Festungsgürtel
Sie bringen die alte Kriegs-Infrastruktur wieder auf Hochglanz

An verschiedenen Standorten standen am Wochenende 32 Mitglieder des Vereins Festungsgürtels Kreuzlingen im Einsatz.

Werner Lenzin
Drucken
Der Kreuzlinger Werner Ilg bereitet die Manipulier-Panzerfäuste 1990 für das Montieren in der Lengwiler Geschützhalle vor.

Der Kreuzlinger Werner Ilg bereitet die Manipulier-Panzerfäuste 1990 für das Montieren in der Lengwiler Geschützhalle vor.

(Bild: Werner Lenzin)

Ein kalter Samstagmorgen kündigt sich an. Die ersten Sonnenstrahlen fallen auf den Lengwiler Bahndamm-Bunker und die danebenstehende Geschützhalle. Eine Gruppe Männer, alles Mitglieder des Vereins Festungsgürtel Kreuzlingen, kleidet sich auf dem Parkplatz mit orangen Schutzkleidungen ein. Unter ihnen auch der 33-jährige gelernte Forstwart Marcel Hess. Er sagt:

«Ich bin erst seit zwei Wochen Mitglied dieses Vereins und fasziniert von den Anlagen, die er unterhält.»

Dann begibt er sich mit seinen Kameraden in den nahen Wald. Dort haben sie den Auftrag, den Zugang zum 12-cm-Festungsminenwerfer durch das Entfernen von Sturmholz zu verbessern.

Die Entwicklung der Panzerabwehrwaffen

In der Geschützhalle neben dem Bahndammbunker ist der 78-jährige Werner Ilg aus Kreuzlingen mit Reinigungsarbeiten beschäftigt, interessiert beobachtet von seinem zwölfjährigen Enkel Nicola. Ilg ist zwei Jahre nach der Gründung dem Verein beigetreten. Bis zu seiner Pensionierung war er Leiter der Ordnungsdienste, Feuerwehrkommandant und Zivilschutz-Chef bei der Stadt Kreuzlingen.

In der Halle wird die Entwicklung der Panzerabwehrwaffen von der «Tankbüchse 38» bis zum «Tow 28 Missile» gezeigt. Ilg ist damit beschäftigt, den Raum und die Waffen zu reinigen. Ergänzend montiert er zwei, neu von der Zentralstelle Historisches Armeematerial angelieferte Manipuliert-Panzerfäuste 1990. «Es macht mir Spass, mit Gleichgesinnten dafür zu sorgen, dass diese Zeugen des Krieges der Nachwelt erhalten bleiben und der heutigen Generation zu zeigen, was unsere Vorfahren im Zweiten Weltkrieg geleistet haben», sagt Ilg.

750 Vereinsmitglieder

Mit der «Armee 95» wurde die Grenzbrigade aufgelöst und gleichzeitig die Funktion der Bunker des Festungsgürtels Kreuzlingen aufgehoben. Auf Initiative des damaligen Chefs Archäologie, Jost Bürgi, kaufte der Kanton einen Grossteil dieser Bunker und verkaufte die meisten den sechs Gemeinden Bottighofen, Lengwil, Kreuzlingen, Tägerwilen, Ermatingen und Wäldi weiter. Deren Gemeindeammänner beschlossen, für den Unterhalt und die Organisation von Führungen den Verein «Festungsgürtel Kreuzlingen» zu gründen. Der Tägerwiler Gemeindepräsident Markus Thalmann leitete 2003 die Gründungsversammlung und der frühere Kreuzlinger Stadtammann Josef Bieri wurde zum ersten Präsidenten gewählt. Heute zählt der Verein 750 Mitglieder. (le.)

Der atomsichere Unterstand Oberstöcken

SVP-Kantonsrat Hermann Lei treffen wir in einer für ihn ungewohnten Montur bei Holzerarbeiten zusammen mit Schwinger Stefan Burkhalter und weiteren Kollegen. Hier gilt es, rund um den atomsicheren Richtstrahl-Unterstand beschädigte Bäume, denen der Befall durch den Borkenkäfer droht, zu fällen. Er sagt:

«Ich möchte die Erinnerung an den Wehrwillen pflegen, welchen frühere Generationen bekundet haben.»

An zwei weiteren Aussenstandorten wird gearbeitet und im Kommandoposten Weinfelden werden Archiv und Bibliothek auf Vordermann gebracht.