Städtereise
Ein Tag in der Gourmetstadt Weinfelden: Vom Schlossgspängstli über Piraten bis zum Curlingspiel ist alles dabei

Im Herzen des Thurgaus liegt Weinfelden. Die jüngste Stadt im Kanton hat nebst kurzen Wegen eine schmucke Altstadt, sportliche Aktivitäten und vor allem viel Genussvolles zu bieten.

Sabrina Bächi
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Ein Tag in Weinfelden.

Ein Tag in Weinfelden.

Bild: Mario Testa/Andrea Tina Stalder

Grüezi und guten Morgen in der jüngsten Stadt im Thurgau. Ich nehme Sie heute mit auf einen Städtetrip, gespickt mit vielen kulinarischen Höhepunkten. Weinfelden hat einiges zu bieten, Sie werden sehen. Weinfelden ist die Stadt der kurzen Wege. Vieles ist hier im Zentrum auch zu Fuss gut zu erreichen. Erst seit 2019 nennt sich Weinfelden Stadt und doch sind die Weinfelderinnen und Weinfelder immer noch stolz darauf, «im Dorf go poschtä». Der Dorfcharakter macht die Stadt an der Thur aus. Genauso wie die schöne evangelische Kirche, die als Wahrzeichen über den Dächern thront, das Schloss am Ottenberg ob den Weinbergen und die hohen Türme der Meyerhans-Mühli und KVA. Bereit, diese Stadt kennen zu lernen? Dann legen wir los!

09:00 Uhr

La Stazione: Weinfelden ist die Zugstadt schlechthin. Egal, woher man kommt, alle Gleise führen nach Weinfelden. Für einen Besuch der Stadt am Ottenberg lohnt es sich deshalb, mit dem ÖV anzureisen. Und wer dort ankommt, braucht gar nicht weit zu gehen, bis er oder sie den ersten Stopp für einen feinen Zmorgen findet: Das «La Stazione» von der Bäckerei Mohn bietet einige Spezialitäten, die man auch für den ereignisreichen Tag kaufen und mitnehmen kann. Nebst Kaffee, Gipfeli oder feinen Bagels gibt es gerade im Herbst einige Süsse Kreationen zu entdecken. Zu nennen wären hier etwa die Weinfelder Schlossgeister, Pralinés mit Gandujafüllung, oder die Schoggischiffli mit Brombeer- und Mohnfüllung – eine besondere Spezialität der Confiserieleiterin. Aber auch einen Thurgauer Biber, Schoggi-Öpfelringli oder die Öpfelwürmli gibt es im Café.

Eine Spezialität aus Weinfelden: die Schlossgeister.

Eine Spezialität aus Weinfelden: die Schlossgeister.

Bild: Sabrina Bächi
10:00 Uhr

Krimitrail und Outdoor Escape: Nach dem stärkenden Zmorge ist nun etwas Aktivität angesagt. Als erste Stadt im Thurgau bietet Weinfelden einen Krimitrail an. Die Unterlagen dafür kann man über die Website der Stadt bestellen und kosten 25 Franken. Dabei geht es um das Lösen eines Mordfalles, der tatsächlich einer wahren Geschichte angelehnt ist. Wer lieber noch mehr knobelt und Rätsel löst, dem ist der Outdoor Escape empfohlen. Es ist der erste Escape-Room, der im Freien stattfindet, und wurde von einer jungen Lehrerin selbst entwickelt. Dabei gibt es auch einen Outdoor Escape für Kinder: die drei Satzzeichen. Für die Anmeldung und weitere Informationen dient die Website. Alle Trails finden in der Weinfelder Altstadt statt.

12:00 Uhr

Gasthaus zum Trauben: Nach dem Knobelspass soll der Hunger gestillt werden. Dafür empfiehlt sich ein Besuch im Gasthaus zum Trauben. Zentral gelegen ist es eines der ältesten Häuser in der Stadt. Die Treppe, über die man ins Gasthaus gelangt, besitzt besonderen historischen Charme: Von dort soll der Pfarrer und Politiker Thomas Bornhauser die erste liberale Verfassung des Kantons Thurgau ausgerufen haben. Nach langer Umbauzeit ist der «Trauben» nun wieder offen und wird von einem jungen Wirtepaar geführt. Die Karte ist traditionell und regional, besondere Leckerbissen ist etwa das Rindstatar, die Ottenberger Weinschaumsuppe oder das Kalbsgeschnetzelte Trauben-Art. Eine Reservation lohnt sich.

Sabrina Tanner und Thomas Schenk sind die neuen Leiter im Gasthaus zum Trauben.

Sabrina Tanner und Thomas Schenk sind die neuen Leiter im Gasthaus zum Trauben.

Bild: Ralph Ribi

Gambrinus: Wer es lieber etwas gehobener mag, dem sei das Restaurant Gambrinus empfohlen. Mit ihrem Hund Bosco suchen die Besitzer Silvana und Roberto Lombardi eigens die Trüffel, welche dann in der Küche verarbeitet werden.

Madörin: Bei den kühleren Herbsttemperaturen ist eine Suppe eher angezeigt? Kein Problem. Beim Gemüsehändler Madörin gibt es jeden Mittag ein grosses Salatbuffet, mehrere Suppen und ein Menu. Vor allem Vegetarier sind hier gut bedient.

Weinfelden, die Gourmetstadt

Generell lässt sich aber sagen, dass Weinfelden die Gourmetstadt schlechthin ist. Wer gutbürgerlich essen will, dem sei der «Löwen», der «Eigenhof» oder das «Isebähnli» empfohlen. Auch mit fünf Schnellimbissen, die vor allem Döner, Burger und Pizzen im Angebot haben, kann Weinfelden aufwarten. Wer lieber Thailändisch isst, der ist im «Hirschen» oder im «Thai-Chili» beim Buffet oder beim «Thai Mae Mun» richtig. Italienische Spezialitäten gibt es nicht nur im «Gambrinus», sondern auch im «Storchen», im «Falken», im «Pulcinella» und im «Tonis» sowie im «Rossini». Und das Schöne: Alle Restaurants befinden sich in einem Umkreis weniger hundert Meter im Zentrum.

14:00 Uhr

Bounty Museum: Unter der Woche fährt stündlich immer um vier Minuten nach der vollen Stunde das Postauto in Richtung Güttingersreuti. Dort angekommen, kann man das Bounty-Museum besuchen. Es ist das einzige Museum in Weinfelden und versprüht einen ganz besonderen Charme. Das Herz von grossen und kleinen Piratenfans geht bei der Sammlung historischer und filmischer Requisiten auf. Das Museum erzählt die Geschichte der Meuterei auf der Bounty. Der Besuch im Museum an der Mühlefangstrasse bedingt jedoch eine Anmeldung. Weitere Informationen finden sich auf der Website.

Edi Spengler ist einer der Gründer des Bounty-Clubs. Er steht im Museum.

Edi Spengler ist einer der Gründer des Bounty-Clubs. Er steht im Museum.

Bild: Reto Martin

Postauto: Mit dem Bus 924 Richtung Kreuzlingen, Kantonsschule geht es in nur 9 Minuten zur Haltestelle Güttingersreuti. Die Abfahrtszeiten sind unter der Woche immer xx.04 Uhr. Am Wochenende fährt der Bus alle zwei Stunden. Zu Fuss ist man vom Stadtzentrum aus in 20 Minuten beim Museum, es sind knapp 1,5 Kilometer Distanz.

15:00 Uhr

Sportareal Güttingersreuti: Vom Museum ist das grosse Sportareal Güttingersreuti nicht mehr weit. Dort gibt es etwa eine Eishalle oder eine Squash- und Tennishalle. Ebenfalls einzigartig im Kanton: die Curlingbahn. Wer sich in der Schachsportart auf dem Eis einmal versuchen will, kann auf Vereinbarung eine Plauschstunde unter fachkundiger Anleitung absolvieren. Das eignet sich besonders, wenn man eine grössere Gruppe ist.

Bei der Fasnachtstrophy stehen auch mal Asterix und Obelix auf dem Eis.

Bei der Fasnachtstrophy stehen auch mal Asterix und Obelix auf dem Eis.

Bild: Reto Martin

Rundgänge: Wem dies etwas zu viel Action ist, der kann auch eine Stadtführung buchen. Diese findet jedoch im Zentrum statt und ist für private Gruppen auf Vereinbarung zu organisieren. Dabei kann man aus unterschiedlichen Themen auswählen: Auf Frauenspuren, Höfe und Gärten oder eine historische Beizentour sind nur drei Beispiele aus dem vielfältigen Angebot. Die Informationen dazu gibt es ebenfalls auf der Website.

Malou Zürcher ist der Neuzugang unter den Stadtführerinnen und -führern. Sie begleitet eine Gruppe durch die Führung auf Frauenspuren.

Malou Zürcher ist der Neuzugang unter den Stadtführerinnen und -führern. Sie begleitet eine Gruppe durch die Führung auf Frauenspuren.

Bild: Donato Caspari
16:30 Uhr

Frauenfelderstrasse/Rathausstrasse: Wer es bis jetzt noch nicht getan hat, der sollte unbedingt durch die Gassen Weinfeldens schlendern. Ob man sich von der Rathausstrasse in die Frauenfelderstrasse hocharbeitet oder umgekehrt, ist nebensächlich. Nicht verpassen sollte man etwa das Chäslädeli Renz. Dort gibt es alles, was es sonst nirgends gibt. Von Spirituosen über Pasta, Käse oder Weinfelder Weine, alles ist speziell. Nur schon ein Besuch in dem kleinen und übervollen Laden ist ein Erlebnis. Das Leben sei zu kurz, um schlecht zu essen, sagt Inhaber Philippe Bulant, deshalb bietet Chäs-Renz so viel Feines an. Besonders empfehlenswert im Herbst: die hauseigene Fonduemischung.

Der Rathausbrunnen, das Gasthaus zum Trauben und im Hintergrund die evangelische Kirche Weinfelden.
6 Bilder
Die Auslage beim Chäs Renz. Nebst Milchprodukten hat er auch sonstige Spezialitäten im Laden.
Das Wöschhüsli hinter dem Gemeindehaus ist ein beliebter Ort zum Heiraten. Links geht die Treppe in den Haffterpark.
Der Blick vom Haffterpark Richtung evangelische Kirche
Der Kräutergarten im Haffterpark. Hier darf man sich bedienen.
Der Badstubenweg führt unter einem alten Riegelhaus hindurch.

Der Rathausbrunnen, das Gasthaus zum Trauben und im Hintergrund die evangelische Kirche Weinfelden.

Bild: Sabrina Bächi

Haffterpark: Wer die Zeit dazu findet, sollte sich unbedingt in der Altstadt umsehen und dabei den kleinen Umweg über den Haffterpark machen. Es ist der wohl idylliste Ort in der Stadt. Grosse Bäume, grüne Wiesen, viele Hecken und ein Kräutergarten, bei dem man sich bedienen darf, laden zum Verweilen ein. Von der Frauenfelderstrasse kann man zwischen den Gebäuden der Stadtverwaltung hindurch und oben am Park über den Gässliweg westwärts und über den Badstubenweg wieder auf die Frauenfelderstrasse zurück.

Klappentext: Wer nebst Lädele und Spazieren durch die Altstadt sich eine Pause gönnen will, der findet eine grosse Anzahl an Cafés im Stadtzentrum. Vor allem für Bücherwürme zu empfehlen ist die Buchhandlung an der Rathhausstrasse. In Katharina Alders Klappentext kann man nicht nur Bücher kaufen, sondern auch genüsslich schmöckern. Täglich bietet das Klappentext-Team selbstgemachte Kuchen an. Ein paar Tische und Sessel laden zum gemütlichen Lesen und Käffele ein – denn es ist explizit so gedacht, sich durch die Bücher zu stöbern, um das Richtige zu finden.

Café Famos: Für Kaffee-Liebhaberinnen und -Liebhaber ist das Café Famos zu empfehlen. Mit einer modernen Maschine und drei Mühlen bereitet das Servicepersonal verschiedenste Kaffeespezialitäten zu. Dabei ist das Timing wichtig. Denn die Bohne muss so gemahlen werden, dass der Kaffee in 20 Sekunden durchfliesst. Dazu gibt es im gemütlichen Beizli Selbstgemachtes an Kuchen und sonstigen Desserts.

19:00 Uhr
Sabrina Bornhauser hat den Gasthof mit langer Familientradition übernommen und fungiert als Chefköchin.

Sabrina Bornhauser hat den Gasthof mit langer Familientradition übernommen und fungiert als Chefköchin.

Bild: Andrea Stalder

Eigenhof und Eisenbahn: Auch beim Znacht geht in der Gourmetstadt niemand leer aus. Gerade im Herbst zu empfehlen ist für Wildliebhaber das Gasthaus zur Eisenbahn. Chefkoch Reto Lüchinger bereitet ein Rotkraut der Extraklasse zu, aber auch Wildterrine und Fleischspezialitäten vom Reh bis Wildschwein sind auf der Karte zu finden. Im «Eigenhof» zaubert dafür Chefköchin Sabrina Bornhauser gutbürgerliche Spezialitäten wie das Pouletbrüstli Thurgauer Art mit Apfelweinrahmsauce auf den Teller.

22:00 Uhr

Jack's Café: Obwohl die Nächte in Weinfelden meist nur zur Wega lang und ereignisreich sind, finden Nachteulen im «Jack's» den idealen Ort für einen Absacker. Mit der «Nachbar» und dem «Duffy's» sind an einem Ort gleich drei Bars vereint und es ist für jeden Geschmack etwas dabei. Die zentrale Lage direkt am Bahnhof ist sicher von Vorteil, auch um den Heimweg per Zug anzutreten.

Wer es kleiner oder ruhiger mag, der kann das Nelson Pub an der Frauenfelderstrasse oder die «Lauerbar» im Thurgauerhof aufsuchen. Weinkenner kehren vielleicht lieber in der «Felsenburg» ein, dort gibt es auch erlesen Grappas.

Shuffleboard: Für alle Neugierigen ist ein Besuch im Shuffleboard-Clubhaus empfohlen. An der Rathausstrasse direkt hinter dem Gebäude von Coiffeur Pierre liegt das Clubhaus etwas versteckt, bietet jedoch eine interessante Sportart und einen Kühlschrank mit Getränken. Shuffleboard ist vor allem in den skandinavischen Ländern oder in England ein sehr beliebter Sport. Übersetzen lässt es sich mit Tischcurling. Da man diese Sportart nicht trainieren kann, sind wirklich alle dafür gemacht, diese Sportart auszuprobieren. Das Clubhaus kann auf Anfrage gemietet werden. Infos dazu gibt es auf der Website.

PS: Unter der Woche fährt der letzte Zug in Richtung Frauenfeld um 00.02 Uhr. Die gleiche Abfahrtszeit hat der letzte Zug Richtung Wil – alle. Die S10 Richtung Romanshorn fährt zuletzt um 1.24 Uhr. Richtung Konstanz fährt die S14 zuletzt um 1.06 Uhr.