Museumssonntag
«Manchmal fror in der Festhütte sogar die Farbe ein», erzählt einer der Gründer der Amriswiler Fasnachtsorganisation Mu-Fu

Im Ortsmuseum Amriswil ging es fasnächtlich zu und her. Gasterzähler war Jean-Pierre Leumann, Gründungsmitglied und Hauptinitiant der Fasnachtsorganisation Mu-Fu.

Yvonne Aldrovandi-Schläpfer
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Jean-Pierre Leumann, Gründungsmitglied und Hauptinitiant der Fasnachtsorganisation Mu-Fu, war Gasterzähler im Ortsmuseum Amriswil.

Jean-Pierre Leumann, Gründungsmitglied und Hauptinitiant der Fasnachtsorganisation Mu-Fu, war Gasterzähler im Ortsmuseum Amriswil.

Bild: Yvonne Aldrovandi

«Zum heutigen Fasnachtsthema gehört auch ein gehöriger Chlapf», sagte Ortsmuseumspräsident Rolf Hess, während er eine fasnächtliche Tischbombe platzen liess. Am Sonntagnachmittag war der Jean-Pierre Leumann Gasterzähler im Ortsmuseum Amriswil. Leumann war Gründungsmitglied und Hauptinitiant der Fasnachtsorganisation Mu-Fu. Er wusste viel Spannendes, aber auch Humorvolles, über die Anfänge und die Geschichte der Mu-Fu zu erzählen.

Bereits in den 50er-Jahren habe es in Amriswil weit herum bekannte Fasnachtsanlässe gegeben. «Schon damals gab es einen Fasnachtsumzug, und in den Restaurants Schwert, Schäfli und Marktplatz haben Maskenbälle stattgefunden», sagte der Gasterzähler. Der Ursprung der Amriswiler Fasnacht lag in der alten Festhütte, sagte Leumann. Schon als Knabe half er beim Bemalen und Dekorieren des Fasnachtswagens in der alten Festhütte mit. Kalt sei es dort gewesen – manchmal sei sogar die Farbe gefroren.

Die ersten Uniformen haben noch die Frauen genäht

Später habe dann die Musikgesellschaft, bei der Leumann Kassier war, die fasnächtlichen Anlässe in Amriswil organisiert. «Die ersten einheitlichen Fasnachtsuniformen haben noch unsere Frauen genäht.» Bald schon merkte man aber, dass diese Fasnachtsveranstaltungen für die Mitglieder der Musikgesellschaft gar nicht mehr zu bewältigen waren. Unterstützung gab es durch den Fussballclub.

Am 22. September 1977 wurde die Fasnachtsorganisation Mu-Fu gegründet – bestehend aus Vertretern der Musikgesellschaft und des Fussballclubs. «Am 11. 11. 1977 um 11.11 Uhr warendie Amriswiler Mu-Fu-Narren erstmals unterwegs und 1978 fand die erste Mu-Fu-Fasnacht mit einem einzigen grossen dekorierten Wagen statt.»

200 Kilogramm Konfetti für die Kinder

Jedes Jahr gab es den Mu-Fu-Ball, einen Umzug mit Guggenkonzert, den Seniorenball, den Gönnerball sowie den Kindermaskenball. «Dort ging es stets zu und her wie im hölzigen Himmel. Etwa 200 Kilogramm Konfetti verteilten wir jeweils an die Kinder», erzählte Jean-Pierre Leumann. Der erste Fasnachtsorden sei ihm nach etwa zehn Jahren Mu-Fu-Mitgliedschaft verliehen worden. Im 1983 habe die Mu-Fu einheitliche Kostüme anfertigen lassen. Rita Salvisberg sei dann 1998 als erste Frau ins Mu-Fu-Komitee aufgenommen worden – einige Zeit später wurde sie zur Obernärrin ernannt. Marlene Taumberger war dann zweite Frau im Komitee.

Im Jahr 2004 wurde die Fasnachtsorganisation Mu-Fu aufgelöst und die Mu-Fu-Narrengesellschaft Muggäfurz als Verein gegründet. Zum Schluss stimmte Leumann sein selbst getextetes Mu-Fu-Lied «Eusi Amriswiler» an – mit der bekannten Melodie von «Euse Bernhardiner».