Swiss League
Ein Spiel, das längst verloren schien, gewinnt der HC Thurgau in La Chaux-de-Fonds im Penaltyschiessen

30 Minuten lang läuft das Auswärtsspiel gegen La Chaux-de-Fonds mehrheitlich am HC Thurgau vorbei. Doch mit Geduld, Einsatz und Selbstvertrauen kämpft sich der HC Thurgau von einem 0:2 zurück. Im Penaltyschiessen realisiert er den vierten Sieg in Serie und kommt wie aus dem Nichts zu zwei weiteren Punkten.

Matthias Hafen aus La Chaux-de-Fonds
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Die Thurgauer (hier im Spiel in Winterthur) konnten auch auswärts gegen La Chaux-de-Fonds wieder jubeln.

Die Thurgauer (hier im Spiel in Winterthur) konnten auch auswärts gegen La Chaux-de-Fonds wieder jubeln.

Mario Gaccioli (10. September 2021)

Der HC Thurgau wird immer faszinierender. Am Freitagabend gegen La Chaux-de-Fonds hatten die Ostschweizer während 30 Minuten kaum etwas vom Spiel, lagen 0:2 zurück und standen am Ende dennoch wieder als Gewinner da. Das 3:2 nach Penaltyschiessen war der vierte Sieg des HCT in Folge. Damit gehört ihm der dritte Platz in der Tabelle nun auch nach Verlustpunkten. Und das Weihnachtsspiel am Sonntag um 17 Uhr daheim gegen den souveränen Leader Olten wird zum grossen Spitzenspiel der Swiss League.

Doch wie konnte es zu dieser wundersamen Wende im tiefen Neuenburger Jura kommen? Lag es an dem Dutzend mitgereister Thurgau-Fans, die das erste Drittel zwar verpassten, dafür am Ende ihre blutten Bäuche umso stolzer in der eiskalten Patinoire des Mélèzes hin- und her schwenkten? Lag es am aktiven Coaching von Trainer Stephan Mair, der während des schwierigen Starts in die Partie immer wieder Akteure auf der Spielerbank zusammenrief und ihnen taktische Anweisungen mitgab? Oder waren es schlicht die gelben Gladiatoren da draussen auf dem Eis, die aktuell aus jeder noch so hoffnungslosen Situation Hoffnung schöpfen?

Das Spiel läuft zunächst am HC Thurgau vorbei

Basis zu diesem aussergewöhnlichen Erfolg legte sicher die Geduld, mit der der HC Thurgau vor 1208 Zuschauern ans Werk ging. Von den Gästen brachte zwar zu Beginn keiner die Aggressivität eines Sondre Olden aufs Eis, kaum einer den Speed eines Toms Andersons, keiner die Übersicht von Mathias Trettenes. Dennoch behielten die Thurgauer die Nerven, als im Startdrittel die Partie an ihnen vorbeilief. Topskorer Olden hatte das Heimteam in der sechsten Minute in Führung gebracht. Julien Privet doppelte kurz vor der ersten Pause bei einem 3-gegen-1 der Neuenburger nach.

Es schien, als wäre der HC Thurgau mental müde. Es schien, als zollten die vorangegangenen Erfolge ihren Tribut. Auch hatte man das Gefühl, dass die Verletzung von Adam Rundqvist der eine Ausfall zu viel ist für den HCT, den Assistenzcoach Beni Winkler als «angezählt» bezeichnet. Doch eigentlich waren die bauernschlauen Gäste nur auf der Lauer nach ihrer Chance. Und die kam nach Spielmitte.

Nachdem Goalie Luis Janett fast seinen Arm geopfert hätte, um weitere Gegentreffer mirakulös zu verhindern, erarbeitete sich Thurgau eine erste Druckphase. Die gipfelte in einem Pfostenschuss von Jonathan Ang. Mit dem Druck provozierte der HCT immer mehr Fouls des Gegners. Ein solches führte kurz vor Ende des zweiten Drittels zu einem Powerplay und dem 1:2-Anschlusstreffer der Thurgauer durch Ian Derungs.

Der 22. Penalty entscheidet die Partie

Damit hatte der zu Beginn überzeugende HC La Chaux-de-Fonds alle seine Vorteile weggegeben. Thurgau war zurück im Spiel, kam jetzt kompakter daher und baute auch wieder mehr Selbstvertrauen auf. Dieses äusserte sich vor allem in der Person von Dominic Hobi, der an diesem Abend als Center die zweite Thurgauer Sturmreihe anführte. Als Silvio Schmutz in der 49. Minute auf der Strafbank sass, fuhren die Thurgauer mit Patrick Spannring und Hobi einen Konter, den Hobi zum 2:2 vollendete, indem er seinen früheren Teamkollegen Nicola Aeberhard im Tor von La Chaux-de-Fonds gekonnt umspielte.

Die längst ausgeglichene Partie ging in die Verlängerung, in der Thurgau eine weitere Unterzahl schadlos überstand. Und im ellenlangen Penaltyschiessen waren es zweimal Hobi, zweimal Derungs und schliesslich Ang mit dem alles entscheidenden Treffer, die dem HCT gar noch einen zweiten Punkt bescherten. Ebenso wie der einmal mehr überzeugende Janett im Tor.

La Chaux-de-Fonds – Thurgau 2:3 n. P. (2:0, 0:1, 0:1)

Les Mélèzes – 1208 Zuschauer – SR Fausel/Barras, Francey/Urfer.
Tore: 6. Olden (Iglesias, Nauris Sejejs) 1:0. 18. Privet (Jaquet) 2:0. 39. Derungs (Binias, Kühni/Ausschluss Nauris Sejejs) 2:1. 49. Hobi (Spannring/Ausschluss Schmutz!) 2:2.
Penaltyschiessen: Trettenes 1:0, Hobi 1:1; In-Albon 2:1, Derungs 2:2; Muller – (Janett hält), Binias – (verzieht); Olden – (Janett hält), Fritsche – (Aeberhard hält); Andersons – (daneben), Ang – (Aeberhard hält); Hobi – (Pfosten), Trettenes – (Janett hält); Derungs 2:3, In-Albon 3:3; Ang – (Aeberhard hält), Olden – (Janett hält); Hobi 3:4, In-Albon 4:4; Derungs – (Aeberhard hält), In-Albon – (Janett hält); Ang 4:5, Trettenes – (Janett hält).
Strafen: 4-mal 2 Minuten gegen La Chaux-de-Fonds, 5-mal 2 Minuten gegen Thurgau.
La Chaux-de-Fonds: Aeberhard; Jaquet, Andersson; Augsburger, Suleski; Nauris Sejejs, Iglesias; Olden, Achermann, Carbis; Schnegg, Trettenes, Andersons; Muller, In-Albon, Voirol; Nils Sejejs, Privet, Döpfner; Eugster.
Thurgau: Janett; Soracreppa, Forrer; Parati, Moor; Törmänen, Kühni; Schmutz; Derungs, Palmberg, Ang; Spannring, Hobi, Woger; Petrig, Lehmann, Hollenstein; Bischofberger, Fritsche, Binias; Salamin.
Bemerkungen: La Chaux-de-Fonds ohne Oejdemark (Lausanne/NLA), Delémont (Biel/NLA), Bouchareb, Wyss, Ulmer, Dubois und Matewa (alle verletzt). Thurgau ohne Rundqvist, Fechtig, Loosli, Baumann (alle verletzt), Senn (überzählig), Bader und Bircher (beide Rapperswil-Jona/NLA). – 32. Pfostenschuss Ang. – 59:16 Timeout La Chaux-de-Fonds.

Nächstes Spiel. Sonntag, 5. Dezember, 17.00 Uhr: Thurgau –Olten.