Ukraine-Flüchtlinge
Am Donnerstag treffen 50 Menschen ein: «Wir wissen nicht, wer im Car sitzen wird», sagt der Pastor der Chrischona Amriswil

Die Chrischona und die Evangelische Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri nehmen am Donnerstag in der Früh einen Reisecar mit ukrainischen Flüchtlingen in Empfang.

Manuel Nagel
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Gernot Rettig ist Pastor bei der Chrischona Amriswil.

Gernot Rettig ist Pastor bei der Chrischona Amriswil.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 23. März 2022)

Gernot Rettig, heute Donnerstag frühmorgens kommen drei Reisecars mit Menschen aus der Ukraine via Polen im Thurgau an. Wie kam es dazu?

Über die Plattform www.kirchen-helfen.ch haben sich die Evangelische Kirchgemeinde Amriswil-Sommeri und die Chrischona gemeldet, um Flüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Diese werden an Privathaushalte vermittelt, die sich über die gleiche Plattform angemeldet haben.

Drei Cars, das dürften rund 150 Personen sein. Haben Sie für alle einen Platz in Amriswil gefunden?

Nur ein Car kommt zu uns in den Oberthurgau und sollte, wenn alles klappt, um sechs Uhr in der Früh hier in Amriswil eintreffen, wo die Menschen aus der Ukraine ein Frühstück erhalten. Danach kommen um halb acht herum die Gastgeber, und die Geflüchteten werden von uns auf die Privathaushalte in Amriswil, Romanshorn und Bischofszell verteilt. Die zwei anderen Cars fahren nach Felben und die Menschen werden in der Region Frauenfeld untergebracht.

Wer kommt da nach Amriswil? Sind es eher jüngere oder eher ältere Menschen?

Wir haben im Augenblick nur wenige Informationen, was die Gruppe betrifft. Es sollen vor allem Frauen und Kinder sein, viele bringen auch Haustiere mit. Was da genau auf uns zukommt, sehen wir am Donnerstag.

Wurden die Geflüchteten bereits vorgängig den Gastfamilien zugeteilt, oder geschieht das spontan am Donnerstagmorgen?

Gernot Rettig.

Gernot Rettig.

Bild: Manuel Nagel (23. März 2022)

Wir wissen tatsächlich nicht, wer im Car sitzen wird. Deshalb haben wir unsere Gastfamilien gebeten, sich auf ganz unterschiedliche Personen(-gruppen) einzustellen. Der Car startet am Mittwochabend und wenn alles klappt, bekommen wir von der Begleitperson im Car am Abend per Whatsapp eine erste Information über die Gruppe.

Das hört sich nach viel Organisation und Arbeit an. Haben Sie denn auch genügend Unterstützung für diesen Lupf?

Unsere Leute sind sehr motiviert, sich helfend einzubringen, aber wir als Koordinatoren sind für weitere Hilfe – etwa für Ausflüge, Übersetzung, Kleidergutscheine, finanzielle Hilfe und so weiter – sehr offen.

Wo kann man sich denn melden, wenn man Unterstützung bieten kann?

Als Chrischona haben wir einen sozialen Verein, den Verein Kinder-, Jugend- und Sozialarbeit Amriswil, über den wir die praktische Hilfe und finanzielle Unterstützung koordinieren wollen. Die Website www.kjs-amriswil.ch aktualisieren wir gerade. Ab Donnerstag ist sie aktuell.

Wie sieht es aus mit der Unterstützung durch die Stadt und die Schule? Sind Sie auch mit diesen Behörden im Kontakt?

Ja, wir sind parallel bereits mit Gabriel Macedo im Gespräch, um zu schauen, wie sich auch die Stadt einbringen und die Menschen aus der Ukraine unterstützen kann. Wir spüren mittlerweile deutlich, dass Amriswil die Situation erkannt hat und verschiedene Stellen, zum Beispiel das Sozialamt oder die Schulverwaltung, informiert sind. Die Volksschulgemeinde Amriswil-Hefenhofen-Sommeri plant die Einsetzung einer speziellen Klasse für Flüchtlinge aus der Ukraine. Diese soll nach den Frühlingsferien am 19. April starten.