Güttingen
Nach 15 Jahren übergibt Ursula Rutishauser den Kochlöffel in neue Hände

14 Jahre war sie das Herz des offenen Mittagstisches Güttingen. Jetzt gibt Ursula Rutishauser den Kochlöffel in neue Hände: Annemarie Vogt tritt in ihre Fusstapfen. Das soziale Projekt soll ab diesem Monat vom «frischen Wind» profitieren.

Hana Mauder Wick
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Ursula Rutishauser und ihre Nachfolgerin Annemarie Vogt.

Ursula Rutishauser und ihre Nachfolgerin Annemarie Vogt.

Bild: Hana Mauder Wick

Ehrenämter sind der Kitt einer Gemeinschaft: 15 Jahre lang hat Ursula Rutishauser das soziale Projekt mit Herz und Seele ausgefüllt, 14 davon als Leiterin. Jetzt sei allerdings der richtige Zeitpunkt gekommen, den Stab – oder in diesem Fall den Kochlöffel – weiterzureichen. Rückblickend meint sie:

«Ich habe meine Aufgabe mit Herzblut erfüllt. An ihr bin ich gewachsen.»

«Jetzt ist Zeit für frischen Wind und eine neue Perspektive.» Mit Annemarie Vogt stehe die perfekte Nachfolgerin am Start.

An ihre Anfänge erinnert sich die heute 60-jährige zurückgetretene Leiterin noch genau. «Eines Tages klingelte es an meiner Haustür. Draussen stand eine Delegation vom offenen Mittagstisch und fragte, ob ich übernehmen wolle.» Ihr «Ja» kam schnell und von Herzen. Das Einmaleins ihrer Engagements lernte sie von der Pike auf und erfüllte weit mehr als nur das übliche Pflichtenheft. «Am Anfang kochte ich alles selbst», erinnert sie sich.

«Einige Gäste, die nicht gut zu Fuss waren, holte ich mit dem Auto ab.»

Dankbar lobt sie den Fleiss ihres Helferteams und des langjährigen «Chef de Cuisine» Roland Krapf: «13 Jahre war er dabei und übernahm mehr und mehr das Zepter in der Küche. Letztes Jahr ist er mit grossem Dank verabschiedet worden.»

Ein Treffpunkt seit fast einem Vierteljahrhundert

Ursula Rutishauser, langjährige Leiterin offener Mittagstisch.

Ursula Rutishauser, langjährige Leiterin offener Mittagstisch.

Bild: Hana Mauder Wick

Der offene Mittagstisch ist seit fast einem Vierteljahrhundert jeden ersten Mittwoch im Monat ein Treffpunkt für Menschen aus dem Dorf. Die Tische werden dafür im ersten Stock des evangelischen Kirchgemeindehauses gedeckt.

«Es ist wie eine kleine Familie. Essen in gemütlicher Runde, Plaudern und die Pflege von sozialen Kontakten.»

Das Angebot steht Personen aller Generationen und Konfessionen offen. Vor allem Senioren lassen sich hier gern bewirten. 15 Franken pro Kopf kostet heute das gemeinsame Essen inklusive Salat, Hauptgang, Kaffee und Dessert. «Wir müssen genau planen und kalkulieren, damit die Sache aufgeht.» Heute bereitet eine Catering-Firma das Essen zu. «Das macht vieles einfacher.»

Initiative des gemeinnützigen Frauenvereins

Der offene Mittagstisch startete 1998 mit einem Kapital von 400 Franken auf Initiative des gemeinnützigen Frauenvereins. Das achtköpfige Team bewirtet jeden ersten Mittwoch im Monat zwischen 20 und 25 Personen mit gesunder und regionaler Küche. Zweimal musste das Projekt in den letzten zwei Jahren wegen Corona pausieren. Aktuell gelten dieselben Regeln wie bei einem Restaurantbesuch. 2023 wird der offene Mittagstisch sein 25-Jahr-Jubiläum feiern. (mau)

Die vielseitigen Aufgaben wie Einkaufen, Abrechnung und Organisation liegen seit diesem Monat in neuen Händen: Annemarie Vogt ist im Dorf ein vertrautes Gesicht, bestens vernetzt und gut gerüstet:

«Ich wollte die Zukunft des sozialen Projektes sichern.»

Und sie sagt: «Es war für das Team nicht einfach, eine Nachfolge zu finden.» Reibungslose Organisation ist der 56-Jährigen bestens vertraut. «Auf mich warten neue Herausforderungen. Zum Beispiel stellt sich die Frage, wie es mit dem Umbau des Kirchgemeindehauses weitergehen wird.» Ein Kapitel schliesst sich, ein neues wird aufgeschlagen: Beide Frauen im Ehrenamt verbindet der Gedanke: «Soziales Engagement bringt Leben ins Dorf. Da darf man nicht die Stunden zählen.»

Annemarie Vogt deckt den Tisch im evangelischen Kirchgemeindehaus.

Annemarie Vogt deckt den Tisch im evangelischen Kirchgemeindehaus.

Bild: Hana Mauder Wick