SULGEN
Armee hat Vorrang: Asylsuchende ziehen in eine andere Unterkunft um

Die Gemeinde Sulgen macht ihre Anlage für Luftschutztruppen (ALST) wieder fit für militärische Belegungen. Die Asylunterkunft des Staatssekretariats für Migration (SEM) wird vorübergehend in die Zivilschutzanlage Befang verlegt.

Hannelore Bruderer
Drucken
Während der militärischen Belegung der ALST nutzt das Staatssekretariat für Migration die Zivilschutzanlage Befang als temporäre Unterkunft für Asylsuchende.

Während der militärischen Belegung der ALST nutzt das Staatssekretariat für Migration die Zivilschutzanlage Befang als temporäre Unterkunft für Asylsuchende.

Bild: Hannelore Bruderer (Sulgen, Februar 2022)

Mit der ALST an der Auholzstrasse und den Zivilschutzanlagen (ZSA) im Befang, an der Kapellenstrasse und im Oberdorf verfügt die Gemeinde Sulgen über mehrere Anlagen, die als Truppenunterkünfte genutzt werden können. In der ALST, die Ende der 1980er-Jahre erstellt wurde, nahmen die militärischen Belegungen in den letzten Jahrzehnten ab, nicht zuletzt, weil die Armee die Anzahl der WKs generell reduzierte. Die ALST wurde nicht mehr kostendeckend betrieben.

«2015, auf dem Höhepunkt der Flüchtlingskrise, fragte das Staatssekretariat für Migration beim Gemeinderat an, ob es die Anlage temporär als Unterkunft für Asylsuchende nutzen könne. Diesem Anliegen stimmten wir zu», sagt Gemeindepräsident Andreas Opprecht. Er betont, dass dieser Entscheid damals aus humanitären und nicht aus finanziellen Überlegungen gefällt wurde, die Mieteinnahmen aber willkommen waren.

Gewerbe und Gastronomie profitieren

Auf den ersten Mietvertrag zwischen der Gemeinde Sulgen und dem SEM folgten weitere befristete Verträge. «Die Frage, wie die ALST durch das Militär künftig besser genutzt werden kann, wurde dadurch hinausgeschoben. Abgesehen davon, dass das Militär ein prioritäres Nutzungsrecht an der ALST hat, profitieren von seiner Anwesenheit auch örtliche Gewerbebetriebe und die Gastronomie», sagt der Gemeindepräsident.

«Die Belegungen durch das Militär sind für unsere Gemeinde wichtig.»

Die Zusammenarbeit mit dem SEM wurde 2019 beendet. Daraufhin klärte der Gemeinderat im Gespräch mit der Schweizer Armee ab, welche Anforderungen für eine bessere Ausnutzung der Anlage erfüllt sein müssen.

Unter anderem führte dies dazu, dass – anstatt Verbesserungen im Küchenbereich der ALST auszuführen – die Küche im Auholzsaal umfassend renoviert wird und die Armeeangehörigen künftig im kleinen Auholzsaal statt in den Räumen der ALST verpflegt werden können. Eine erste militärische Belegung der ALST in diesem Jahr findet ab dem 27. März statt, zwei weitere sollen kurz danach folgen.

Coronapandemie durchkreuzt Pläne

Unerwartet kam das SEM im Jahr 2020 erneut auf den Gemeinderat Sulgen zu. Um das Risiko von Covid-19-Ansteckungen zu reduzieren, musste die Anzahl Personen in den Bundesasylzentren verringert werden. Das SEM ersuchte darum, die Anlage in Sulgen wieder in Betrieb nehmen zu können, was der Gemeinderat genehmigte.

Um eine Lösung für die sich abzeichnende Doppelbelegung zu finden, nahm der Gemeinderat mit dem SEM und der Volksschulgemeinde Region Sulgen Kontakt auf. Für die Zeit bis voraussichtlich zu den Sommerferien zieht das SEM mit den Asylsuchenden in die Zivilschutzanlage unter dem Sekundarschulhaus Befang um.

Unveränderte Sicherheitsmassnahmen

In der ZSA Befang wurden in dieser Woche temporäre bauliche Anpassungen vorgenommen, sodass der Umzug am nächsten Montag erfolgen kann. Die Kosten von rund 30'000 Franken trägt vollumfänglich der Bund. Andreas Opprecht sagt:

«Eine Voraussetzung für den Umzug in die ZSA Befang ist, dass die aktuellen Standards der Sicherheitsvorkehrungen am neuen Standort unverändert gelten.»

Nach den Worten des Gemeindepräsidenten heisst das unter anderem, dass die Anlage rund um die Uhr überwacht wird.

Hier werden die Asylsuchenden übernachten: Betten in der Zivilschutzanlage Befang.

Hier werden die Asylsuchenden übernachten: Betten in der Zivilschutzanlage Befang.

Bild: Hannelore Bruderer (Sulgen, Februar 2022)

Er rechnet nicht damit, dass es aufgrund der Nähe zur Schule am neuen Standort der Asylunterkunft Probleme geben wird. «Das Sicherheitskonzept des SEM hat sich bei der ALST bewährt. Diese befindet sich ebenfalls in unmittelbarer Nähe eines Schulhauses», erklärt der Gemeindepräsident.

Neue Betten und Bodenbeläge, frische Farben

Vor der militärischen Belegung wird die ALST renoviert und für eine truppenkonforme Nutzung vorbereitet. Bodenbeläge werden erneuert und die Räume neu gestrichen. Zudem entsprechen die Betten nicht mehr den heutigen Standardbreiten. Sie werden ersetzt. Dafür sind Kosten von
180'000 Franken veranschlagt. Diese werden durch die Mieteinnahmen und durch den Bund gedeckt. Steuergelder werden dafür nicht eingesetzt, versichert Gemeindepräsident Andreas Opprecht. «Die Grundsubstanz der ALST ist gut. Mit den aktuellen Investitionen ist die Anlage für die nächsten Jahrzehnte wieder gerüstet.» Aus den Ersatzabgaben für Schutzbauten investierte die Gemeinde Sulgen bereits in den Jahren 2017 bis 2020 rund 300'000 Franken in die drei ZSA Befang, Kapellenstrasse und Oberdorf. «Je nach Truppengrösse werden diese Unterkünfte nebst der ALST bei militärischen Belegungen ebenfalls benötigt», erklärt Opprecht. (hab)