Kreuzlingen
«Lang mi ah und dir gheied d'Hoor uus»: In der Doppelausstellung «Am Bach» trifft man nicht nur auf den Feuersalamander

Das Seemuseum und das Museum Rosenegg realisieren erstmals gemeinsam eine Doppelausstellung. «Am Bach» zeigt künstlerische Fotografien von Claudia Peyer und bringt grossen wie kleinen Gästen das Ökosystem Bach mit seinen Lebewesen näher.

Rahel Haag
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Christian Hunziker, Leiter des Seemuseums, Fotografin Claudia Peyer und Yvonne Istas, Leiterin des Museums Rosenegg, in der Ausstellung «Am Bach – die unbekannte Natur von nebenan».

Christian Hunziker, Leiter des Seemuseums, Fotografin Claudia Peyer und Yvonne Istas, Leiterin des Museums Rosenegg, in der Ausstellung «Am Bach – die unbekannte Natur von nebenan».

Bild: Rahel Haag

Sie fliessen mitten durch die Stadt und bringen es mit ihren Nebenläufen auf rund 20 Kilometer Länge. Die Rede ist von den drei Kreuzlinger Bächen – dem Chogen-, dem Sau- und dem Schoderbach. Ihnen widmen das Seemuseum und das Museum Rosenegg unter dem Titel «Am Bach» eine Doppelausstellung, die kommenden Freitag Vernissage feiert.

Fotografin Claudia Peyer mit einer ihrer Unterwasserkameras.

Fotografin Claudia Peyer mit einer ihrer Unterwasserkameras.

Bild: Rahel Haag

Ein wichtiger Bestandteil der beiden Ausstellungen bilden die Fotografien von Claudia Peyer. Drei Jahre lang hat die Fotografin über alle vier Jahreszeiten hinweg Impressionen von den kleinen Fliessgewässern eingefangen. Yvonne Istas, Leiterin des Museums Rosenegg, sagt dazu:

«Beim Betrachten wundert man sich, dass die Bilder nicht im Dschungel oder am Nordpol entstanden sind.»

Im Haus an der Bärenstrasse werden insgesamt 28 Bilder gezeigt, die sich auf eine künstlerisch-verspielte Art mit den eher unscheinbaren Kreuzlinger Bächen auseinandersetzen. Bei diesen habe sie unter anderem mit der Belichtung gespielt, sagt Peyer.

Die Arbeit beschreibt sie als Schlepperei und Plackerei, die viele blaue Flecken verursacht habe. Immerhin sei sie meist mit rund 20 Kilogramm Material unterwegs gewesen. Zudem habe sie sich auch bei eisiger Kälte in den Bach gelegt. Doch es habe sich gelohnt, sie habe Dinge entdeckt, die man nicht sehe, wenn man normal dem Bach entlang spaziere.

«Einmal habe ich fotografiert, wie eine Ringelnatter einen Frosch frisst. Klar, für den Frosch war das Pech, aber für mich war es ein tolles Erlebnis.»
Diese beiden Bilder von Claudia Peyer zeigen, wie eine Ringelnatter einen Frosch frisst. Sie sind im Seemuseum zu sehen.

Diese beiden Bilder von Claudia Peyer zeigen, wie eine Ringelnatter einen Frosch frisst. Sie sind im Seemuseum zu sehen.

Bild: Rahel Haag

Ein begehbares Bilderbuch mit Audioguide

Bilder wie diese sind im Seemuseum zu sehen, wo die Lebewesen, die im und am Bach leben, im Zentrum stehen. Christian Hunziker, Leiter des Seemuseums, beschreibt die Ausstellung als begehbares Bilderbuch. In fünf Kapiteln zu den Themen Quellen, Wachsen, Verschwinden, Auftauchen und Münden werde ein idealtypischer Bach in einem urbanen Umfeld gezeigt. Ergänzt werden die Bilder durch 16 Audiobeiträge, in denen unter anderem Fachleute zu Wort kommen.

«Ziel ist es, dass die Besucherinnen und Besucher einerseits in eine unbekannte Welt abtauchen, diese andererseits aber auch kennen lernen.»

Insgesamt dauert der Audiorundgang, den die Autorin Judith Zwick von der Theaterwerkstatt Gleis 5 gestaltet hat, rund eine Stunde. Im Ausstellungsraum laden mehrere Sitzsäcke zum bequemen Verweilen ein. Im Track Nummer 6 lernen die Zuhörerinnen und Zuhörer beispielsweise den Feuersalamander kennen. Dabei erfährt man nicht nur Wissenswertes wie die Tatsache, dass die gelb-schwarze Musterung bei jedem Tier einzigartig ist. In einer Art Hörspiel kommt der Feuersalamander selber zu Wort. In Mundart sagt er:

«Lang mi ah und dir gheied d'Hoor uus.»

Eine weibliche Stimme entgegnet, dass er aufhören solle mit dem Aberglauben, und warnt, dass man ihn ansonsten wieder als Wasservergifter an die Schornsteine und Kirchentüren nageln werde. Nebenspielplätze wie diese machen den Audioguide nicht nur für Erwachsene, sondern auch für Kinder interessant. Die Ausstellung funktioniere aber auch ohne, sagt Hunziker. «Es ist ein Experiment und wir hoffen, dass es gelingt.»

An einer Station im Seemuseum können die Besucherinnen und Besucher Wasserflohkrebse unter dem Mikroskop betrachten.

An einer Station im Seemuseum können die Besucherinnen und Besucher Wasserflohkrebse unter dem Mikroskop betrachten.

Bild: Rahel Haag

Hinweis: Die Doppelausstellung «Am Bach» feiert am 8. Oktober Vernissage. Die Ausstellung im Museum Rosenegg dauert bis am 2. Januar 2022, jene im Seemuseum bis am 18. April 2022.