Haustiere
Schritt für Schritt das verletzte Haustier erstversorgen – Tägerwiler Firma entwickelt Erste-Hilfe-System für Hunde und Katzen

Auch Haustiere benötigen im Notfall Erste Hilfe. Damit Besitzer wissen, was zu tun ist, hat das in Tägerwilen ansässige Unternehmen Innotas in Kooperation mit VetTrust ein Erste-Hilfe-System für Hunde und Katzen entwickelt. In diesem Zusammenhang entstand auch ein Projekt für einen Tiernotruf.

Julia Christiane Hanauer
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Verbandskästchen und eine App helfen bei der Verarztung der Haustiere.

Verbandskästchen und eine App helfen bei der Verarztung der Haustiere.

Bild: PD

112 – diese Notrufnummer ist international für Notfälle beim Menschen bekannt. Doch für Tiere gab es bisher nicht einmal eine einheitliche nationale Notrufnummer. Überhaupt: Erste Hilfe am Haustier?

Auch Dominic Dussault, CTO bei dem Tägerwiler Start-up-Unternehmen Innotas, stellte eines Tages fest, dass er nicht wusste, was er im Notfall mit seinem Hund machen sollte – ausser zum Tierarzt zu gehen. Und so entstand die Idee zu PocDoc Pet Connect.

Dominic Dussault,Innotas, Tägerwilen.

Dominic Dussault,
Innotas, Tägerwilen.

Bild: PD

Dass sich das 2018 gegründete Unternehmen mit Vierbeinern befasst, ist ein Novum – eigentlich ist es auf Produkte für die Humanmedizin spezialisiert. Daher rührte dann auch die Idee: Innotas hatte bereits ein Erste-Hilfe-System für Menschen entwickelt und baute dieses Produkt nun für den tierischen Notfall aus. Denn die Vermutung, dass auch andere Haustierbesitzer nicht wüssten, wie Erste Hilfe beim Vierbeiner geht, sei durch eine Umfrage mit rund 200 Probanden bestätigt worden, sagt Dussault.

Set mit Verbandsmaterial

In Kooperation mit VetTrust, einer Gruppe von Tierärzten und -kliniken, entstand dann PocDoc Pet Connect für Hunde und Katzen. Es umfasst mehrere Komponenten: ein Erste-Hilfe-Set – das Verbandsmaterial entspricht dem für Menschen, so muss beispielsweise bei Wanderungen nicht noch ein zusätzliches mitgenommen werden – und eine App. «Sie führt durch den Erste-Hilfe-Prozess», erläutert Dussault. Anhand verschiedener Fragen werde ermittelt, um welchen Notfall es sich handle. Anschliessend gebe die App Schritt für Schritt vor, was getan werden und welches Material aus dem Erste-Hilfe-Set verwendet werden müsse.

Das Erste-Hilfe-Set dient etwa als Begleiter auf Wanderungen.

Das Erste-Hilfe-Set dient etwa als Begleiter auf Wanderungen.

Bild: PD

Hotline für Tiernotfalle

Die App ist zudem angebunden an den in diesem Zusammenhang ebenfalls ins Leben gerufenen Tiernotruf, eine 24/7-Hotline für medizinische Notfälle bei Tieren, die schweizweit etabliert werden soll – und auch ohne App telefonisch erreichbar ist. Tierunfall- und Notfallsanitäter geben eine erste Einschätzung. «Damit können wir eine Alternative zur Fahrt zum Tierarzt oder in die Klinik anbieten und die erste Panik dämpfen», sagt Dominic Dussault. Zudem würden die oft überlaufenen Praxen entlastet. Ist es doch ein Notfall, bei dem das Tier von einem Arzt untersucht werden muss, verweisen die Sanitäter auch auf eine nächstgelegene Praxis oder Klinik, in die der Besitzer das verletzte Haustier bringen kann.

Das PocDoc Pet Connect wird durch VetTrust vertrieben und kann auch dort erworben werden.

Weitere Infos unter www.pocdoc.pet und www.vettrust.ch

Die Nummer des Tiernotrufs

Bisher gibt es keine einheitliche nationale Notrufnummer für Haustiere, lediglich einzelne Regionen waren durch VetTrust mit einem Notruf abgedeckt. «Im Zuge der PocDoc-Pet-Connect-Realisierung ist das Ziel entstanden, eine einheitliche, schweizweite (vorerst Deutschschweiz) Notrufnummer zu schaffen», sagt Dominic Dussault. Die Nummer lautet 0800 111 114. Der Tiernotruf wird von VetTrust, dem deutschen Tiernotruf sowie von Innotas gesponsert, damit sie dauerhaft kostenlos angeboten werden kann. Weitere Informationen zu diesem Projekt online unter www.tier-notruf.ch.