Leichtathletik
«Ein solcher Winter ist ein Traum»: Wie der Thurgauer Mehrkämpfer Andri Oberholzer zu seinem WM-Glanzresultat kam

Der Thurgauer Siebenkämpfer Andri Oberholzer setzt an seiner ersten Hallen-WM der Elite mit Rang fünf ein unerwartet starkes Zeichen. Damit hat er seinen eigenen Ambitionen so richtig geweckt.

Jörg Greb
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Andri Oberholzer freut sich bei seiner WM-Premiere nach dem 60-m-Hürdensprint.

Andri Oberholzer freut sich bei seiner WM-Premiere nach dem 60-m-Hürdensprint.

Bild: Anthony Anex/Keystone (Belgrad, 19. März 2022)

Noch nie hatte sich Andri Oberholzer bei der Elite für internationale Meisterschaften qualifiziert. Und nun glückte dem 25-jährigen Leichtathleten aus Hefenhofen an den Hallen-Weltmeisterschaften in Belgrad im Siebenkampf Rang fünf. Ein Riesenerfolg, den der Thurgauer mit der entsprechenden Freude kommentiert: «Genial, ich war schon mehr als glücklich, mich überhaupt für diesen Anlass qualifiziert zu haben – und jetzt diese Platzierung und dieses Punktetotal!»

Oberholzer leistete bei seiner Premiere Grossartiges. In drei der sieben Disziplinen stellte er persönliche Bestleistungen auf: über 60 m (7,00 Sekunden), im Weitsprung (7,57 m) und im abschliessenden 1000-m-Lauf (2:43,61 Minuten). Naheliegend, dass ihm damit auch eine neue persönliche Siebenkampf-Bestmarke glückte: 6099 Punkte. Zum zweiten Mal nach der Schweizer Mehrkampf-Meisterschaft Mitte Februar (6041) übertraf das Aushängeschild von Amriswil-Athletics die nach wie vor für internationale Klasse zählende 6000er-Grenze. «Ich konnte nochmals einen draufsetzen», freut er sich.

Sudoku-Duelle mit Simon Ehammer

Die Hallen-WM in Belgrad bereiteten Oberholzer wie schon die gesamte Indoor-Saison «unglaublich viel Freude». Er bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: «Ein solcher Winter ist ein Traum.» Und das Gesamtpaket der beiden Wettkampftage wird ihn prägen. «Wie eine tolle Familie» erlebte er das Zusammensein mit den elf weiteren nominierten Mehrkämpfern. «Wir hatten Spass», sagt Oberholzer und erkannte dabei hinter den grossen Namen nahbare und feinfühlige Menschen.

Einer davon war Landsmann Simon Ehammer, der Silbermedaillengewinner (6363 Punkte/Schweizer Rekord), Teamkollege und Zimmerpartner. «Wir haben uns auch in der Regenerationszeit und in der Freizeit gepusht», sagt Oberholzer zu den Momenten zwischen den Disziplinen und im Zimmer. Auf diverse Jass-Partien («einmal gewann er, dann wieder ich») und Sudoku-Zweikämpfe («hier war ich klar der Bessere») spielt er an.

Oberholzer sieht noch vielerorts Potenzial

Aus diesem WM-Exploit zieht Andri Oberholzer eine Riesenmenge an Energie und Motivation für den anstehenden Sommer. Er, der durch zahlreiche Verletzungen in seiner Entwicklung zum Teil massiv zurückgeworfen worden war, sieht sich nun auf einem vorgezeichneten Weg. In seiner Trainingsgruppe um Nationalcoach Nicola Gentsch fühlt er sich wohl. Das Umfeld passt ihm. Jetzt geht es darum, das im Winter Erarbeitete zu verfeinern und für den Zehnkampf im Sommer zu nutzen. Potenzial sieht der Thurgauer vielerorts. Etwa «im aktiveren Hineinspringen beim Stabhochsprung, einem rhythmischen Kurvenlauf im Hochsprung, der Schrittverlängerung beim Hürdensprint oder in der Kugelabgabe».

Klar ist, für Oberholzer sind die Europameisterschaften im August in München und allenfalls gar die Weltmeisterschaften im Juli in den USA das Thema. Auch punktemässig wird er sich an einer weiteren Barriere orientieren: der 8000er-Marke. Vorläufig noch steht er mit 7827 Punkten zu Buche, erzielt 2017, vor seinen Verletzungen.