze Noé Siegfried stellt sich in Jubelpose vor seine Mitspieler.

Der Aufstieg ist geschafft: Dreifachtorschütze Noé Siegfried stellt sich in Jubelpose vor seine Mitspieler.

Bild: Pascal Affentranger/Floorball Thurgau

Da war sie nun also, die Welt der NLA, auf die Floorball Thurgau so lange hingearbeitet hatte. Eine getäferte Mehrzweckhalle für Unihockey und Rollhockey (MUR) am Rande von Thun mit Wänden aus Pressholz und einem Wellblechdach. Wer von der Kasse in die Halle wollte, musste sich in Acht nehmen, nicht von der WC-Tür erschlagen zu werden, wenn zufällig grad jemand den Lokus verliess. Die Zuschauertribüne bestand aus dreistufigen Festbänken, die Galerie wurde behelfsmässig mit Paletten ausstaffiert, um auch diesen Bereich nutzen zu können.

Das war auch dringend nötig. Die in die Jahre gekommene MUR in Thun platzte für das vierte Auf-/Abstiegsspiel zwischen dem UHC Thun und Floorball Thurgau sprichwörtlich aus allen Nähten. 600 Zuschauerinnen und Zuschauer wollten sehen, wie Thurgau den erstmaligen Aufstieg in die höchste Spielklasse schafft - oder Thun nochmals in die Serie zurückfindet, je nach Sichtweise. Die Fans aus der Ostschweiz waren mit zwei Cars angereist, zahlreiche weitere Unterstützer fuhren mit dem eigenen Auto ans Spiel.

Die zahlreichen Thurgauer Fans trugen massgeblich zur starken Leistung der Mannschaft bei.

Die zahlreichen Thurgauer Fans trugen massgeblich zur starken Leistung der Mannschaft bei.

Bild: Matthias Hafen

Verkehrte Welt: Thurgau eine Liga besser als Thun

Und Floorball Thurgau enttäuschte sein Publikum nicht. Bereits nach 18 Sekunden traf Arbnor Papaj zum 1:0. Während die Thuner mit dem Glück haderten, in der vierten Minute nur den Pfosten trafen (und in der 35. die Latte), rollte der Thurgauer Aufstiegsexpress mitten durch das Thuner Unihockeyherz. Sami Saarinen (17.) und Noé Siegfried (19.) sorgten mit zwei weiteren Treffern für deutliche Verhältnisse nach dem ersten Drittel.

Als Niklas Graf kurz vor Spielmitte auf 4:0 erhöhte für Thurgau, war der Aufstieg eigentlich schon besiegelt. Die Feldüberlegenheit des NLB-Ersten gegen den NLA-Letzten war beeindruckend. Nach drei sehr umkämpften Partien war in der vierten Begegnung erstmals ein Ligaunterschied zu sehen - allerdings nicht so, wie man es sich aufgrund der Affiche vorgestellt hatte. Der 11:3-Sieg an diesem Samstag und damit die Promotion in die höchste Spielklasse hat sich Floorball Thurgau redlich verdient. Der Unterklassige spielte während dieser Auf-/Abstiegsserie gegen Thun bereits auf NLA-Niveau.

Präsident Kuhn: «Schon zu 80 Prozent bereit für die NLA»

Doch eines erstaunte: Aus dieser Welt, die sich im Berner Oberland bot, ragt der Verein aus Weinfelden eigentlich schon heraus. Die Paul-Reinhart-Halle übertrifft die MUR in Thun nicht nur punkto Zuschauerkomfort. Auch das Drumherum ist im Thurgau NLA-würdiger. Natürlich ist der UHC Thun kein Musterverein für die Elite des Schweizer Unihockeys und Floorball Thurgau hat im Vergleich zu den meisten NLA-Teams noch viel Luft nach oben. Der Verein ist aber auf gutem Weg.

Trainer Jukka Ruotsalainen führte Floorball Thurgau mit kontinuierlicher Arbeit und grossem Sachverstand in die höchste Spielklasse.

Trainer Jukka Ruotsalainen führte Floorball Thurgau mit kontinuierlicher Arbeit und grossem Sachverstand in die höchste Spielklasse.

Bild: Mario Gaccioli (Weinfelden, 5. Februar 2022)

Headcoach Jukka Ruotsalainen ist einer der grössten Unihockey-Versteher in der Schweiz, sein Trainerstab arbeitet nahe an der Perfektion und die Mannschaft funktioniert dank Kontinuität so gut wie ein Schweizer Präzisionsuhrwerk. Präsident Benjamin Kuhn sagt, Floorball Thurgau sei Stand heute schon zu 80 Prozent bereit für die Nationalliga A.

«Aber wir haben den Anspruch, auch in der höchsten Liga ein Playoff-Anwärter zu sein.»

Deshalb fehlten noch 20 Prozent zu zukünftigen Kontrahenten wie etwa Waldkirch-St. Gallen. Die Infrastruktur mit der Paul-Reinhart-Halle in Weinfelden reicht jedenfalls aus, um in der NLA zu spielen. Soviel ist gesichert. Floorball Thurgau will den Schwung des Aufstiegs jedoch nutzen, um neue Hallenmöglichkeiten zu evaluieren, wie Präsident Kuhn sagt.

Nicht nur im Aufstiegsspiel in Thun: Floorball Thurgau kann auf eine treue Fangemeinde zählen.

Nicht nur im Aufstiegsspiel in Thun: Floorball Thurgau kann auf eine treue Fangemeinde zählen.

Bild: Matthias Hafen

Um in der NLA konkurrenzfähig zu sein, braucht es heute ein Budget von mindestens 500'000 Franken. Das dürfte für Floorball Thurgau zu stemmen sein. In der obersten Liga strebt der Klub einen Zuschauerdurchschnitt von 500 pro Partie an. Kuhn ist überzeugt, dass das Potenzial dafür im Thurgau vorhanden ist.

Alle Nachwuchsteams spielen in der höchsten Liga

Auf stabilen Säulen baut Floorball Thurgau auch im Sportbereich. Mittlerweile spielen alle Nachwuchs-Leistungsteams in der höchsten Liga des Landes. Zahlreiche Junioren gehören den Schweizer U-Nationalteams an. An Nachwuchs fehlt es den Thurgauern also nicht. Sowieso ist die Zusammenarbeit mit der Sportschule Erlen eine Erfolgsgeschichte. Vom diesjährigen Aufstiegsteam durchliefen rund zwei Drittel der Spieler die eigene Ausbildungsstätte. Diese Leistungsschiene ist für Benjamin Kuhn einer der Hauptpfeiler für eine erfolgreiche Zukunft. Der Präsident sagt:

«Mit einem NLA-Team können wir den besten Nachwuchsspielern nun eine eigene Lösung bieten, müssen sie nicht mehr nach Winterthur, St. Gallen oder sonst wohin ziehen lassen.»

Den zweiten Pfeiler bilden die Ausländer. «Sie sollen nicht nur Ergänzungsspieler sein», sagt Kuhn. «Wir brauchen weiterhin Top-Unihockeyspieler, die aber nicht schon zwingend einen grossen Namen haben müssen.» Viel wichtiger ist dem Präsidenten, dass sie ins Gefüge von Floorball Thurgau und Trainer Ruotsalainen passen. «Wenn wir es dann noch schaffen, sie über eine längere Zeit bei uns zu behalten und so Kontinuität in die Mannschaft bringen, sind wir auf gutem Weg», sagt Kuhn.

Selbst mit Kochlöffel und Kanister wurde Floorball Thurgau in Thun angefeuert.

Selbst mit Kochlöffel und Kanister wurde Floorball Thurgau in Thun angefeuert.

Bild: Matthias Hafen

Auf-/Abstiegsplayoff NLA/NLB: Thun - Thurgau 3:11 (0:3, 1:1, 2:7)

MUR-Halle - 600 Zuschauer (Saisonrekord) - SR Ambühl/Brechbühler.
Tore: 1. (0:18) Papaj (Y. Fitzi) 0:1. 17. Saarinen (Haudanlampi) 0:2. 19. Siegfried (Saarinen) 0:3. 29. Graf (Wiedmer) 0:4. 35. Baumann (Ammann) 1:4. 47. Siegfried (Haudanlampi) 1:5. 50. Saarinen (Föhr) 1:6. 52. Zimmermann (Würz) 2:6. 54. (53:03) Königshofer (Graf) 2:7. 54. (53:35) Siegfried (Haudanlampi) 2:8. 55. (54:13) Baumann (Bühler) 3:8. 55. (54:56) Saarinen 3:9. 56. (55:45) Graf (Königshofer) 3:10. 60. (59:14) Graf (Schläfli) 3:11.

Thurgau gewinnt die Best-of-seven-Serie 4:0 und steigt in die NLA auf, Thun steigt in die NLB ab.