Konzert
Harmonisch auch ohne Dirigent: Die Camerata Aperta spielte in Weinfelden

Am Samstag gastierte das Streicherkollektiv Camerata Aperta im Rathaussaal Weinfelden. Im Mittelpunkt standen auch die beiden Solistinnen an Harfe und Violine. Als Zugabe spielte das Orchester ein Stück zum gackernden Rebhuhn.

Monika Wick
Drucken
Solistin Susanne Saksenvik an der Violine, begleitet von der Camerata Aperta im Weinfelder Rathaussaal.

Solistin Susanne Saksenvik an der Violine, begleitet von der Camerata Aperta im Weinfelder Rathaussaal.

Bild: Sabrina Bächi

«Funktioniert das überhaupt?» oder «Wie wird das klingen?» sind Fragen, die sich einige Besucher vor dem Konzert des Streicherkollektivs Camerata Aperta gestellt haben dürften, denn das Ensemble verfügt über keinen Dirigenten, der für ein koordiniertes, harmonisches Zusammenspiel sorgt. «Ja, es funktioniert – und es klingt gut», ist das Fazit, das sich schon nach kurzer Zeit ziehen lässt.

Zu Beginn erklärt Johannes Herzog, der das Streicherkollektiv zusammen mit Katharina Alder und Elisabeth Forster gegründet hat, dass gewissermassen jeder der 15 Musiker als Dirigent fungiert und ein Mitspracherecht geniesst. Während der Vorträge lässt sich beobachten, dass die Berufsmusiker mit Blicken kommunizieren und aufeinander achten. «Wir sind eine bunte, internationale Gruppe, die grossen Wert auf Dialoge und gute Zusammenarbeit legt. Werte, die aktuell mit Füssen getreten werden», sagt Johannes Herzog in Bezug auf den Krieg in der Ukraine.

Dank der mitreissenden Vorträge von Camerata Aperta rücken die Konflikte in Nahen Osten – zumindest für eine kurze Zeit – etwas in den Hintergrund. Mit viel Leidenschaft erwecken sie Werke von Claude Debussy, Johann Strauss Sohn, Gustav Mahler oder Ciprian Porumbescu zum Leben. Für zusätzlichen Hörgenuss sorgen die Solistinnen Marika Riedl an der Harfe und Susanne Saksenvik mit ihrer Geige, die ihren Instrumenten sehnsüchtige, weinerliche, klagende, aber auch jubelnde und lachende Laute entlocken.

An der Harfe solierte Marika Riedl.

An der Harfe solierte Marika Riedl.

Bild: Monika Wick

Das Publikum fordert eine Zugabe

Zwischen den einzelnen Vorträgen liest Katharina Alder passende Passagen aus verschiedensten literarischen Werken vor. Für einen würdigen Rahmen sorgt der Saal des Rathauses, der dem Ganzen zusätzlichen Glanz verleiht. Nach besonders ergreifenden Vorträgen ist es im Saal so leise, dass man die sprichwörtliche Stecknadel hören würde, die zu Boden fällt, und sich das Publikum kaum getraut, zu applaudieren. Das holt es aber am Ende des Konzertes nach und fordert so eine Zugabe. «Wir spielen noch eins. Es geht um ein Rebhuhn», erklärt Johannes Herzog schmunzelnd.

Doris und Walter Keller haben es sehr genossen, nach der Aufhebung der Coronamassnahmen wieder einmal ein Konzert zu besuchen. «Wir haben Konzertbesuche sehr vermisst – umso mehr freut es uns, ein so schönes zu erleben», sagt das Ehepaar aus Weinfelden. Wieder konzertieren zu dürfen, dürfte auch die Musiker von Camerata Aperta freuen. «Kurz nach unserer Gründung vor zwei Jahren wurden wir quasi in den Winterschlaf versetzt», erklärt Johannes Herzog.

Ganz in ihrem Element: Solistin Susanne Saksenvik.

Ganz in ihrem Element: Solistin Susanne Saksenvik.

Bild: Monika Wick