«Der Stadtrat ist überzeugt, dass die Feuerwehr wieder in besten Händen ist»: Nach einem Alkohol-Debakel des früheren Kommandanten nimmt der Arboner Stadtrat eine personelle Rochaden vor

Der Arboner Stadtrat übergibt das Kommando der Stützpunktfeuerwehr an Felix Perrone. Sein Stellvertreter wird Manuel Britschgi.

Annina Flaig
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Der Stadtrat will das alte Kapitel abschliessen: Der frühere Kommandant der Feuerwehr Arbon war im Frühling mit Alkohol am Steuer erwischt worden.

Der Stadtrat will das alte Kapitel abschliessen: Der frühere Kommandant der Feuerwehr Arbon war im Frühling mit Alkohol am Steuer erwischt worden.

Annina Flaig

Felix Perrone kommt ins Schwitzen. Fürs Foto marschiert der neue Kommandant der Arboner Stützpunktfeuerwehr in der schweren Feuerwehrkleidung unter der prallen Sonne. Am Feuer wäre es noch heisser. «Erst recht, wenn man eine Atemschutzmaske trägt.» Der 40-jährige Arboner weiss das aus Erfahrung. Er trug eine, damals beim verheerenden Grossbrand im Saurer Werk Zwei. Perrone war einer von 400 Einsatzkräften, welche gegen die Flammen kämpften. «Der Brand ist acht Jahre her. Doch so etwas vergisst man nicht», erzählt er.

Manuel Britschgi, Felix Perrone und Marcel Rotach übernehmen Verantwortung bei der Feuerwehr Arbon.

Manuel Britschgi, Felix Perrone und Marcel Rotach übernehmen Verantwortung bei der Feuerwehr Arbon.

Annina Flaig

Auch den Grossbrand auf dem Raduner-Areal in Horn 2015 und den Thurella-Brand vor zwei Jahren hat er miterlebt. In Erinnerung bleiben ihm aber auch zwei Katzen, die er zusammen mit seinen Kameraden gerettet hat. «Unser Tätigkeitsfeld ist vielschichtig.» Dazu gehören nebst Tierrettungen auch Öl- oder Chemievorfälle und Verkehrsunfälle.

Der Kommandant opfert viel Freizeit

Nach 20 Jahren erreicht Perrones Feuerwehrkarriere nun einen Höhepunkt: Der Arboner Stadtrat hat den Oberleutnant zum Kommandanten gewählt. Damit wird er gleichzeitig zum Major befördert. Der zweifache Familienvater und Teilhaber der Schreinerei Moser in Arbon wird sein neues Amt am 1. Januar antreten. Beruflich werde er wenig kürzertreten. In das 20-Prozent-Amt werde er vor allem viel Freizeit investieren. «Ich bin in keinem Verein. Meine Mitgliedschaft bei der Feuerwehr und das Amt als Feuerwehrkommandant sehe ich als Dienst an der Allgemeinheit.»

Dominik Diezi, Stadtpräsident Arbon.

Dominik Diezi, Stadtpräsident Arbon.

Andrea Stalder

Perrone war im März als Vizekommandant nachgerückt. Dies nachdem der frühere Kommandant Hans Schuhwerk mit Alkohol am Steuer erwischt worden war. Der damals 63-Jährige hatte sein Amt nach 14 Jahren per sofort niederlegen müssen. «Weil Schuhwerk aber schon nahe am Pensionsalter war, hatte sich der Stadtrat damals sowieso schon mit der Nachfolgeregelung befassen müssen», betont Stadtpräsident Dominik Diezi am Montag an der Pressekonferenz.

Interimistisch die Führung übernommen hatte im Frühling Manuel Britschgi. Der 45-Jährige ist Mitglied der Geschäftsleitung einer Softwareentwicklungsfirma in St. Gallen. Aus beruflichen Gründen will er das Kommando per 1. Januar wieder abgeben. Ab dann wird er wieder Stellvertreter.

Die Stützpunktfeuerwehr Arbon hat rund 100 Mitglieder.

Die Stützpunktfeuerwehr Arbon hat rund 100 Mitglieder.

Annina Flaig

Ein weiterer Wechsel ist bereits passiert: Im August hat der 36-jährige Marcel Rotach die 100-Prozent-Stelle als Materialwart angetreten. Der zweifache Familienvater ist seit 16 Jahren bei der Feuerwehr und kümmert sich nun um die Fahrzeugflotte, das Material und das Feuerwehrdepot.

«Diese Herren standen beim Stadtrat sofort im Fokus, weil sie langjährige Offiziere waren», sagt Diezi. Er betont, dass die Feuerwehr Arbon zu jeder Zeit funktionsfähig gewesen sei und die Bevölkerung immer auf ihre Feuerwehr zählen könne. «Der Stadtrat ist überzeugt, dass die Feuerwehr wieder in besten Händen ist.» Auch Luzi Schmid, Stadtrat Ressort Einwohner und Sicherheit, der immer wieder bei Übungen dabei ist, ist voll des Lobes: «Wir haben eine sehr gute Mannschaft.»

Zu wenig Mitglieder

Laut Interimskommandant Manuel Britschgi gehören der Stützpunktfeuerwehr Arbon aktuell rund 100 Freiwillige an. Vor Jahren seien es mal 150 gewesen. «Ideal wäre es, wenn wir wieder rund 120 wären», sagt er. Der Stab will sich deshalb auf die Suche nach neuen Feuerwehrleuten machen. Für weitere Infos und Kontakt: hier