Schönenberg
Zwei Urgesteine treten ab

Uschi Kessler und Hans Stark sind die dienstältesten Gemeinderäte von Kradolf-Schönenberg. Beide haben sich entschlossen, bei den Gesamterneuerungswahlen 2023 nicht mehr anzutreten.

Hannelore Bruderer
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Zusammen sind Hans Stark und Uschi Kessler schon seit 29 Jahren als Gemeinderäte in Kradolf-Schönenberg tätig.

Zusammen sind Hans Stark und Uschi Kessler schon seit 29 Jahren als Gemeinderäte in Kradolf-Schönenberg tätig.

Bild: Hannelore Bruderer

Uschi Kessler trat ihr Amt als parteilose Gemeinderätin am 6. Juni 2004 an und ist seither für das Ressort Soziales und Gesundheit zuständig. Hans Stark (SVP) stiess am 20. März 2011 zum Gemeinderat und ist für die öffentliche Sicherheit und den Verkehr in der Gemeinde verantwortlich. Amtsmüde fühlen sich beide nicht, dennoch denken sie, dass die Zeit gekommen ist, um ihre Ämter weiterzureichen.

«Das grosse Vertrauen der Bevölkerung in meine Person ist ein Privileg, das ich zu schätzen weiss», sagt Uschi Kessler. Dieses Vertrauen schlug sich auch in ihren guten Wahlergebnissen nieder. Bei ihrer Arbeit im Bereich Soziales trifft die Gemeinderätin immer wieder auf Personen, die sich in schwierigen Lebensumständen befinden. «Das geht einem manchmal schon nah. Es war aber nie so, dass ich dachte, jetzt höre ich auf. Ich kann mich gut abgrenzen. Dabei hilft mir mein gutes Umfeld», sagt sie. Blicke sie zurück, so könne sie sagen, dass sie alles erreicht habe, was sie sich vorgenommen hatte. Das liege zu einem Teil auch an ihrer Sturheit, die sie beim Verfolgen ihrer Ziele an den Tag legen könne, lacht die 66-Jährige.

Bekannt für kritisches Hinterfragen

Bei ihren Amtskolleginnen und -kollegen ist sie auch dafür bekannt, dass sie Sachen kritisch hinterfragt und den Dingen auf den Grund geht. «Bei der Arbeit im Gemeinderat ist man dauernd am Lernen, man muss sich weiterbilden und in unbekannte Themen einlesen, um sich für die Sitzungen vorzubereiten.» Als Delegierte und Vorstandsmitglied ist Uschi Kessler in rund zehn Institutionen vertreten. Fragt man sie nach ihren grössten Erfolgen, so wird es schwierig. In den bald zwei Jahrzehnten ihrer Amtszeit hat sie vieles erreicht. Unter anderem sind unter ihrer Leitung der Anlass für Neupensionierte und der Seniorenstammtisch entstanden und im April wird in Kradolf erstmals ein Markt durchgeführt. «Was man nie vergessen darf, ist, dass man Projekte nie allein, sondern immer als Teil eines Teams durchführt», erklärt Kessler. Ebenso wichtig sei die gute Zusammenarbeit mit der Verwaltung.

Wahlen

Die Stimmberechtigten in Kradolf-Schönenberg werden bereits am 3. Juli 2022 ein erstes Mal an die Urne gebeten. Dann findet die Ersatzwahl für die zurücktretende Gemeinderätin Andrea Müller-Richner statt. Der 1. Wahlgang für die Gesamterneuerungswahlen der Gemeindebehörde für die Legislatur 2023–2027 ist auf den 12. März 2023 angesetzt, der 2. Wahlgang auf den 16. April 2023. Interessierte wenden sich an die Findungskommission unter der Leitung von Jürg Köchli aus Neukirch an der Thur. (hab)

Der respektvolle Umgang im Gemeinderat ist auch für Hans Stark wichtig. «Das macht viel aus», ist er überzeugt. Stark stammt aus einer politisch engagierten Familie. Er sei aber relativ spät in die Politik eingestiegen, sagt der Gemeinde- und Kantonsrat. Als einprägsamstes Ereignis seiner Gemeinderatstätigkeit nennt er das Unwetter im Sommer 2015. «Das Unwetter traf uns mit voller Wucht und löste eine Reihe von Massnahmen aus, die bis heute andauern», sagt er. In seinem Ressort Sicherheit und Verkehr, zu dem auch die Feuerwehr gehört, ist immer wieder mit Unvorhersehbarem zu rechnen. So wirbelt auch einmal eine unterspülte Strasse die bereits budgetierten Strassensanierungspläne durcheinander.

Ansprüche sind in den letzten Jahren gestiegen

Eine positive Grundeinstellung, Beharrlichkeit und Geduld würden in solchen Situationen helfen, meint der 65-Jährige. «Ab und zu täte auch etwas mehr Lob gut, aber es liegt nun einmal in der Natur des Menschen, eher Kritik als Anerkennung zu äussern», sagt er achselzuckend. Aufgefallen ist ihm auch, dass die Anforderungen in den letzten Jahren in vielen Bereichen gestiegen sind. Als Beispiel nennt er die Ausrüstung der Feuerwehr oder die Sicherheit im öffentlichen Raum. «Meine Aufgabe ist es, diese Bedürfnisse im Gemeinderat zu vertreten. Nicht alles, was gewünscht wird, lässt sich realisieren, denn vieles ist mit sehr hohen Kosten verbunden.» Was sich bewährt habe, seien die Patrouillen der Sicherheitsdienste, sagt Hans Stark. Denn wie in anderen Gemeinden ist Vandalismus auch in Kradolf-Schönenberg ein Thema. Während die Herausforderungen durch die Pandemie noch nachhallen, rückt durch die jüngsten Ereignisse im Weltgeschehen die Landesverteidigung wieder vermehrt ins Zentrum. Auch da ist Hans Stark als Quartiermeister für die Militärunterkünfte in der Gemeinde gefordert.