Neue Musik
Christoph Luchsinger spielt Trompete zwischen Radios und Büchern

Am Dienstag ist der in Weinfelden wohnhafte Musiker zu seiner «Noeise»-Tour gestartet. Er lockt die Bibliotheksbesucher in eine ganz spezielle Klangwelt.

Mario Testa
Drucken
Christoph Luchsinger spielt seine Trompete in der Regionalbibliothek Weinfelden.

Christoph Luchsinger spielt seine Trompete in der Regionalbibliothek Weinfelden.

Bild: Mario Testa

Es tönt ungewohnt in der Regionalbibliothek Weinfelden. Zum Geplauder der Kinder gesellt sich ein Geräuschteppich. Einerseits erklingt da immer wieder mal eine Trompete, mal gedämpft, mal offen, mal klagend, fragend, quirlig. Anderseits tönen Worte und weitere Geräusche aus einem der vielen Radios, die zwischen den Büchern im Regal stehen.

Die Bibliothek war am Dienstag Schauplatz der Premiere von Christoph Luchsingers Projekt «Noeise». Der Titel vereint die Worte «Neues» und «Noise», also Geräusch, in sich. Es ist der Titel einer dreiteiligen Staffel, mit welcher der Weinfelder Musiker in den kommenden Monaten auf Tournee geht. In der ersten Staffel verbindet Luchsinger Wort und Klang – übersetzt die Sprache in den Klang seiner Trompete. Neue Musik will er so den Menschen näher bringen.

Christoph Luchsinger.

Christoph Luchsinger.

Bild: Ralph Ribi

«Es ist nicht Beethoven, aber auch Musik», antwortet er auf die Frage, wo denn eine Geräusch-Performance aufhöre und Musik anfange.

«Musik ist ein sehr weites Feld, und da gehört auch eine Geräusch-Performances dazu.»

Er spiele mit seiner Trompete mal ruhig, mal gestresst, so wie es ihm eben die Stimmen aus dem Radio vorgeben.

Eintauchen in einen künstlichen Klangwald

Ein Konzert zum Zurücklehnen und Geniessen ist es nicht, das Christoph Luchsinger in Zusammenarbeit mit dem Künstlerduo Blablabor in der Bibliothek gibt. Viel mehr fordern die drei Künstler das Publikum mit dieser Art der Musik die Zuhörenden auf, etwas zu erleben, aufmerksam zu sein und zu entdecken.

«Wenn ich im Wald joggen gehe, hab ich nie Kopfhörer dabei. Ich will erleben und hören, was um mich passiert.» Und so sei es auch bei seiner ersten Staffel von «Noeise» – ein Eintauchen in einen künstlichen Klangwald sozusagen. Diesen erzeugen Christoph Luchsinger mit seiner Trompete und insgesamt 49 Radios, welche das Blablabor in der Bibliothek verteilt hat.

Abwechslung für die Bibliothekarinnen

«Es ist ruhiger als sonst hier bei uns in der Regionalbibliothek. Die Leute sind verhaltener», stellt Rahel Ilg überrascht fest. «Wir waren selber sehr gespannt, wie es rauskommt, wenn während des Bibliothek-Betriebs plötzlich noch Radios und Trompetenklänge ertönen», sagt die Leiterin der Bibliothek. «Aber ich mag solche Performances und bin offen für moderne Kunst.»

Unzählige Radios stehen in der Regionalbibliothek für die abendliche Performance bereit.

Unzählige Radios stehen in der Regionalbibliothek für die abendliche Performance bereit.

Bild: Mario Testa

Es ist für Ilg nicht das erste Mal, dass sie mit der Regionalbibliothek eine Plattform für Kunst bietet. Wir hatten auch schon Konzerte oder szenische Lesungen hier. «Aber in diesem Stil ist es etwas Neues. Mir gefällt's, meiner Kollegin etwas weniger – sie hört lieber das übliche Kindergeplapper.»

Konzertreihe

Mit seiner ersten Staffel «Interaktion#1: Wort.Klang.» aus seinem Programm «Noeise» gastiert Christoph Luchsinger am Donnerstag, 13. Januar, noch in der Büecherbrugg Kreuzlingen, am 26. Januar in der Stadtbibliothek Arbon und am 27. Januar im Literaturhaus Gottlieben. Mit den beiden weiteren Staffeln tourt er dann im April, Mai und Juni durch den Thurgau. Hervorgegangen ist die Idee zu «Noeise» aus der Wettbewerbsausschreibung Kosmos Musik Thurgau des Kantons, die Christoph Luchsinger für sich entschieden hat.