Swiss League
Der Surfer nutzt die grosse Welle: HC-Thurgau-Stürmer Jan Petrig erkennt man im Playoff kaum mehr

Jan Petrig war in dieser Saison schon überzählig beim HC Thurgau. Im Playoff gegen den SC Langenthal aber zeigt der 23-jährige Stürmer, wozu er fähig ist. Er sagt: «Mein Leben besteht nicht nur aus Pläuscheln.»

Matthias Hafen
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Jan Petrig (links, mit Teamkollege Dominik Binias) bejubelt seinen Treffer zum 2:0 im Playoff-Auftaktspiel.

Jan Petrig (links, mit Teamkollege Dominik Binias) bejubelt seinen Treffer zum 2:0 im Playoff-Auftaktspiel.

Bild: Mario Gaccioli (13. März 2022)

Wer im Sommer gerne barfuss am Strand entlang schlendert, ein Surfbrett an der Palme angelehnt sieht und Gitarrenklängen lauscht, die aus einer Hängematte kommen, könnte Jan Petrig gefunden haben. Denn so in etwa sehen die perfekten Ferien aus für den 23-jährigen Eishockeyspieler. Der Flügelstürmer des HC Thurgau mag Wasser unter seinen Füssen: Im Winter vorzugsweise gefroren, im Sommer schäumend. Wellenreiten ist Petrigs grosses Hobby, Gitarrenspielen seine Leidenschaft. «Für mich ist das eine Art, wie ich Energie auftanken kann», sagt der Solothurner. «Einfach mal sein und geniessen.»

Als wären das nicht schon Merkmale genug, passt Petrig auch optisch in jedes Surfermekka. Seine langen, blonden Haare fallen selbst unter dem Eishockeyhelm auf. «So erkennt man mich auf dem Eis auf Anhieb», sagt Thurgaus Nummer 86 und lacht.

«Ich wollte schon als Kind lange Haare. Nie die Frisur, die alle anderen Kinder hatten.»

Nicht minder imposant ist mittlerweile seine Gesichtsbehaarung. «Ich finde, ein Bart passt zum Eishockey», so Petrig. «Immer wenn es draussen kalt wird, lasse ich ihn wachsen und rasiere ihn erst nach dem Playoff.»

Mit Sommerbart: Jan Petrig im spiel vom 28. September 2021 gegen den EHC Visp (Marco Lütolf).

Mit Sommerbart: Jan Petrig im spiel vom 28. September 2021 gegen den EHC Visp (Marco Lütolf).

Bild: Mario Gaccioli

Von der Tribüne in die zweite Sturmreihe

Wenn der HC Thurgau in dieser Saison so weitermacht, dann könnte sich Jan Petrig bald als Gitarrist bei der Rockband ZZ Top bewerben. 3:0 führen die Ostschweizer im Playoff-Viertelfinal gegen den SC Langenthal, brauchen noch einen Sieg, um die Halbfinals zu erreichen. Das ist auch Petrig zu verdanken, der in Abwesenheit von bis zu acht Stammkräften in die Bresche springt. Oft gehörte er in dieser, seiner ersten Saison bei Thurgau den hinteren, weniger bedeutenden Sturmreihen an. Immer wieder war er sogar überzählig. Im Playoff gegen Langenthal aber stürmt Petrig hauptsächlich in der zweiten Linie – und kommt sogar in den «Special Teams» regelmässig zum Einsatz. Im Auftaktspiel gelang ihm das wegweisende 2:0, und in jedem Einsatz verkörpert er mit vollem Einsatz das Thurgauer Kämpfertum in dieser Saison. Petrig zahlt das Vertrauen zurück, das ihm die Trainer Stephan Mair und Beni Winkler in der entscheidenden Phase der Meisterschaft auch gezwungenermassen geben.

Würde die Karriere gerne beim HC Thurgau fortführen

«Ich habe hart dafür gearbeitet, dass ich eine solche Rolle übernehmen kann», sagt der frühere Junior des EHC Biel und fügt schon fast entschuldigend an:

«Mein Leben besteht nicht nur aus Pläuscheln. Ich kann auch fokussiert sein.»

Kürzlich hat Petrig sein Studium mit dem Bachelor abgeschlossen. Im Playoff gegen Langenthal spielt der 23-Jährige nun um seine sportliche Zukunft. Der Vertrag mit dem HC Thurgau läuft Ende Saison aus. Einen neuen hat Petrig noch nicht. «Ich könnte mir gut vorstellen, hier weiterzumachen», sagt er. «Es gefällt mir sehr gut hier. Der Zusammenhalt innerhalb der Mannschaft ist grossartig. Und die Fans hier sind einfach super.» Vorerst gelte sein Fokus aber ganz dem Playoff und dem Teamerfolg. Nicht auszuschliessen, dass Jan Petrig danach den Thurgau zu seinem Strand machen wird.