Satter Gewinn
Fast drei Millionen im Plus: Die Stadt Amriswil lag mit ihrem Budget für das Jahr 2021 zünftig daneben

Die Rechnung 2021 der Stadt Amriswil schliesst 4,6 Millionen Franken besser ab, als man im Herbst 2020 annahm.

Manuel Nagel
Drucken
Finanzverwalterin Sandra Spitzli und Stadtpräsident Gabriel Macedo präsentieren Amriswils Rechnung 2021 mit einem Plus von beinahe drei Millionen und erklären die riesige Differenz zum Budget.

Finanzverwalterin Sandra Spitzli und Stadtpräsident Gabriel Macedo präsentieren Amriswils Rechnung 2021 mit einem Plus von beinahe drei Millionen und erklären die riesige Differenz zum Budget.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 13. April 2022)

Rückblende 1, November 2019: «Das Ziel muss sein, mit dem Budget möglichst nahe an die Realität heranzukommen», verkündete Stadtpräsident Gabriel Macedo (FDP), als er gerade mal ein halbes Jahr im Amt war und sein erstes Budget präsentierte. Zu dieser Aussage gab es eine Vorgeschichte, denn es hatte sich eingebürgert, dass die Stadt Amriswil die letzte Dekade stets im Herbst einen Verlust budgetierte. Für die zehn Jahre 2010 bis 2019 lag dieser bei kumuliert 6,6 Millionen Franken.

Doch im Frühjahr, welch Segen, lag die Rechnung quasi immer im Plus. Auf die neun Rechnungsjahre 2010 bis 2018 waren das kumuliert ziemlich genau acht Millionen Franken Überschuss. Insbesondere die Amriswiler FDP kritisierte diese Praxis des unrealistischen Budgetierens. Am eklatantesten war es im April 2019, als der scheidende SVP-Stadtpräsident Martin Salvisberg statt 631600 Franken Verlust ein Plus von über 2,7 Millionen für Amriswils Stadtkasse verbuchen konnte. Sage und schreibe ganze 3,34 Millionen lag man neben dem Budget.

APZ und ASA sind im Plus

Das Alters- und Pflegezentrum (APZ) schliesst 2021 mit einem Aufwand von 13'565'972 Franken bei einem Ertrag von 13'599'346 Franken. Das Plus fällt somit deutlich kleiner aus als die budgetierten 170'000 Franken, was auch mit diversen Coronaschutzmassnahmen zusammenhängt. Bei der Alterssiedlung Amriswil (ASA) steht einem Aufwand von 1'069'121 Franken ein Ertrag von 1'307'954 Franken gegenüber. Der Gewinn bei den Alterswohnungen fällt somit noch leicht höher aus als die budgetierten 199'000 Franken. (man)

Rückblende 2, November 2020: Stadtpräsident Macedo präsentiert fürs Jahr 2021 einen Rückschlag von rekordverdächtigen 1715150 Franken und spricht gar von einem «langweiligen Budget». Eineinhalb Jahre später ist nun klar: Das vergangene Rechnungsjahr war alles andere als langweilig und tatsächlich ein Rekordjahr – jedoch auf die andere Seite. Die Stadt Amriswil schliesst ab mit einem Gewinn von 2891537 Franken. Das sind mehr als 4,6 Millionen Unterschied.

An der Parteien- und Medienorientierung im Stadthaus sind auch Martin Rickenbach (FDP). Claude Brunner (SVP), Markus Mendelin (SP) sowie Benno Schildknecht (CVP) zugegen.

An der Parteien- und Medienorientierung im Stadthaus sind auch Martin Rickenbach (FDP). Claude Brunner (SVP), Markus Mendelin (SP) sowie Benno Schildknecht (CVP) zugegen.

Bild: Manuel Nagel (Amriswil, 13. April 2022)

Rekordergebnis bei Firmensteuern, aber immer noch zu wenig im Vergleich

Das ruft natürlich nach einer Erklärung, die Finanzverwalterin Sandra Spitzli (seit April 2021 im Amt) und Stadtpräsident Macedo zu geben versuchen. Die grösste Abweichung zeigt sich bei den Steuereinnahmen von den juristischen Personen – also von den Firmen. Da sind es statt der budgetierten 1,6 Millionen rund 2,8 Millionen. Dennoch ist trotz dieser höchsten Gemeindesteuereinnahmen in der Geschichte der Stadt (16,7 Millionen) der Anteil der juristischen Personen nur knapp über 13 Prozent, was im Vergleich zu anderen Gemeinden immer noch zu wenig sei, sagt Gabriel Macedo.

Bei den Steuern der natürlichen Personen hat man aber das Ziel von 13,2 Millionen um rund 266000 Franken nicht erreicht.

Noch vor einem Jahr war es genau anders. Man budgetierte bei den Steuern rund eine Million zu viel. Diesmal sei man dafür etwas vorsichtiger gewesen, erklärte Macedo – «und nun erzielen wir ein Rekordergebnis.»

Budgetziel für das Jahr 2022 beinahe jetzt schon erreicht

Ebenfalls durch die Decke geschossen sind die Grundstückgewinnsteuern. Statt 650000 Franken war es fast doppelt so viel. Auch im aktuellen Jahr hält dieser Trend an. Die wiederum budgetierten 650000 Franken habe man bereits nach dem ersten Quartal beinahe erreicht, sagt Sandra Spitzli.

Amriswils Finanzverwalterin Sandra Spitzli ist seit April 2021 im Amt.

Amriswils Finanzverwalterin Sandra Spitzli ist seit April 2021 im Amt.

Bild: Manuel Nagel (13. April 2022)

Weitere nicht zu erwartende Mehreinnahmen gab es beim kantonalen Finanzausgleich mit 400000 Franken, einem Landverkauf in derselben Höhe, und die Finanzverwalterin sagt mit einem Lachen:

«Wir durften auch noch 360000 Franken erben.»

Zählt man all diese Posten zusammen, so sind das bereits rund drei Millionen mehr als eingeplant. Dass man mehr Geld vom Finanzausgleich erhielt, habe mit der 2020 gesunkenen Steuerkraft pro Einwohner zu tun, erklärt Macedo. Diese brach im Vergleich zum Vorjahr mit 1874 Franken auf 1691 Franken ein und lag deutlich unter dem kantonalen Durchschnitt von 2162 Franken. Jedoch erholte sich der Wert im letzten Jahr wieder auf 1859 Franken.

Eine weitere Million besser unterwegs als gedacht war man ausserdem bei den Baubewilligungen (100000 Franken), bei den Personalkosten (200000 Franken) und nicht zuletzt bei den Prämienverbilligungen (315000 Franken) sowie bei der gesetzlichen wirtschaftlichen Hilfe (360000 Franken).

Eine Million als Vorfinanzierung für den geplanten Bushof

Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo.

Amriswils Stadtpräsident Gabriel Macedo.

Bild: Manuel Nagel (13. April 2022)

Eine leichte Entspannung gab es auch bei der Nettoverschuldung je Einwohner zu verzeichnen. Betrug diese Ende 2020 noch 2611 Franken, so sank der Wert Ende 2021 auf 2261 Franken. Die Nettoverschuldung der Stadt liegt aktuell bei rund 53 Millionen Franken. Mit den anstehenden Projekten wie Werkhof und Bushof/Bahnhofplatz wird diese Verschuldung sicher wieder zunehmen, doch Stadtpräsident Gabriel Macedo verrät auf Anfrage:

«Aktuell steht weder eine Erhöhung noch eine Senkung des Steuerfusses zur Debatte.»

Der Rechnungsüberschuss des Jahres 2021 soll mit rund 1,9 Millionen Franken dem Eigenkapital zugewiesen werden, und eine weitere Million soll in eine Vorfinanzierung für den Neubau des Bushofs fliessen.

Die Urnenabstimmung zur Rechnung der Stadt Amriswil ist am 15. Mai.