Kommentar
Politisches Kalkül: Viel Auswahl haben die Weinfelderinnen und Weinfelder bei den Ersatzwahlen nicht

In Weinfelden stehen Ersatzwahlen an. Bis auf die FDP portiert jedoch keine Partei einen Kandidaten. Warum das nicht nur gut ist und auch für die Liberalen kein Garant auf einen Sitz in der Exekutive.

Sabrina Bächi
Sabrina Bächi
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Für die Ersatzwahlen im Mai haben die Weinfelderinnen und Weinfelder keine Auswahl.

Für die Ersatzwahlen im Mai haben die Weinfelderinnen und Weinfelder keine Auswahl.

Bild: Mario Testa

Die Wahl bei einer Wahl zu haben, ist in einer Demokratie die ideale Ausgangslage. In Weinfelden fällt eine mögliche Auswahl bei den Ersatzwahlen im Mai offenbar zwei Gründen zum Opfer: Zum einen überwiegt wohl das Bedürfnis nach politischer Harmonie. Weder die SVP noch die Mitte stellen den Anspruch der FDP in Frage. Zum anderen steckt der aufmüpfige links-grüne Flügel offenbar in personellen Nöten. Die SP ist mit der Verteidigung ihres Sitzes beschäftigt und die GP und GLP haben selbst keine Auswahl zu bieten.

Hinter dem Rücktritt von FDP-Stadtrat Thomas Bornhauser – nur ein halbes Jahr vor den Gesamterneuerungswahlen im Herbst – steckt trotz aller Dementi politisches Kalkül. Zu gut weiss Bornhauser, wie der Hase läuft. Die Liberalen können nämlich nicht darauf vertrauen, dass man bei der Wahl im Herbst gleich zwei Stadtratssitze auf einmal verteidigen kann.

Man könnte den Liberalen Salamitaktik vorwerfen. Aber auch wenn die Ausgangslage für Martin Brenner als mutmasslich einziger Kandidat für die Ersatzwahl formidabel ist – in trockenen Tüchern ist der Sitz noch nicht. Das Vorgehen ist nicht ohne Risiko, denn auch eine parteilose Person könnte sich zur Wahl stellen. Nicht zu unterschätzen ist auch, dass Brenner kurz nach der Wahl erneut Wahlkampf betreiben muss. Immerhin: der Vorteil als Bisheriger wäre auf seiner Seite.