SULGEN
Es muss nicht immer digital sein: Rückbesinnung auf handgeschriebene Botschaften, Grüsse und Glückwünsche

Im März wird im Sulger Begegnungshaus die Schreibwerkstatt AachThurLand eröffnet. Das Angebot soll primär Kinder ansprechen, mitmachen können aber Personen jeden Alters.

Georg Stelzner
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Michèle Artho und Melitta Wäfler im Untergeschoss des Sulger Begegnungshauses, wo die Schreibwerkstatt vorerst untergebracht ist.

Michèle Artho und Melitta Wäfler im Untergeschoss des Sulger Begegnungshauses, wo die Schreibwerkstatt vorerst untergebracht ist.

Bild: Tobias Garcia (Sulgen, 18. Februar 2022)

Schreiben Kinder heute noch? Natürlich tun sie das. Im digitalen Zeitalter aber längst nicht mehr so wie ihre Eltern und Grosseltern. Die Tastatur auf dem Smartphone hat traditionelle Schreibgeräte wie den Bleistift, die Füllfeder und den Kugelschreiber längst in die Flucht geschlagen. Dieser Trend ist nicht mehr umkehrbar.

Das weiss auch Melitta Wäfler. Gemeinsam mit Michèle Artho, die sofort Feuer und Flamme für die Idee einer Schreibwerkstatt war, will sie dieser Entwicklung zumindest entgegenwirken. Nicht radikal und missionarisch, aber auf konsequente und sympathische Weise.

Ziel ist es, Freude am Schreiben zu wecken

Mit der als Verein organisierten Schreibwerkstatt AachThurLand möchten die beiden Frauen primär Kinder, aber auch Personen jeden Alters, zum eigenhändigen Schreiben auf Papier - also wie früher - animieren. Melitta Wäfler sagt:

«Wir wollen die Freude daran wieder wecken und zeigen, dass handgeschriebene Botschaften auch den Adressaten Freude bereiten.»

Je nach Alter und Begabung können die Mädchen und Buben in der Schreibwerkstatt Texte verfassen oder einfach nur malen und basteln. Sämtliche Materialien werden zur Verfügung gestellt.

Eltern oder anderen Begleitpersonen wird während der zwei Stunden die Möglichkeit geboten, sich bei Kaffee und Kuchen zu unterhalten, Erfahrungen auszutauschen oder auch selbst einen Stift in die Hand zu nehmen. Eingeladen ist nicht nur Sulgens Bevölkerung; willkommen sind alle in der Region lebenden Personen.

Teilnehmer haben keinen Leistungsdruck

Der Anschein, dass es sich bei der Schreibwerkstatt um eine Art inoffiziellen Nachhilfeunterricht in Orthografie handeln könnte, soll unbedingt vermieden werden. Das Angebot ist niederschwellig und soll keinen Leistungsdruck erzeugen. Man stelle zwar einen Duden zur Verfügung, werde aber keine Korrekturen vornehmen oder auf andere Art in die Texte eingreifen, betonen Melitta Wäfler und Michèle Artho.

Dies wäre der eigentlichen Intention, nämlich die Freude am Schreiben zu fördern, in hohem Masse abträglich, argumentieren die beiden Initiantinnen, die beim Betrieb der Schreibwerkstatt noch von drei Personen unterstützt werden.

Ein Angebot für die ganze Region

Das neue Angebot, das in der Region seinesgleichen sucht, kann kommenden Mittwoch erstmals genutzt werden. Die Schreibwerkstatt befindet sich vorläufig im Untergeschoss des Begegnungshauses im Sulger Oberdorf. In Zukunft, nach Abschluss der dortigen Bauarbeiten, soll das Seniorenzentrum Region Sulgen als Domizil dienen. Michèle Artho erklärt:

«Unser Ziel ist es nämlich, bei dieser Gelegenheit auch die verschiedenen Generationen zusammenzubringen.»

Altersmässig gibt es keine Beschränkung. Sinnvollerweise sollten Kinder aber schon verbal kommunizieren können und den Umgang mit einem Schreibgerät beherrschen. Kindern ab der dritten Klasse ist es erlaubt, ohne Begleitperson zu erscheinen. Für die Teilnahme wird ein Unkostenbeitrag von 5 Franken (Einzelperson), 10 Franken (Familie mit zwei Kindern) oder 15 Franken (Familie mit vier Kindern) erhoben.

Hinzu kommen noch die Portokosten, denn die Briefe und Karten sollen auch regulär per Post verschickt werden. Der Betrag kann gleich vor Ort bar oder - ganz modern - per Twint bezahlt werden. Solange die Schreibwerkstatt im Begegnungshaus untergebracht ist, werden die Postsendungen in einen improvisierten Briefkasten geworfen, den Melitta Wäfler gebastelt hat.

18 Gelegenheiten im Jahr 2022

Die Schreibwerkstatt AachThurLand im Begegnungshaus an der Schulstrasse 7 in Sulgen ist in der Regel jeden ersten und dritten Mittwoch im Monat in der Zeit von 14.30 bis 16.30 Uhr geöffnet. Ausnahmen bilden wegen der Schulferien die Monate April, Juli und Oktober (jeweils nur ein Termin). Zum Start im kommenden Monat kann die Schreibwerkstatt sogar dreimal besucht werden, nämlich am 2., 16. und 30. März. Kontaktadresse: Gutbertshausen 7, 8583 Götighofen; E-Mail: schreibwerkstatt-atl@gmx.ch. (st)