Leichtathletik
Yasmin Giger und Co.: Eine Medaille im Sack und Perspektiven am Horizont

An den Schweizer Hallenmeisterschaften stehen die Thurgauer Yasmin Giger, Andri Oberholzer und Nick Rüegg alle auf dem Podest. Während sich Giger und Rüegg bereits auf die Sommersaison fokussieren, hat Oberholzer noch ein anderes Ziel vor Augen.

Jörg Greb aus Magglingen
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Yasmin Giger (links, hinter Siegerin Silke Lemmens) musste sich an den nationalen Indoor-Titelkämpfen in Magglingen im 400-m-Sprint nur knapp geschlagen geben.

Yasmin Giger (links, hinter Siegerin Silke Lemmens) musste sich an den nationalen Indoor-Titelkämpfen in Magglingen im 400-m-Sprint nur knapp geschlagen geben.

Jörg Oegerli/Freshfocus

Yasmin Giger brachte es nach ihrem 400-m-Rennen auf den Punkt: «Die Bessere gewann.» Die 22-jährige Romanshornerin sprach von ihrer Trainingskollegin im LC Zürich, Silke Lemmens, und von sich. Und die Bessere war am Wochenende in Magglingen Lemmens und nicht die in der Vergangenheit so erfolgreiche Thurgauerin.

Giger folgte aber mit einem Abstand von lediglich 24 Hundertstelsekunden und ebenfalls einer Klassezeit: 53,24. «Diese Zeit ist cool», sagte die Oberthurgauerin. Erst einmal, 2019 mit 53,01, war sie in der Halle mit einer noch besseren Zeit gestoppt worden. Sie sagt deshalb:

«Ich bin eine glückliche Zweitplatzierte.»

Giger sah sich und das Funktionieren in ihrer Trainingsgruppe bestätigt. «Auf dieser Zeit kann ich aufbauen», sagte sie, indem sie bereits in Richtung Sommersaison blickte. Lemmens pflichtete bei. Für eine aufbauende Dynamik scheint gesorgt – wobei sich Giger dann wieder primär auf ihre Paradedisziplin, die 400-m-Hürden, konzentrieren wird.

Hallen-WM: Oberholzer macht sich Hoffnung

Andri Oberholzer hatte seinen ersten grossen Hallenwettkampf 2022 zwei Wochen zuvor an den nationalen Mehrkampf-Meisterschaften. Der Thurgauer gewann den Siebenkampf. Am vergangenen Wochenende ergänzte er nun seine winterliche Ausbeute mit dem Gewinn der Silbermedaille im Hochsprung. 2,01 m übersprang Oberholzer, egalisierte damit seine persönliche Besthöhe und musste nur Loic Gasch (2,25 m) den Vortritt lassen. Als Fünfter im Stabhochsprung (4,90 m) und im Hürdensprint (8,15) unterstrich der 25-jährige Thurgauer gleich mehrfach seine aktuell starke Verfassung.

Siebenkampf-Meister Andri Oberholzer stellte auch in den Einzelwettkämpfen seine starke Form unter Beweis.

Siebenkampf-Meister Andri Oberholzer stellte auch in den Einzelwettkämpfen seine starke Form unter Beweis.

Jörg Oegerli/Freshfocus

Oberholzer lebt und trainiert am nationalen Leistungszentrum Nordwest unter Nationaltrainer Nicolas Gensch – unter anderem mit dem anderen Schweizer Toptalent Finley Gaio. Von «einem grandiosen Umfeld» spricht der Ostschweizer. Vor allem mit Gaio entwickle sich eine vielversprechende Dynamik: «Wir pushen uns gegenseitig, nicht zuletzt durch unsere gegenteiligen Stärken.» Und eine Perspektive bietet sich nach wie vor: die Teilnahme an der Hallen-WM. Als aktuelle Nummer sieben der Welt scheint die Aussicht auf einen der nur sechs Startplätze realistisch. Oberholzer sagt:

«Das wäre das Pünktchen auf dem i, wenn es aber nicht klappt, tankte ich in den letzten Wochen immerhin Moral für den Sommer.»

Der erst 20-jährige Nick Rüegg (Amriswil Athletics) sicherte sich in Magglingen Bronze im 60-m-Hürdensprint. Mit 7,99 Sekunden egalisierte er just jene Zeit vom Vorjahr, die ihm schon damals SM-Bronze sicherte. «Ein gutes, aber nicht optimales Rennen», befand er. Sein Aufbau zielt auf den Sommer. Seit November befindet er sich in der Spitzensport-RS und profitiert von der dortigen Förderung. Diese soll ihn auch längerfristig weiterbringen.

Olympionikin Andrina Hodel nur als Zuschauerin dabei

Im Hürdensprint Gold anvisiert hatte Rüeggs Klubkollege Brahian Peña. In Abwesenheit des Schweizer Rekordhalters Jason Joseph (kehrte eben erst von einem langen US-Aufenthalt zurück) peilte der 28-jährige Routinier nicht nur den Titel, sondern gleichzeitig die EM-Limite (7,72 Sekunden) an. Doch Peña schied im Halbfinal mit einer Zerrung aus. «Schade», sagte er, «ich hatte ein sehr gutes Gefühl.» Gold und Silber gingen so an die Mehrkämpfer Simon Ehammer und Finley Gaio, die mit 7,70 respektive 7,71 beide unter dem EM-Wert blieben.

Zwar in der Halle, aber nicht im Einsatz stand Stabspringerin Andrina Hodel. Die Olympiateilnehmerin hatte sich Ende Sommer den Fuss (Hallux) operieren lassen und verzichtet deshalb auf die Hallensaison. Ihr Optimismus aber ist zurückgekehrt: «Im Training läuft es wieder wirklich gut.»