Ermatingen
Beklemmend aktuell: Das Kellertheater Breitenstein hat die Spielzeit mit dem Russen Fjodor Dostojewski begonnen

Das Theaterkeller Breitenstein in Ermatingen hat dem russischen Autor Fjodor Dostojewski einen Abend gewidmet. Der Germanist und Heiko Strech Autor mit Theaterausbildung präsentierte seine Hommage gemeinsam mit Berit Griebenow und Macha Soukenik.

Inka Grabowsky
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Eine Hommage an den Autor Fjodor Dostojewski mit Berit Griebenow, Macha Soukenik und Heiko Strech.

Eine Hommage an den Autor Fjodor Dostojewski mit Berit Griebenow, Macha Soukenik und Heiko Strech.

Bild: Inka Grabowsky

Die Coronamassnahmen sind kaum überstanden, und schon spiegelt sich die nächste Krise auf der kleinen Bühne in Ermatingen. Das Gastgeberpaar Jens und Margit Koemeda auf «Breitenstein» hatte schon vor Monaten Heiko Strech eingeladen, seine Hommage an Dostojewski zu präsentieren.

«Dass das so aktuell werden würde, hat niemand geahnt.»

Das sagt Margit Koemeda. Jens Koemeda hatte sich schlicht gefreut, einem Autor wieder zu begegnen, den er in seiner Schulzeit in Prag im Original hatte lesen müssen.

Nun wurde offenkundig, dass Fjodor Dostojewski vor über 140 Jahren einiges geschrieben hat, was heute nichts von seiner Gültigkeit verloren hat. Er war zum Tode verurteilt und schliesslich begnadigt ins Straflager geschickt worden, weil er aus einem Brief von Gogol zitiert hatte. Ein Spitzel hatte ihn wegen der Nähe zum revolutionären Dichter verraten.

Heiko Strech, der Germanist und Autor mit Theaterausbildung, weist zu Beginn des Vortrags explizit auf die Parallelen zum derzeitigen Geschehen hin: «Ich kann eigentlich von Berufs wegen gut reden, aber angesichts der Lage jetzt in Russland fehlen mir die Worte. Bei den Zaren, bei Lenin, Stalin und Putin ist das freie Wort in Russland immer wieder verboten worden. Aber Dostojewskis wegen, und wegen des anderen Russlands, das es auch gibt, will ich diesen Abend durchführen.»

Eine Hommage zum 200. Geburtstag

An Strechs Seite ist Berit Griebenow. Sie liest abwechselnd mit ihm Passagen aus Dostojewskis Werk und die Erklärungen des Literaturwissenschaftlers dazu. Für die passende Atmosphäre sorgt Macha Soukenik an der Gitarre. Das Publikum im gut besuchten Kellertheater ist beeindruckt.

Hommagen an Dichter sind Strechs Spezialität. Auf Dostojewski hatte er sich anlässlich dessen Geburtstag konzentriert, der sich im vergangenen November zum 200. Mal jährte.

«Ich habe ihn schon als Teenager geliebt, auch wenn ich nicht alles verstanden habe. Heute im Alter von 82 sehe ich manches anders.»

Auf «Breitenstein» wurde sein zum Leben erweckter Essay mutmasslich zum letzten Mal präsentiert. Die nächsten Gedenkanlässe für andere Dichter warten schon: Strech bereitet sich auf E.T.A Hoffmanns 200. Todestag im Juni vor. Für den Herbst steht Heinrich Heine auf dem Programm. Im Kellertheater geht es am 14. Mai zunächst mit einem Komponisten weiter. Volker Ranisch inszeniert die musikalische Soirée «Mozart. Auf den Spuren eines Genies».