Kreuzlingen
Jeden Tag ein Päckli: Der 47-jährige Beni Merk hat es sich zur Aufgabe gemacht, dass auch sozial Benachteiligte zu Weihnachten ein Geschenk bekommen

Vor drei Jahren hat der Kreuzlinger Beni Merk den umgekehrten Adventskalender auf die Beine gestellt. Hierfür sucht er Personen, die für sozial Benachteiligte 24 Geschenke zusammenstellen. In Zusammenarbeit mit Institutionen wie der Caritas oder Pro Juventute sorgt er dafür, dass die Pakete rechtzeitig zu Weihnachten ankommen.

Rahel Haag
Drucken
Beni Merk zwischen den umgekehrten Adventskalendern, die sich in seinem Wohnzimmer stapeln.

Beni Merk zwischen den umgekehrten Adventskalendern, die sich in seinem Wohnzimmer stapeln.

Bild: Michel Canonica

Mit sieben hat er vor vier Jahren angefangen, heute sind es 62. Die Rede ist von den umgekehrten Adventskalendern des Kreuzlingers Beni Merk.

Das Prinzip – Merk hat es einer österreichischen Hilfsorganisation abgeschaut – ist simpel: Statt, dass man im Advent jeden Tag ein Päckchen auspackt, packt man eines ein. Das grosse Paket, das am Ende 24 kleine Päckchen enthält, bekommt eine hilfsbedürftige Person zu Weihnachten. In den Päckchen finden sich Dinge wie haltbare Lebensmittel, Handschuhe, Kerzen oder Hygieneartikel. Merk, der mit seiner Frau das Konvikt der Pädagogischen Maturitätsschule leitet, sagt:

«Es war der Gedanke, etwas zu teilen, statt für sich anzuhäufen, den ich schön fand.»

So habe er sich kurzerhand entschieden, die Aktion in der Region Kreuzlingen auf die Beine zu stellen. Um mögliche Empfängerinnen und Empfänger für den umgekehrten Adventskalender zu finden, wandte sich Merk an Stellen wie das Sozialamt Kreuzlingen und die Caritas Weinfelden. «Ich habe ihnen die Idee vorgestellt und wollte wissen, ob das für sie machbar wäre.» Es war. Im zweiten Jahr waren es bereits knapp 60 Adressen, an die am Ende je ein grosses Paket geliefert wurde.

Ein 16-jähriger Jugendlicher und Töffli-Liebhaber

Zusammengestellt haben die umgekehrten Adventskalender zu Beginn vor allem Familienmitglieder, Bekannte und Freunde von Beni Merk. Das sei heute noch so, doch unterdessen machen auch Menschen mit, die er nicht kennt. Sie meldeten sich jeweils auf Merks Aufrufe über die Facebook-Gruppe «Umgekehrter Adventskalender Kreuzlingen». Insgesamt 62 Pakete werden dieses Jahr im Raum Kreuzlingen verteilt.

Wer den umgekehrten Adventskalender bekommt, wissen die Schenkenden nicht. Andersherum wissen die Beschenkten auch nicht, von wem das Paket kommt. Die Aktion ist anonym. Die umgekehrten Adventskalender werden mit einem Code – einer Kombination aus Buchstaben und einer Zahl – den Empfängerinnen und Empfängern zugeordnet. So sind die Pakete statt mit Namen beispielsweise mit «OP11» angeschrieben. Merk ergänzt:

«Um doch etwas gezielter Geschenke aussuchen zu können, erhalten die Schenkenden zwei bis drei Hinweise.»

Das seien Angaben wie beispielsweise Alter, Geschlecht und Vorlieben. Dann kann es heissen, dass die zu beschenkende Person eine 44-jährige Frau ist, die einen Hund hat. Oder, dass es sich um einen 16-jährigen Jugendlichen und Töffli-Liebhaber handelt.

Die Pakete türmen sich bei ihm zu Hause

Auf die Schicksale der Empfängerinnen und Empfänger angesprochen, sagt Merk, dass sie sehr divers seien. Oftmals handle es sich um Familien in schwierigen Situationen, viele von ihnen hätten wenig Geld, lebten am Existenzminimum. Auch Kinder und Jugendliche würden beschenkt. Der 47-Jährige sagt:

«Sie sind fremdplatziert, leben also im Heim. Dort wird zwar gut für sie gesorgt, aber sie werden zu Weihnachten wohl nicht von allen Seiten beschenkt.»

Von der Pro Senectute seien ihm dieses Jahr zudem einige ältere, vor allem einsame Personen vermittelt worden.

Für dieses Jahr hat Merk bereits für sämtliche Empfängerinnen und Empfänger eine Person gefunden, die einen umgekehrten Adventskalender zusammenstellt. Nun würden die grossen Pakete, eins ums andere, bei ihm zu Hause abgeliefert. Merk sagt:

«Wir haben dafür eine Ecke in unserem Wohnzimmer freigeräumt.»

Dort würden die Pakete nun aufgetürmt, bis sie Mitte nächster Woche verteilt werden, damit sie rechtzeitig zu Weihnachten bei den Empfängerinnen und Empfängern ankommen.

Warum Spaghetti und Tomatensauce?

Auch Merk stellt mit seiner Frau und seinen drei Kindern jedes Jahr einen umgekehrten Adventskalender zusammen. Das sei für ihn jeweils eine gute Gelegenheit, mit ihnen darüber zu sprechen, dass es anderen weniger gut geht als ihnen selbst. Er sagt:

«Die Kinder fragen dann vielleicht nach, warum wir denn Spaghetti und Tomatensauce einpacken.»

Für sie seien diese Dinge banal und selbstverständlich. In solchen Momenten könne er ihnen – «ohne als Moralapostel aufzutreten» –erklären, dass das eben nicht für alle Menschen so ist.