Kreuzlingen
Sie brauchen 400 bemalte Eier und 30 Brote: So laufen die Planungen für ein orthodoxes Osterfest mit Geflüchteten aus der Ukraine

Das «Open Place» will den rund 200 Menschen, die vor dem Krieg in Osteuropa in der Stadt Kreuzlingen Zuflucht gefunden haben, ermöglichen, ihr traditionelles Osterfest zu feiern. Und zwar am 24. April in der Kirche Kurzrickenbach.

Inka Grabowsky
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Die Geflüchteten aus der Ukraine und die Aktivisten vom «Open Place» bereiten gemeinsam ein Fest in der Kirche Kurzrickenbach am orthodoxen Ostersonntag vor.

Die Geflüchteten aus der Ukraine und die Aktivisten vom «Open Place» bereiten gemeinsam ein Fest in der Kirche Kurzrickenbach am orthodoxen Ostersonntag vor.

Bild: Benjamin Arntzen

«Alles begann mit der Anregung von Agathu, dass die Geflüchteten Seelsorge brauchen könnten», erzählt Pfarrer Damian Brot.

«Um Seelsorge betreiben zu können, muss man sich kennen lernen. Und deshalb kamen wir auf die Idee, die Ukrainer einzuladen, mit uns ihr orthodoxes Osterfest zu feiern.»
Vlad Akhmeddulin verpasst Pfarrer Damian Brot ein wenig ukrainische Dekoration.

Vlad Akhmeddulin verpasst Pfarrer Damian Brot ein wenig ukrainische Dekoration.

Bild: Benjamin Arntzen

Prädestiniert dafür ist das «Open Place» der evangelischen Kirchgemeinde, denn es steht Menschen aller Glaubensrichtungen offen. Der orthodoxe Ostersonntag wird dieses Jahr am 24. April begangen. An diesem Nachmittag soll es in der Kirche Kurzrickenbach einen zweisprachigen ökumenischen Gottesdienst geben. Die orthodoxe Liturgie darf nur von geweihten Priestern durchgeführt werden, aber die Ostergeschichte vorlesen und Lieder singen, das dürfen auch Laien.

Chatgruppe der Ukrainer

Als Organisationskomitee für die Feier haben sich rund 20 Personen in der neuen Küche des «Open Place» zusammengefunden. Jeder und jede will gern etwas zum Gelingen beitragen. Vlad Akhmedulin sagt:

«Ostern ist eines der wichtigsten Feste in der Ukraine. Da gehen auch Menschen in die Kirche, die sonst nicht religiös sind.»

Das führt zu organisatorischen Fragen: Angenommen, es kämen alle der rund 200 Ukrainer, die in Kreuzlingen und Umgebung Zuflucht gesucht haben: Würden sie überhaupt in der Kirche Platz finden? Damian Brot muss passen: «Weihnachten war unsere Kirche sicher auch schon sehr voll. Man kann ja Stühle dazu stellen oder stehen.» Und auf keinen Fall möchte er jemanden abweisen. Aber etwas Planungssicherheit wäre schon schön. Also fragt die Organisatorin Katya Voropay zunächst mal in der ukrainischen Chatgruppe nach, wer mit in die Kirche möchte und wer sich mit dem geselligen Beisammensein in Anschluss an den Gottesdienst begnügt.

Wer macht was? Der Vorraum der neuen Küche im «Open Place» ist ein idealer Treffpunkt.

Wer macht was? Der Vorraum der neuen Küche im «Open Place» ist ein idealer Treffpunkt.

Bild: Benjamin Arntzen

Freiwillige fürs Eieranmalen

In Anbetracht des grossen Interesses ist der Gedanke an ein konventionelles Menu für das Fest schnell vom Tisch. «Wir brauchen Fingerfood, das man unkompliziert essen kann», sagt Damian Brot. Unverzichtbar ist das Osterbrot «Pasqua», das einem Panettone ähnelt. «Das backen wir selbst in zwei Gruppen in den Tagen zuvor», erzählt Katya Voropay. «Es ist schön, dass wir die grosse Küche im ‹Open Place› nutzen können. Wir haben aber auch noch einen zweiten Platz.» Dann beginnt sie zu planen. Ein Brot reicht für etwa sechs Personen. 30 Brote müssen also mindestens zusammenkommen.

«Rechnen wir mal für jeden Gast ein oder zwei Eier. Dann brauchen wir 400 Stück, die gekocht und bemalt werden müssen.»

Freiwillige für die Dekorationsaufgabe gibt es zuhauf. Ostereier zu bemalen, gehört zu den Traditionen, die Ukrainer von Kindheit an zelebrieren. «Und dann machen wir einen Wettkampf», erzählt Vlad Akhmedulin. «Wir schlagen die Eier aneinander, um zu sehen, welches die härtere Schale hat.» Er freut sich, dass Eiertütschen auch in der Schweiz praktiziert wird.

Das «Open Place» wäre dankbar für Geldspenden, um Getränke, Eier und Backzutaten für die gemeinsame Osterfeier am 24. April besorgen zu können.